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Short-QT-Syndrom: Wie Genmutationen den Herzrhythmus gefährden

Dr. Ibrahim El-Battrawy, Arbeitsgruppenleiter für zelluläre und translationale Physiologie an der Ruhr-Universität Bochum, erforscht erbliche Herzrhythmusstörungen wie das Short-QT-Syndrom

Quelle: Ibrahim El-Battrawy erforscht erbliche Herz-Rhythmus-Störungen. © Stephan Eichler

Short-QT-Syndrom: Wie Genmutationen den Herzrhythmus gefährden

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Erschienen in: herzmedizin

Mutationen im Gen SLC4A3 verändern den pH-Wert in Herzmuskelzellen und stören den Ionenfluss – mit potenziell tödlichen Folgen. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Ruhr-Universität Bochum hat den Mechanismus erstmals aufgeklärt.

Ein gestörter Takt – mit fatalen Folgen

Das Herz schlägt im Rhythmus, weil sich Millionen Muskelzellen präzise koordiniert anspannen und wieder entspannen. Diese Koordination wird elektrisch gesteuert: Ionen fließen durch spezialisierte Kanäle in der Zellwand ein und aus und erzeugen dabei elektrische Impulse. Gerät dieser Mechanismus aus dem Takt, kann das lebensbedrohlich werden.

Beim Short-QT-Syndrom (SQTS) ist genau das der Fall. Die angeborene Erkrankung verkürzt das sogenannte QT-Intervall – die Zeit zwischen Anspannung und Entspannung der Herzmuskelzellen – und führt so zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen. In schlimmsten Fällen endet das Short-QT-Syndrom mit dem plötzlichen Herztod im jungen Alter.

Der Verdacht: Mutationen im Gen SLC4A3

Als mögliche Ursache für familiäre Formen des SQTS wurden kürzlich Mutationen im Gen SLC4A3 beschrieben. Dieses Gen reguliert den Austausch von Bicarbonat und Chlorid in Zellen – ein Prozess, der für das innere Gleichgewicht der Herzmuskelzelle entscheidend ist. Wie genau diese Mutationen das SQTS auslösen, war jedoch bislang ungeklärt.

Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung von Dr. Ibrahim El-Battrawy, Arbeitsgruppenleiter der Abteilung zelluläre und translationale Physiologie der Ruhr-Universität Bochum, ist diesem Verdacht nun systematisch nachgegangen. Die Ergebnisse wurden im European Heart Journal (5. März 2026) veröffentlicht.

Modernste Methoden: Stammzellen und CRISPR

Im Mittelpunkt der Studie standen zwei bislang nicht beschriebene Genvarianten: p.Arg370Cys und p.Lys531Thr. Um deren Wirkung zu untersuchen, generierten die Forschenden menschliche Herzmuskelzellen aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPSC) betroffener Familien. Mit der Genschere CRISPR/Cas9 wurden die Mutationen korrigiert, um genetisch identische Vergleichszelllinien herzustellen.

Anschließend kamen zahlreiche Analysemethoden zum Einsatz – darunter Patch Clamp, Calcium-Transient-Imaging, intrazelluläre pH-Messung, Proteinstrukturanalyse und Optical-Mapping in einem Organoid-Modell.

Der Mechanismus: Alles beginnt mit dem pH-Wert

Die Analysen lieferten klare Ergebnisse: Zellen mit mutiertem SLC4A3-Gen zeigten eine signifikant verkürzte Aktionspotentialdauer und eine erhöhte Arrhythmierate. Der Ionenfluss war in mehrfacher Hinsicht verändert:

  • Reduktion des L-Typ-Kalziumstroms (ICa-L)
  • Erhöhung des Natrium-Calcium-Austauscher-Stroms (INCX)
  • Signifikant erhöhter intrazellulärer pH-Wert

Um zu bestätigen, dass der veränderte pH-Wert tatsächlich der Auslöser ist, induzierten die Forschenden eine künstliche pH-Erhöhung in gesunden Herzmuskelzellen – mit demselben Ergebnis: verkürzte Aktionspotentialdauer, erhöhter INCX, reduzierter ICa-L. „Wir gehen davon aus, dass das Ganze mit einer Erhöhung des intrazellulären pH-Wertes beginnt”, erklärt Dr. El-Battrawy.

Therapieansatz: Medikamente zeigen Wirkung

Ermutigend sind die Ergebnisse zu bestehenden Medikamenten: Die Antiarrhythmika Chinidin und Sotalol verlängerten die Aktionspotentialdauer und reduzierten die Häufigkeit von Rhythmusstörungen in den mutierten Zellen nachweislich.

„Diese Erkenntnisse sind für eine personalisierte Therapie bei SQTS-Patienten mit SLC4A3-Mutationen entscheidend”, so Dr. El-Battrawy. Die Studie liefert damit nicht nur ein tieferes Verständnis der Erkrankung, sondern auch konkrete Hinweise für die gezielte Behandlung betroffener Genträger.

Internationale Zusammenarbeit

An dem Projekt sind Forschungsstandorte in Bochum, Mannheim, Göttingen, Heidelberg, Zürich, Valencia und Toronto beteiligt. Gefördert wurde die Studie durch das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung, die Hector-Stiftung, die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung und die Deutsche Herzstiftung.

Originalpublikation: Zenghui Meng et al. SLC4A3-related Short QT Syndrome Assessed in Human Induced Pluripotent Stem Cell-Derived Cardiomyocytes: Mechanisms of Ventricular Arrhythmia and Sudden Cardiac Death. Eur Heart J 2026, ehag068. doi: 10.1093/eurheartj/ehag068

Quelle: Ruhr-Universität Bochum

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