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Organerhalt beim Enddarmtumor – neue Wege in der Therapie

Arzt zeigt mit Stift auf anatomisches Darmmodell mit sichtbarem Tumor während eines Patientengesprächs mit Ultraschallbefunden auf Klemmbrett

Quelle: © Nadzeya - stocke.adobe.com

Organerhalt beim Enddarmtumor – neue Wege in der Therapie

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: onkologie heute

Muss beim Enddarmtumor wirklich operiert werden? Ein neuartiges Behandlungskonzept der Universitäts-Strahlenklinik Tübingen zeigt: Maßgeschneiderte, bildgeführte Radiochemotherapie mit gezielter Dosiseskalation ermöglicht bei vielen Patient*innen den Organerhalt – bei sehr guter Funktion und Lebensqualität. Erste Ergebnisse sind vielversprechend.

Beim lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinom galt eine radikale Operation lange als Standard. Ein neues Behandlungskonzept aus Tübingen stellt diesen Ansatz infrage: Das sogenannte MARS-Schema, entwickelt an der Universitäts-Strahlenklinik Tübingen unter der Leitung von Prof. Cihan Gani, setzt auf eine maßgeschneiderte, bildgeführte und dosiseskalierte Radiochemotherapie. Dabei wird zusätzlich zur Standard-Radiochemotherapie – 25 bis 28 Fraktionen über etwa fünf Wochen mit simultaner Chemotherapie – einmal wöchentlich eine online-adaptive Dosisaufsättigung von jeweils 3 Gy auf den Enddarmtumor sowie vergrößert-suspekte Lymphknoten durchgeführt. Möglich macht dies ein spezieller Linearbeschleuniger (1,5T-MR-Linac), der tagesaktuelle MRT-Bildgebung mit hochpräziser Strahlführung kombiniert. Das MARS-Konzept wurde auf dem 32. Jahreskongress der DEGRO vom 25. bis 27. Juni 2026 in Leipzig in einer Highlight-Sitzung vorgestellt.

Organerhalt bei 83 Prozent der Patient*innen

Das interdisziplinäre Behandlungsteam aus Tübingen berichtete über die ersten 34 nach dem MARS-Schema behandelten Patient*innen mit lokal fortgeschrittenen Enddarmtumoren. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Bei der ersten Beurteilung des Tumoransprechens nach Abschluss der Behandlung wiesen 91 Prozent der Behandelten keinen oder nur noch einen minimalen Resttumor auf – sodass ihnen zunächst der Verzicht auf eine radikale Operation angeboten werden konnte. Nach zwei Jahren engmaschiger Nachbeobachtung lag der Anteil der Patient*innen, die keine radikale Operation benötigten, immer noch bei bemerkenswerten 83 Prozent.

Funktion und Lebensqualität trotz Dosiseskalation erhalten

Besonders ermutigend: Trotz der intensivierten Bestrahlung zeigte die Funktion des erhaltenen Enddarms – gemessen mit spezifischen Scores wie dem Wexner- und dem LARS-Score – keine wesentliche Verschlechterung gegenüber den Ausgangswerten. Prof. Claus Rödel, Sprecher der Deutschen Rektumkarzinom-Studiengruppe und Kongresspräsident 2026, ordnet die Ergebnisse ein: „Die bisherigen Studienergebnisse aus Tübingen sind vielversprechend, zumal auch die Funktion des erhaltenen Enddarms trotz Dosiseskalation der Radiotherapie keine wesentliche Verschlechterung zu den Ausgangswerten aufwies.“ Gleichzeitig mahnt er zur Geduld: „Natürlich brauchen wir noch eine längere Nachbeobachtungszeit und ein größeres so behandeltes Patientenkollektiv.“ Die Ergebnisse liefern dennoch starke Hinweise darauf, dass das MARS-Konzept künftig als standardisierter Therapieansatz beim Rektumkarzinom etabliert werden könnte.

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie e.V. (DEGRO) vom 06.07.2026

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