Neurologie und Psychiatrie » Kopfschmerzerkrankungen

»

DGS macht auf Versorgungslücke bei Migräne aufmerksam

Quelle: © Imran - stock.adobe.com

DGS macht auf Versorgungslücke bei Migräne aufmerksam

Aktuelles

Neurologie und Psychiatrie

Kopfschmerzerkrankungen

mgb medizin Redaktion

Verlag

4 MIN

Erschienen in: neuro aktuell

Migräne ist mehr als nur „Kopfschmerz“

DGS fordert zum Tag des Kopfschmerzes einen früheren Zugang zu leitliniengerechter Versorgung

Zum bundesweiten Tag des Kopfschmerzes am 5. September will die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) auf die Versorgungslücke bei Migräne aufmerksam machen. Migräne ist für Betroffene oft weit mehr als „nur Kopfschmerz“. Sie kann den Alltag, die Arbeit und das Familienleben massiv beeinträchtigen. Gleichzeitig wird sie häufig zu spät erkannt oder nicht passend behandelt. Dabei waren die Möglichkeiten der modernen Migränetherapie nie besser als heute.

Mit rund acht bis zehn Millionen Betroffenen zählt Migräne zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen in Deutschland und gehört weltweit zu den führenden Ursachen für krankheitsbedingte Einschränkungen im erwerbsfähigen Alter. Trotz moderner Therapiemöglichkeiten würden viele Betroffene zu spät diagnostiziert oder nicht konsequent nach aktuellem Stand behandelt.

Wie lässt sich Migräne früher erkennen? Was hilft im Alltag wirklich? Warum brauchen viele Betroffene einen besseren Zugang zu moderner Versorgung? Mit ihrer Initiative „Berlin migränefrei 2027“ (siehe PM unten) wollen die Schmerzmediziner Dr. Jan Peter Jansen, Leiter des DGS-Landeszentrums Berlin/Brandenburg, und seine Tochter Dr. Wiebke Jansen Menschen dabei unterstützen, ihre Migräne zu verstehen, wirksam zu behandeln und einen selbstbestimmten Umgang mit ihrer neurologischen Veranlagung zu entwickeln. Am 1. Oktober startet in Berlin der „Migräne-Lotse“, eine niedrigschwellige Anlaufstelle für Menschen mit Verdacht auf Migräne oder gesicherter Diagnose, die Orientierung und Zugang zu einer leitliniengerechten ambulanten Versorgung bieten soll. „Denn die Folgen einer unzureichenden Versorgung sind vermeidbare Schmerzen, Einschränkungen der Lebensqualität sowie erhebliche gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Belastungen.“, sagt Dr. Wiebke Jansen.

„Migräne ist keine Schwäche, sondern eine neurologische Besonderheit. Viele Menschen mit Migräne verfügen über außergewöhnliche Fähigkeiten und Ressourcen,“ sagt Dr. Michael Überall, DGS-Vizepräsident, Schmerzmediziner, Kinderarzt und Experte für Migräneprophylaxe aus Nürnberg. Er lebt selbst mit Migräne und kann die negativen und positiven Seiten der Erkrankung aus eigener Erfahrung einordnen. „Wichtig ist es, dass Migräne frühzeitig erkannt und passgenau behandelt wird. Wir haben heute wirksame Optionen für Akuttherapie und Prophylaxe – von Triptanen über CGRP-Antikörper bis zu nichtmedikamentösen Ansätzen. Entscheidend ist, dass Menschen mit häufigen Attacken oder chronischer Migräne nicht jahrelang warten müssen, bis sie eine sinnvolle Therapie erhalten. Wer frühzeitig behandelt wird, hat eine realistische Chance, Attackenfrequenz und Leidensdruck deutlich zu reduzieren und einer Chronifizierung vorzubeugen.“

Prof. Dr. Hartmut Göbel, Leiter des DGS Exzellenzzentrum Kiel, Schmerzmediziner, Neurologe und Experte für Kopfschmerz- und Migränemedizin, ordnet die Erkrankung medizinisch ein: „Migräne entsteht aus einer neurobiologischen Disposition heraus, die durch genetische und Umweltfaktoren geprägt ist. Wenn Attacken zu häufig werden oder nicht adäquat behandelt werden, kann sich ein chronischer Schmerz entwickeln. Eine gute Behandlung bedeutet heute, frühzeitig zu diagnostizieren, leitliniengerecht zu therapieren und digitale sowie verhaltensbasierte Angebote sinnvoll zu kombinieren.“ Göbel hat mit der TK die Migräne-App entwickelt, die dabei hilft, den Überblick über Attacken, Trigger und Therapieerfolge zu behalten.

„Das Thema Kopfschmerz und Migräne ist ein wichtiger Schwerpunkt der DGS. Mit unseren Praxisleitlinien, der Vernetzung von Schmerzzentren und gezielten Fortbildungen schaffen wir die Grundlage für eine leitliniengerechte Versorgung,“ sagt DGS-Präsident Dr. Richard Ibrahim. Auf unseren Kongressen, dem Innovationsforum am 20. und 21. November 2026 in Kassel sowie den Schmerz- und Palliativtagen vom 11. bis 13. März 2027 in Frankfurt/Main präsentieren wir den aktuellen Stand der Wissenschaft, diskutieren Versorgungsmodelle und zeigen konkrete Wege auf, wie Betroffene schneller und passgenau behandelt werden können.“ Pressevertreter können kostenfrei an beiden Veranstaltungen teilnehmen.

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin vom 02.09.2026

Weitere Beiträge zu diesem Thema

DPtV nimmt Stellung zu geplantem Suizid-Präventionsgesetz

Aktuelles

„Suizid ist bei zehn- bis unter 25-Jährigen die häufigste Todesursache. Im Durchschnitt sterben in Deutschland täglich 28 Menschen durch Suizid. Jeder zehnte bis zwölfte Mensch in Deutschland hat im Laufe seines Lebens Suizidgedanken.

Neurologie und Psychiatrie

Psychische Erkrankungen

Allgemeine Aspekte

Beitrag lesen

Membrantransporter als neue Ziele im Kampf gegen neuronale Erkrankungen

Aktuelles

Sie transportieren Nährstoffe, regulieren Botenstoffe wie Serotonin oder Dopamin und beeinflussen den Energiehaushalt des Gehirns: Spezielle Transportproteine in der Zellmembran, sogenannte Solute Carrier (SLCs), erfüllen viele lebenswichtige Aufgaben. Einige von ihnen sind seit Jahrzehnten Angriffspunkte erfolgreicher Medikamente, etwa gegen Depression oder Epilepsie.

Neurologie und Psychiatrie

Forschung

Beitrag lesen

Migräne bei Frau und Mann: Geschlechtsspezifische Unterschiede im Fokus

Aktuelles

Nicht jeder Kopf-schmerz erzählt dieselbe Geschichte. Besonders bei Migräne zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede – von der Symptomatik über die Krankheitslast bis hin zu möglichen Besonderheiten der Schmerzverarbeitung. Warum dieses Wissen für Diagnostik, Beratung und Behandlung relevant sein kann, war Thema eines Pressegesprächs mit dem Neurologen und Kopfschmerzexperten PD Dr. Charly Gaul.

Neurologie und Psychiatrie

Kopfschmerzerkrankungen

Beitrag lesen