Onkologie » Lungenkarzinom » Allgemeine Aspekte

»

Lungenkrebs-Leitlinie: Neue Standards für Therapie und OP

Digitale Darstellung von menschlichen Lungen mit Krebs.

Quelle: © Tex vector – Adobe Stock

Lungenkrebs-Leitlinie: Neue Standards für Therapie und OP

Aktuelles

Onkologie

Lungenkarzinom

Allgemeine Aspekte

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Die aktualisierte S3-Leitlinie Lungenkarzinom bringt neue Empfehlungen zur Kombination von Chemotherapie und Checkpoint-Inhibitoren beim kleinzelligen Lungenkrebs sowie grundlegend überarbeitete Kriterien zur Operabilitätsbewertung beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs. Zudem wurden zehn interventionelle Therapieempfehlungen überarbeitet und vier neue hinzugefügt.

Laut Robert Koch-Institut erkrankten im Jahr 2023 24.900 Frauen und 33.500 Männer an Lungenkrebs. Die Prognose ist eher ungünstig und richtet sich stark nach dem Erkrankungsstadium: Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei Frauen bei rund 25 Prozent und bei Männern bei 19. Lungenkarzinome lassen sich in die Gruppen NSCLC und SCLC einteilen, wobei etwa 20 Prozent der diagnostizierten Tumoren SCLC sind.

Therapieempfehlungen kleinzelliges Lungenkarzinom

60 bis 70 Prozent aller Patient*innen mit einem neu diagnostizierten SCLC befinden sich zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits im palliativen Stadium IV. Die Therapie zielt daher auf Lebensverlängerung und -qualität ab.

Für diese Therapiesituation wurde in der Leitlinie eine neue Empfehlung zur Kombination der Chemotherapie mit einem PD-1-Antikörper aufgenommen. „Durch die Checkpoint-Inhibitoren zusätzlich zur Chemotherapie wurde ein neuer Standard etabliert, der das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben deutlich verbessert“, sagt Professor Wolfgang Schütte vom Krankenhaus Martha-Maria in Halle-Dölau. Gemeinsam mit Dr. Sylvia Gütz, St. Elisabeth Krankenhaus Leipzig und Dr. Wiebke Nehls, Helios Klinikum Emil von Behring, koordinierte er die Aktualisierung der Leitlinie. „Wir haben nun erstmals Daten, die ein Langzeitüberleben von drei Jahren zeigen. Die Studien zeigen klare Vorteile der kombinierten Therapie im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie.“

Auch für die Situation eines Rezidivs oder eines Fortschreitens des SCLC im Stadium IV werden in der aktualisierten Leitlinie neue Therapieempfehlungen gegeben.

Neue Standards bei der Operabilitätsbewertung beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom

In der Leitlinie werden auch neue Empfehlungen zur Therapieentscheidung beim NSCLC Stadium II und III gegeben. Wenn möglich, ist eine Operation als kurativer Ansatz die Therapie der Wahl. Ist eine Operation nicht möglich, was insbesondere im fortgeschrittenen Stadium der Fall ist, werden verschiedene multimodale Konzepte angewandt.

Erstmals wird nun die Operabilität systematisch in drei Dimensionen bewertet:

  • Technisch: Ist der Tumor resektabel?
  • Funktionell: Verträgt der/die Patient*in die OP?
  • Onkologisch: Ist eine vollständige Tumorentfernung mit einer besseren Prognose für den/die Patient*in möglich?

Neu sind dazu standardisierte Diagnostikpfade zur präzisen Beurteilung der Operabilität sowie klare Empfehlungen zur multimodalen Therapie: Bei resektablen Tumoren kommt neoadjuvante Immunchemotherapie zum Einsatz. Bei unsicherer Operabilität soll die Empfehlung zur multimodalen Therapie erst nach erweiterter Diagnostik im Tumorboard und unter besonderer Berücksichtigung der Patient*innenwünsche erfolgen. Auch die operativen Verfahren werden durch neue Empfehlungen genauer definiert, so beispielsweise die Kriterien für minimalinvasive Lobektomien (VATS/RATS) oder die Indikation für Manschettenresektionen zur Pneumonektomie-Vermeidung. Zudem wurde das Alter als alleiniges Ausschlusskriterium gestrichen – hier soll nun eine individuelle, interdisziplinäre Risikoabwägung stattfinden.

Interventionelle Therapie: Zehn überarbeitete Empfehlungen, vier neue

Interventionelle Therapien sind Methoden, die lokal wirksam sind und als minimalinvasive Eingriffe durchgeführt werden. Beim Lungenkrebs werden sie vor allem im palliativen Setting eingesetzt, etwa um Atemwege zu befreien, Blutungen zu stillen oder Tumorgewebe zu zerstören.

„In der Leitlinie gibt es viele neue und überarbeitete Therapieempfehlungen, die dabei helfen, die Lebensqualität unserer Patient*innen zu verbessern oder eine Folgetherapie zu ermöglichen“, so Schütte.

Die neue S3-Leitlinie ist auf der Webseite abrufbar.

Quelle: Pressemitteilung Deutsche Krebsgesellschaft

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Aerztin in Schutzkleidung und FFP2-Maske verabreicht einem jungen Patienten im Krankenhausbett eine Infusion mit genveraenderten Stammzellen

Erstmals erfolgreiche Behandlung mit CRISPR-Therapeutikum

Aktuelles

Der 19-jährige Mohammad ist der erste Patient mit Beta-Thalassämie, der im Zuge der Standardtherapie das auf der Genschere CRISPR basierende Medikament Exagamglogene Autotemcel erhalten hat. Das Medikament ist das erste zugelassene CRISPR-Therapeutikum.

Onkologie

Hämatologie

Beitrag lesen
Nahaufnahme eines schwarzen T-Shirts mit einer rosa Schleife auf der Brust einer Frau.

Brustkrebsmonat 2026: Bessere Behandlung und Versorgung

Aktuelles

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Die Versorgungsforschung wandelt sich durch neue Erkenntnisse und therapeutische Möglichkeiten dabei stetig.

Onkologie

Gynäkologische Tumoren

Mammakarzinom

Beitrag lesen
Forschungsteam aus sechs Personen steht im Freien vor einem Klinikgebaeude und laechelt in die Kamera, Symbolbild fuer eine Studie zum Einfluss des Darmmikrobioms auf die CAR-T-Zelltherapie

Darmbakterien beeinflussen die Krebstherapie mit CAR-T-Zellen

Aktuelles

Nicht alle Tumore sprechen gleich auf die CAR-T-Zelltherapie an. Eine Studie zeigt jetzt, dass vor allem die Stoffwechselprodukte des Darmmikobioms die Krebstherapie fördern oder hemmen können.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen