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Erstmals adjuvante Therapie beim RET-fusionspositiven NSCLC

Stilisiertes Bild von Lungen mit dem Schriftzug „Lung Cancer“, symbolisiert die Diagnose und Behandlung von nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC).

Quelle: © Ivelin Radkov – stock.adobe.com

Erstmals adjuvante Therapie beim RET-fusionspositiven NSCLC

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: onkologie heute

Auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) wurden mehr als 3.400 Abstracts zu einer Vielzahl von Tumorentitäten präsentiert. Wichtige neue Studiendaten gab es zu nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen (NSCLC), Mamma- und Kolorektalkarzinomen.

Bei 1–2 % aller NSCLC-Patienten können RET-Fusionen als Treiberalteration nachgewiesen werden. Mit Selpercatinib steht seit einigen Jahren ein potenter RET-Inhibitor zur Verfügung, der sich in der Phase-3-Studie LIBRETTO-431 beim fortgeschrittenen RET-fusionspositiven NSCLC der platinbasierten Chemotherapie (+/- Pembrolizumab) als überlegen erwies. Da Patienten mit frühem resektablem NSCLC trotz potenziell kurativer Chirurgie und Bestrahlung innerhalb der nächsten 5 Jahre ein hohes Rückfallrisiko aufweisen, wurde Selpercatinib in der Studie LIBRETTO-432 nun auch in der adjuvanten Therapie geprüft: Die Phase-3-Studie umfasste 151 Patienten mit histologisch bestätigtem RET-fusionspositivem NSCLC der Stadien IB – IIIA nach Tumorresektion und Bestrahlung, die zur aktiven Therapie mit dem RET-Inhibitor oder zu Placebo über jeweils 3 Jahre randomisiert wurden.

Adjuvante Therapie mit Selpercatinib erfolgreich

Für die erste Analyse von LIBRETTO-432 wurden die Daten von 109 Teilnehmern der Stadien II und IIIA ausgewertet; jeweils 11 Patienten beider Arme im Stadium IB wurden nicht berücksichtigt. Prof. Dr. Jonathan Goldman, Los Angeles, wertete die Ergebnisse dieser Analyse als „bemerkenswert“: Die 2-Jahresrate des ereignisfreien Überlebens (EFS; primärer Endpunkt) verbesserte sich von 61,1 % im Placeboarm auf 91,5 % mit Selpercatinib, war einer signifikanten Reduktion des Rezidivrisikos um 83 % entspricht (HR 0,172; p = 0,0003). Im Verumarm traten nur 4 Ereignisse, im Kontrollarm dagegen 19 Rückfälle auf. Der Vorteil der adjuvanten Therapie erstreckte sich konsistent über alle Subgruppen. Die Verträglichkeit von Selpercatinib unterschied sich nicht von der im metastasierten Setting. Häufigste Nebenwirkungen waren mit rund 60 % Leberwert-Erhöhungen, die meist geringgradig ausfielen. Höhergradige Toxizitäten waren durch Dosismodifikationen gut zu kontrollieren. Auf Basis der Daten sollte die adjuvante Therapie mit Selpercatinib beim frühen RET-fusionspositiven NSCLC ein neuer Standard werden, resümierte Goldman. Er betonte die Wichtigkeit der genetischen Testung auf Treiberalterationen direkt bei Erstdiagnose eines NSCLC, um die optimale Therapieentscheidung treffen zu können.

