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Herzinfarkt verhindern, bevor er passiert: Umdenken in der Prävention

Arzt hält Tablet mit digitaler Infografik zu kardiovaskulärer Prävention – Symbole für Treatment, Plaque, Cardiac Risk, Symptoms und Check-up

Quelle: © KHAN VECTOR CO. – stock.adobe.com

Herzinfarkt verhindern, bevor er passiert: Umdenken in der Prävention

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Prävention und Rehabilitation

mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: herzmedizin

Wer einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatte, wird in Deutschland meist konsequent behandelt – doch wer noch keines dieser Ereignisse erlitten hat, fällt häufig durchs Raster. Dabei zeigen aktuelle Studiendaten eindeutig: Kardiovaskuläre Prävention wirkt am stärksten, wenn sie früh beginnt. Auf der 92. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) präsentierten Expertinnen und Experten neue Daten, die diesen Paradigmenwechsel untermauern – darunter Ergebnisse der VESALIUS-CV-Studie, wonach der PCSK9-Antikörper Evolocumab das Herzinfarktrisiko bei Hochrisikopatientinnen und -patienten ohne Vorereignis um 36 % senkt.

Kardiovaskuläre Prävention bedeutet heute nicht mehr, nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall gegenzusteuern. Sie muss weit früher beginnen – idealerweise, bevor ein erstes Ereignis überhaupt aufgetreten ist. Das war die zentrale Botschaft eines Expertensymposiums im Rahmen der 92. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim.

Vom Ereignis zur lebenslangen Risikosteuerung

Lange stand die kardiovaskuläre Medizin unter dem Paradigma, erst nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall intensiv zu behandeln. Dieses Denken ist überholt, so die einhellige Meinung der Fachleute.

„Ziel der kardiovaskulären Prävention ist es heute, die lebenslange Exposition gegenüber den Risikofaktoren so zu minimieren, dass idealerweise kardiovaskuläre Erkrankungen gar nicht mehr auftreten“, erklärte Prof. Stephan Gielen aus Detmold. Bereits heute sei 99 % der kardiologischen Arbeit Prävention – von der Blutdrucksenkung über Raucherentwöhnung bis zur LDL-C-Senkung mit Statinen.

Grundlage dieses Ansatzes ist das Konzept des kardiovaskulären Kontinuums: Risikofaktoren schädigen Gefäße über Jahrzehnte kumulativ. Je früher eingegriffen wird, desto größer der Nutzen.

Deutschland hinkt hinterher

Trotz dieses Wissens zeigt die Versorgungsrealität in Deutschland erhebliche Lücken. Daten der VESALIUS-REAL-Studie belegen: Bei Hochrisikopatientinnen und -patienten ohne vorangegangenen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhalten in Deutschland 72 % keine leitliniengerechte Therapie zur LDL-C-Senkung.

Im europäischen und internationalen Vergleich liegt Deutschland bei der Lebenserwartung im unteren Drittel – die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit ist hierzulande deutlich höher als etwa in Japan. „Die Daten zeigen, dass bei der Einstellung der Lipidwerte eine große Lücke zwischen Leitlinienanspruch und der Versorgungsrealität klafft“, so Gielen.

Warum frühes Handeln entscheidend ist: Der LDL-Faktor

LDL-Cholesterin (LDL-C) ist ein zentraler Risikofaktor für Atherosklerose. Die Plaque-Last in den Gefäßen summiert sich proportional zur kumulierten LDL-C-Exposition über die Lebensjahre. Ab einer kumulativen LDL-C-Exposition von 5.000 mg/dl-Jahren steigt das lebenszeitliche Herzinfarktrisiko relevant an.

Besonders relevant: Eine frühzeitige LDL-C-Kontrolle wirkt nachhaltiger als eine spätere Intervention. Daten der Analyse NATURE-LEGACY (basierend auf der UK Biobank) zeigen, dass eine frühe LDL-C-Senkung das Risiko für koronaren Herztod, Herzinfarkt oder ischämischen Schlaganfall um weitere 32 % reduziert – verglichen mit einer späteren Therapie. Experten sprechen vom sogenannten Legacy-Effekt: Die positive Wirkung einer frühzeitigen Behandlung hält auch nach deren Beendigung an.

Scheinbar gesunde Patientin – tatsächlich hohes Risiko

Wie irreführend ein auf den ersten Blick unauffälliges Risikoprofil sein kann, verdeutlichte PD Dr. Badder Kattih aus Frankfurt am Main anhand eines Fallbeispiels: Eine 57-jährige Patientin zeigte im Standard-Risikorechner (SCORE2) lediglich ein 10-Jahres-Risiko von 3,7 %. Wurden jedoch Risikomodifikatoren wie ein erhöhtes Lipoprotein(a) (Lp(a)) von 275 nmol/l berücksichtigt, stieg das Lebenszeitrisiko von 11,3 % auf 22,9 %.

Bildgebende Verfahren wie die Karotis-Sonografie oder die koronare Computertomografie (CT) können zusätzliche Hinweise auf eine bestehende Plaque-Last liefern – und sowohl die Therapieentscheidung als auch die Therapietreue der Patientinnen und Patienten verbessern. Im beschriebenen Fall wurde die Patientin schließlich als Hochrisikopatientin eingestuft und erhielt eine eskalierte Therapie mit einem PCSK9-Antikörper.

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