Strahlentherapie-Resistenz stellt nach wie vor eine große Herausforderung bei der Behandlung des Plattenepithelkarzinoms im Kopf- und Halsbereich (HNSCC) dar. Ziel einer aktuellen Studie aus China war es, eine Vorhersage der Strahlenempfindlichkeit bei HNSCC auf Basis von Chemokinen zu ermöglichen.
Trotz der Verfügbarkeit verschiedener Behandlungsmethoden liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei Patient*innen mit lokal fortgeschrittenem HNSCC, die sich einer konkomitanten Radiochemotherapie unterziehen, unter 60 % [1]. Daher besteht ein Bedarf an neuen therapeutischen Ansätzen sowie an Strategien zur Identifizierung von Personen, die mit höherer Wahrscheinlichkeit positiv auf eine Strahlentherapie ansprechen. Das Forschungsinteresse richtet sich unter anderem auf Chemokine. Diese Signalproteine spielen eine zentrale Rolle bei der Modulation der Tumormikroumgebung und beeinflussen die Wirksamkeit der Strahlentherapie. Einer der wichtigsten Mechanismen ist hierbei die Rekrutierung von Immunzellen in die Tumormikroumgebung.
Um das Potenzial von Chemokin-Expressionsmustern für die Vorhersage des Ansprechens auf eine Strahlentherapie zu bewerten, haben Forschende ein auf Chemokinen basierendes Modell entwickelt. Dieses umfasst 47 Chemokine und 19 Chemokinrezeptoren, deren Zusammenhang mit der Patientenprognose analysiert wurde. Vor allem CXCL2, CCL28 und CCR8 scheinen ein Potenzial als prädiktive Biomarker für das Ansprechen auf die Strahlentherapie zu bieten. Für eine retrospektive Analyse von 423 HNSCC-Patient*innen wurden die Teilnehmenden entsprechend des Chemokin-Modells in zwei Gruppen stratifiziert: radiosensitiv (RS) und radioresistent (RR). In der RS-Gruppe zeigte sich unter Strahlentherapie ein signifikant verbessertes Gesamtüberleben (OS), während dieser prognostische Vorteil in der Gruppe ohne Strahlentherapie nicht beobachtet wurde. Bemerkenswerterweise wiesen RS-Patient*innen mit hoher PD-L1-Expression eine noch bessere OS-Rate und eine verstärkte Immuninfiltration auf, was auf einen synergistischen Zusammenhang zwischen Strahlenempfindlichkeit und PD-L1-Expression hindeutet. Weitere Analysen ergaben eine Anreicherung immunbezogener Signalwege und eine höhere Anzahl an Effektor-Immunzellen in der RS-Gruppe, was ein größeres Potenzial für ein Ansprechen auf eine Immuntherapie annehmen lässt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Veränderungen in den Immunzellpopulationen und deren Infiltration maßgeblich zur Entstehung einer Tumorresistenz gegenüber Strahlung beitragen könnten. Durch das Verständnis der komplexen Zusammenhänge zwischen Chemokinen und der immunologischen Mikroumgebung könnten Faktoren, die die Strahlenempfindlichkeit bestimmen, besser eingeschätzt werden.
Fazit
Das auf Chemokinen basierende Modell ermöglichte eine Einteilung der strahlentherapierten Personen in Gruppen mit signifikant unterschiedlicher Prognose. Dies verdeutlicht das Potenzial, behandlungsbedingte Toxizität durch personalisierte Therapieansätze zu minimieren. Die Fähigkeit, das Ansprechen auf die Strahlentherapie genau vorherzusagen, ist entscheidend für die Optimierung der Behandlungsschemata und kann zur Verbesserung der klinischen Ergebnisse sowie der Lebensqualität von HNSCC-Erkrankten beitragen.
Martha-Luise Storre
Originalpublikation: Lai J, Huang R, Huang J. Predicting head and neck cancer response to radiotherapy with a chemokine-based model. Sci Rep. 2025; 15(1): 28450
Weitere Literatur:
- Tang E et al. Curr Oncol Rep. 2019; 21(11): 102