Neue Option beim HER2-positiven mCRC

3 bis 5 % aller Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom (mCRC) weisen eine Überexpression oder Amplifikation von HER2 als wichtigem onkogenen Treiber auf. Ihre Prognose ist ungünstig und ihnen stehen bislang nur wenige Therapieoptionen zur Verfügung, erinnerte Prof. Dr. Jin Li, Shanghai. Mit Trastuzumab-Rezetecan wurde ein Antikörper-Drug Konjugat (ADC) entwickelt, bei dem der Topoisomerase-I-Inhibitor SHR 169265 über einen Tetrapeptid-basierten Linker mit dem Anti-HER2-Antikörper verbunden ist. Zu dem ADC liegen bereits positive Daten einer Phase-I-Studie vor, sodass für die Phase-III-Studie HORIZON-CRC01 anschließend 130 mit Fluoropyrimidinen, Oxaliplatin und Irinotecan vorbehandelte Patienten mit HER2-positivem mCRC rekrutiert wurden. Sie erhielten randomisiert im Verhältnis 2:1 Trastuzumab-Rezetecan oder die Standardtherapie mit Trifluridin/Tipiracil, Regorafenib oder Fruquitinib.

Nach knapp 10-monatigem Follow-up hatte die Studie ihren primären Endpunkt erreicht: Das mediane PFS war unter dem ADC mit 5,5 Monaten nahezu doppelt so lang wie im Kontrollarm (vs. 2,8 Monate; HR 0,33; p = 0,0001). Von Trastuzumab-Rezetecan profitierten alle Subgruppen konsistent. Während im Standardarm nur 4,5 % der Patienten mit einer partiellen Remission ansprachen, lag die ORR unter dem ADC bei 40,7 % (p = 0,0001). Li zufolge ist die Behandlung mit Trastuzumab-Rezetecan gut handhabbar. Die Rate therapiebedingter Toxizitäten vom Grad 3–5 war mit rund 50 % in beiden Armen ähnlich. Abbrüche der Therapie mit dem ADC aufgrund von Nebenwirkungen waren nicht erforderlich.

Li wertete Trastuzumab-Rezetecan aufgrund der positiven Studiendaten als eine neue Option beim Chemotherapie-refraktären, HER2-positiven mCRC. Auch Diskutant Dr. Filippo Pietrantonio, Mailand, bezeichnete den PFS-Benefit in HORIZON-CRC01 als „eindrucksvoll“ und die hohe Gesamtansprechrate von 41 % als „interessant“.

Langzeit-Benefit von Sacituzumab-Govitecan beim Brustkrebs

Aus der Studie ASCENT-04 liegen positive Langzeitergebnisse zum ADC Sacituzumab-Govitecan (SG) plus Pembrolizumab vor. Die Phase-III-Studie umfasste 443 Patientinnen mit fortgeschrittenem triple-negativem Brustkrebs (TNBC) und einer PD-L1-Expression ≥ 10 %, die randomisiert dem ADC oder einer Chemotherapie (nab-Paclitaxel, Paclitaxel, oder Gemcitabin/Carboplatin) plus Pembrolizumab zugeteilt worden waren. Die bereits 2025 vorgestellte Primäranalyse hatte eine signifikante Verbesserung des PFS mit einer Reduktion des Progresssionsrisikos um 35 % (HR 0,65; p = 0,001) und einen positiven Trend beim OS ergeben. Allerdings waren die OS-Daten zugunsten von SG/Pembrolizumab bei dieser Auswertung noch nicht reif, berichtete Prof. Dr. Kevin Kalinsky, Atlanta. Er wies darauf hin, dass 81 % der Kontrollpatientinnen bei Progress in den SG-Arm wechselten, was die Daten zum OS vermutlich verwässert. In dieser Situation kann die Ermittlung des PFS2, also die Zeit ab Randomisierung bis zum zweiten Progress oder Tod, wertvolle Informationen zum langfristigen Nutzen einer Therapie liefern.

