Onkologie » Hämatoonkologie » Leukämien und MDS

»

Früherkennung von Krebs durch Infrarotlicht im Blut

Illustration eines Fingers mit Bluttropfen und Forschenden auf digitalem Datenpfad als Symbol fuer KI-gestuetzte Blutdiagnostik

Quelle: © LMU / Mihaela Žigman

Früherkennung von Krebs durch Infrarotlicht im Blut

Aktuelles

Onkologie

Hämatoonkologie

Leukämien und MDS

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Infrarotspektroskopie macht molekulare Signaturen im Blut sichtbar. LMU und Max-Planck-Institut entwickeln ein minimal-invasives Verfahren zur Krebsfrüherkennung – gefördert von der Wilhelm Sander-Stiftung.

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist eine der aggressivsten Formen von Blutkrebs. Die Erkrankung führt zu einem unkontrollierten Wachstum unreifer Blutzellen im Knochenmark, verdrängt die gesunde Blutbildung und hat eine schlechte Prognose: Weniger als die Hälfte der erwachsenen Patientinnen und Patienten überlebt länger als fünf Jahre. Neue Immuntherapien sollen das körpereigene Abwehrsystem gezielt gegen Krebszellen mobilisieren.

Besonders vielversprechend sind Ansätze, bei denen die Infrarotspektroskopie aus einer einfachen Blutprobe molekulare Signaturen erfasst. Damit lässt sich die Gesundheit ganzheitlicher bewerten und lassen sich Krankheiten potenziell deutlich früher erkennen als mit bisherigen Standardverfahren. Ziel der Münchner Forschenden ist es, durch die spektroskopische Messung einer Blutprobe Hinweise auf Krebs in sehr frühen Stadien zu erhalten. Diese Proben können im Rahmen einer regulären medizinischen Untersuchung gewonnen werden, ohne eine zusätzliche Belastung für die Patientinnen und Patienten darzustellen.

Der Mehrwert des „InfraRed Molecular Fingerprinting“ (IMF) liegt in dem ganzheitlichen Ansatz der Methode: Das Verfahren ist minimal-invasiv, benötigt kaum Probenvorbereitung und liefert in kurzer Zeit präzise Messdaten. „Solche Datensätze sind eine wesentliche Voraussetzung, um Krebs zuverlässig früh zu erkennen und damit die Chancen auf erfolgreiche Behandlungen deutlich zu erhöhen“, erklärt Žigman. Entwickelt wurde die Technologie am Lehr-stuhl für Laserphysik der LMU gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Quantenoptik.

In den kommenden zwei Jahren richtet das Forschungsteam in der klinischen Studienplattform Lasers4Life den Fokus auf Lungenkrebs – weltweit eine der häufigsten Tumorerkrankungen und nach wie vor die führende Ursache krebsbedingter Todesfälle. Eine zuverlässige Früherkennung könnte hier entscheidend sein, um frühzeitigere Therapien zu ermöglichen und die Prognose der Betroffenen erheblich zu verbessern.

Die Förderung der Wilhelm Sander-Stiftung ermöglicht es nun, Teilnehmende an mehreren Standorten in Deutschland in die Studie einzuschließen. Dies ist entscheidend, um die erforderlichen Fallzahlen schneller zu erreichen und zugleich Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen klinischen Merkmalen aufzunehmen. Das Lasers4Life-Team an der LMU München und am LMU-Klinikum Großhadern treibt diese neue Form der Krebsfrüherkennung nun gemeinsam mit seinen Partnern voran, um robuste und gut übertragbare Ergebnisse für die klinische Praxis zu erzielen.

Originalpublikation:

Eissa T, Leonardo C, Kepesidis KV et al. The Perils of Molecular Interpretations from Vibrational Spectra of Complex Samples. Angewandte Chemie International Edition. 2024; 63(50): e202411596

Pupeza I, Huber M, Trubetskov M et al. Field‑resolved infrared spectroscopy of biological systems. Nature. 2020; 577(7788): 52–59

Kepesidis KV, Huber M, Voronina L et al. Electric‑Field Molecular Fingerprinting to Probe Cancer. ACS Central Science. 2025; 11(4): 560–573

Kepesidis KV, Stoleriu MG, Feiler N et al. Assessing lung cancer progression and survival with infrared spectroscopy of blood serum. BMC Medicine. 2025; 23(1): 101

Quelle: Pressemitteilung Wilhelm Sander-Stiftung

Bildunterschrift
Eine Blutprobe wird mittels Infrarotspektroskopie ausgelesen, um molekulare Signaturen sichtbar zu machen. So lassen sich Krankheiten frühzeitig erkennen.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Illustration erhobener Haende mit pinken Schleifen als Symbolbild fuer Brustkrebs und endokrine Therapie

(Neo-)Adjuvante ­endokrine Therapie des primären ­Mammakarzinoms

Fachbeitrag

Das Hormonrezeptor-positive Mammakarzinom ist die häufigste Brustkrebserkrankung. Moderne adjuvante endokrine Therapien wie Tamoxifen und Aromatasehemmer senken Rückfall- und Sterblichkeitsrisiken deutlich – dennoch fordert das Nebenwirkungsmanagement und die Therapiewahl viel Individualität.

Onkologie

Gynäkologische Tumoren

Mammakarzinom

Beitrag lesen
Viele Messebesucher laufen durch eine moderne, lichtdurchflutete Messehalle mit Glasfassade

Kampf gegen den Hautkrebs mit neuen Möglichkeiten

Kongress

Hautkrebs bleibt ein großes Thema – für die Mediziner, das Behandlungsteam und die betroffenen Patientinnen und Patienten. Denn Hautkrebs ist nicht nur der häufigste Krebs, sondern die Erkrankung an Hautkrebs wird trotz der erheblichen Fortschritte in Diagnostik und Therapie in den letzten Jahren weltweit auch noch weiter zunehmen.

Onkologie

Hauttumoren

Allgemeine Aspekte

Beitrag lesen
Gruppe von vier Personen im Freien, eine Person haelt eine zweifarbige Krebsbewusstseins-Schleife als Symbol fuer das ROKAVI-Projekt zur KI-gestuetzten Krebsvorhersage mit Krankenkassendaten

KI und Krankenkassendaten: Früherkennung von Krebs

Aktuelles

Können KI-Modelle auf Basis von Krankenkassendaten Krebsrisiken vorhersagen? Das MHH-Projekt ROKAVI erforscht es. Für bessere Früherkennung, Risikokommunikation und Versorgung.

Onkologie

Künstliche Intelligenz

KI in der Onkologie

Beitrag lesen