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Umweltabkommen sollen psychische Gesundheit stärker berücksichtigen

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Umweltabkommen sollen psychische Gesundheit stärker berücksichtigen

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: neuro aktuell

Klimawandel, Umweltverschmutzung und der Verlust von Biodiversität schaden nicht nur dem Körper, sondern auch der Psyche. Das zeigt ein internationales Autorenteam, an dem der Augsburger Mediziner Prof. Dr. Alkomiet Hasan beteiligt ist, in der Fachzeitschrift Nature. Die Forschenden fordern, dass internationale Umweltabkommen diese Verbindung künftig stärker berücksichtigen, da die psychische Gesundheit durch Umweltveränderungen und ihre sozialen Folgen beeinträchtigt werde.

Der Beitrag zeigt konkrete Ansatzpunkte auf: von gemeinsamen Gesundheits- und Umweltindikatoren bis hin zu einer stärkeren Berücksichtigung psychischer Gesundheit bei der Umsetzung und Bewertung von Umweltpolitik.


Umwelt und psychische Gesundheit sind eng miteinander verbunden

Wie Menschen leben und wie es ihnen psychisch geht, hängt nicht allein von individuellen Faktoren und der medizinischen Versorgung ab. Auch die Umweltbedingungen, denen sie ausgesetzt sind, spielen eine wichtige Rolle. Luftverschmutzung, Schadstoffe, belastetes Wasser, Klimaveränderungen, Naturkatastrophen oder der Verlust von Lebensgrundlagen können die psychische Gesundheit auf unterschiedliche Weise beeinflussen.

Besonders deutlich wird dies bei Kindern und Jugendlichen. Schadstoffe wie Blei, Quecksilber oder langlebige organische Schadstoffe können die Entwicklung von Gehirn und Verhalten beeinträchtigen. Bei Erwachsenen können unter anderem Luftverschmutzung und schlechte Umweltbedingungen mit einer geringeren Lebensqualität sowie einer Zunahme von Depressionen und Ängsten verbunden sein. Klimawandel, Dürren, Naturkatastrophen, der Verlust von Lebensgrundlagen und erzwungene Migration können zudem mit traumatischen Erfahrungen, chronischem Stress und psychischer Belastung einhergehen.


Internationale Umweltpolitik und psychische Gesundheit gemeinsam denken

Trotz dieser Zusammenhänge werden Umweltpolitik und psychische Gesundheit in internationalen Abkommen und politischen Strategien bislang häufig getrennt behandelt. Psychische Gesundheit spielt beispielsweise in den Berichts- und Umsetzungsmechanismen vieler Umweltabkommen kaum eine Rolle. Gleichzeitig werden psychische Gesundheit und psychosoziales Wohlbefinden bislang nur selten als Kriterien herangezogen, um den Erfolg von Umweltmaßnahmen zu bewerten.

Die Autoren schlagen deshalb vor, beide Bereiche systematischer miteinander zu verknüpfen. Dazu könnten gemeinsame Indikatoren, entsprechende Finanzierungskriterien, konkrete Umsetzungshilfen und Mechanismen zur Rechenschaft beitragen.

„Wenn wir psychische Gesundheit wirklich als Teil von Public Health verstehen, dürfen wir nicht erst bei der Behandlung psychischer Erkrankungen ansetzen. Wir müssen auch die Lebensbedingungen in den Blick nehmen, die psychische Gesundheit beeinflussen. Umweltpolitik kann dabei ein wichtiger Baustein von Prävention sein“, sagt Prof. Dr. Alkomiet Hasan, Inhaber des Lehrstuhls für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg.


Unterschiedliche Umweltprobleme – unterschiedliche Auswirkungen

Die Autoren ordnen internationale Umweltabkommen danach, wie unmittelbar ihre Regelungen mit der psychischen Gesundheit zusammenhängen und wie gut sich entsprechende Auswirkungen erfassen lassen.
Besonders eng ist die Verknüpfung bei Abkommen zu Chemikalien und gefährlichen Abfällen. So können Regelungen zu Quecksilber, langlebigen Schadstoffen oder hochgefährlichen Pestiziden dazu beitragen, die Belastung des Gehirns und des Nervensystems zu verringern. Einschränkungen bei besonders gefährlichen Pestiziden können zudem den Zugang zu Mitteln für Selbstvergiftungen reduzieren.
Bei Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Landdegradation und Katastrophen sind die Zusammenhänge komplexer. Klimabedingte Extremereignisse, Dürren, der Verlust von Lebensgrundlagen oder die Vertreibung aus der eigenen Heimat können psychische Belastungen verstärken. Gleichzeitig kann der Erhalt von Natur und Ökosystemen auch zum Wohlbefinden beitragen.


Messbare Ziele für eine gemeinsame Gesundheits- und Umweltpolitik

Ein zentraler Vorschlag des Autorenteams ist deshalb, Umweltpolitik stärker mit messbaren gesundheitlichen Auswirkungen zu verbinden. Bereits vorhandene Daten könnten dafür teilweise genutzt werden. Je nach Umweltproblem kommen beispielsweise Entwicklungs- und kognitive Fähigkeiten von Kindern, Vergiftungen, Suizidraten, Depressionen, Angststörungen oder posttraumatische Belastungsstörungen als Indikatoren infrage. Bei Maßnahmen zum Schutz der Ozonschicht erwarten die Autoren dagegen eher langfristige und indirekte Effekte. Menschenrechte bilden aus ihrer Sicht eine wichtige Querschnittsperspektive – insbesondere beim Schutz von Kindern, Menschen mit Behinderungen und besonders vulnerablen Bevölkerungsgruppen. „Die entscheidende Frage ist nicht, ob Umweltveränderungen psychische Gesundheit beeinflussen, sondern wie wir dieses Wissen in konkrete politische Entscheidungen übersetzen. Dafür brauchen wir bessere Verbindungen zwischen Umwelt-, Gesundheits- und Sozialpolitik“, so Hasan.


Beitrag aus Augsburg in internationalem Fachjournal

Die Publikation ist ein gemeinsamer wissenschaftlicher Kommentar von Forschenden aus verschiedenen Ländern und Disziplinen. Sie versteht sich nicht als neue klinische Studie, sondern als Vorschlag für eine stärkere Verzahnung von Umwelt- und Gesundheitspolitik und für einen systematischeren Blick auf die psychischen Folgen von Umweltveränderungen.

Prof. Dr. Alkomiet Hasan ist als Professor für Psychiatrie und Leiter der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Augsburg einer von acht Autoren.

Publikation: Kumar, M., Ojo, T. M., Hijazi, Z., Lukorito, C., Hassell, J. M., Hasan, A., Luykx, J. J. & Brandt, L. (2026). Why environmental treaties must also address mental health. Nature, 656, 292–296. https://doi.org/10.103…26-02450-3

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Dr. med. Alkomiet Hasan
Lehrstuhl für Psychiatrie und Psychotherapie
Universität Augsburg
Telefon: +49 (0) 821 4803-1001
E-Mail: alkomiet.hasan@bkh-augsburg.de

Quelle: Pressemitteilung der Universität Augsburg vom 04.09.2026

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