Auf der ASCO-Tagung stellte Kalinsky eine weitere Auswertung der Studie zu den exploratorischen Endpunkten PFS2 sowie Zeit bis zur ersten bzw. zweiten Folgetherapie (TFST bzw. TSST) vor. Zu diesem Zeitpunkt erhielten noch 43 % der Patientinnen des experimentellen Arms, aber nur 23 % der Kontrollpatientinnen die Prüfmedikation. 55 % bzw. 70 % bekamen im Anschluss eine Zweit- oder Drittlinientherapie, im Kontrollarm überwiegend SG. Das mediane PFS2 im Kontrollarm liegt bei 21 Monaten, während der Median im SG-Arm noch nicht erreicht ist. Die 2-Jahresrate des PFS2 lag im experimentellen Arm mit 63,7 % um absolut fast 20 % über der im Kontrollarm (45,6 %). „Trotz der hohen Crossover-Rate wurde das Risiko für einen zweiten Progress durch SG um relativ 33 % reduziert“, betonte Kalinsky, was nach seinen Worten für den anhaltenden Benefit von SG plus Pembrolizumab über den ersten Progress hinaus spricht. Zudem verzögerte das experimentelle Regime die Zeit bis zu Folgetherapien: Die TFST war mit 17,3 Monaten fast doppelt so lang wie im Kontrollarm mit nur 9,8 Monaten. Die TSST liegt im Kontrollarm bei median 21 Monaten; unter SG plus Pembrolizumab ist der Median noch nicht erreicht.

Sicher und effektiv: Fasten während neoadjuvanter Chemotherapie

Als Wachstumsfaktor kann Insulin bekanntlich das Tumorwachstum fördern und zudem die Wirksamkeit einer Chemotherapie verringern. Doch könnte ein kurzzeitiges Fasten über die Modulation des Stoffwechsels zu einer Verstärkung zytotoxischer Effekte führen, erläuterte Dr. Claudia Marchetti, Rom. Diese Hypothese wurde in einer randomisierten Phase-II-Studie bei 36 Frauen mit neu diagnostiziertem High-grade serösem Ovarialkarzinom geprüft. Die Teilnehmerinnen waren ungeeignet für eine sofortige Zytoreduktion und benötigten zunächst eine neoadjuvante Chemotherapie. Sie wurden während der 3 Chemotherapie-Zyklen randomisiert dem Interventionsarm mit Kurzzeit-Fasten oder dem Kontrollarm mit üblicher Ernährung zugeteilt. Frauen der Interventionsgruppe fasteten 36 Stunden vor und 24 Stunden nach jedem Zyklus, durften aber unbegrenzt Wasser und Kräutertee sowie begrenzt auch Gemüsesaft und –brühe zu sich nehmen. Die maximale Kalorienaufnahme durfte 350 Kilokalorien pro Tag nicht überschreiten.

Durch das Kurzzeit-Fasten wurde nach Ende der Chemotherapie eine signifikante Abnahme des Insulinspiegels im Vergleich zum Standardarm erreicht (9,59 vs. ­18,5 µIU/ml; p = 0,014), sodass der primäre Endpunkt erreicht war. Während der Insulinspiegel im experimentellen Arm sank, wurden bei üblicher Ernährung Anstiege ermittelt. Die Toxizität der Chemotherapie unterschied sich in beiden Studienarmen nicht, sodass Marchetti das Kurzzeit-Fasten während der Chemotherapie als sicher bezeichnete. Darüber hinaus verbesserte sich durch die Intervention das onkologische Ergebnis: Nach einer Beobachtungszeit von median 16 Monaten lag das PFS in der Fastengruppe bei 38 Monaten, im Kontrollarm bei nur 24 Monaten. Auch das Ansprechen auf die Chemotherapie war bei den fastenden Patientinnen verbessert. Das Ergebnis dieser Studie sollte jetzt durch größere multizentrische Untersuchungen verifiziert werden, forderte Marchetti. „Die Studie ist klinisch relevant und ein exzellentes Beispiel für eine einfache, aber wirksame Maßnahme, die weltweit durchgeführt werden kann. Sie hat das Potenzial, die Prognose beim Ovarialkarzinom entscheidend zu beeinflussen“, kommentierte Prof. Dr. Eric Small, San Francisco, auf der offiziellen Vorab-Pressekonferenz der ASCO-Tagung.

Dr. Katharina Arnheim

Quelle: ASCO Annual Meeting, Chicago und online, 29. Mai bis 2. Juni 2026

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