Rhabdomyosarkome sind mesenchymalen Ursprungs und ähneln Skelettmuskelzellen. Sie gehören zu den häufigsten Weichteilsarkome bei Kindern. Die Differenzierung proliferierender Tumorzellen in sich nicht mehr teilende Myotuben oder Muskelfasern könnte ein neuer unterstützender Therapieansatz sein.
Rhabdomyosarkome sind die häufigsten Weichteiltumore bei Kindern. Rhabdomyosarkome können an nahezu allen Stellen des Körpers entstehen. Man unterscheidet zwei Hauptarten der Rhabdomyosarkome, die alveolaren und die embryonalen Rhabdomyosarkome. Bei den alveolaren Rhabdomyosarkomen ist die molekulare Ursache durch eine Fusion von PAX3/7-FOXO1 recht gut verstanden. Dahingegen ist die molekulare Ursache beim embryonalen Rhabdomyosarkom divers, was die Therapie erschwert. Aktuell werden Rhabdomyosarkome durch eine Kombination aus Resektion, Chemotherapie und Bestrahlung behandelt. Da die Tumore aber oft nicht vollständig entfernt werden können und Chemotherapie und Bestrahlung bei Kindern auch Konsequenzen im Erwachsenenalter nach sich ziehen kann, werden dringend unterstützende Therapien benötigt.
Der molekulare Repressor TRPS1 blockiert die myogene Differenzierung im embryonalen Rhabdomyosarkom
Der molekulare Repressor TRPS1 spielt eine wichtige Rolle bei der myogenen Differenzierung und bei bestimmten Formen von Brustkrebs. Das Team um Julia von Maltzahn an der BTU Cottbus-Senftenberg und am Leibniz Institut für Alternsforschung hat die Herunterregulation von TRPS1 in embryonalen Rhabdomyosarkomen als Ansatzpunkt für neuartige Therapieverfahren identifiziert. Hier ist die Idee, dass durch Reduktion der Menge des TRPS1 eine proliferierende Tumorzelle in eine postmitotische Myotube/Muskelfaser differenzieren kann. Die Rhabdomyosarkomzellen haben generell die Fähigkeit, in differenzierte, sich nicht mehr teilende Skelettmuskelzellen (Myotuben/Muskelfasern) zu differenzieren. Allerdings ist die Induktion der Differenzierung blockiert.
Reduktion der TRPS1 Menge erlaubt myogene Differenzierung im embryonalen Rhabdomyosarkom
Die Ergebnisse zeigen, dass eine Reduktion der TRPS1 Menge in embryonalen Rhabdomyosarkomzellen zu einer verringerten Proliferation und zu einer Differenzierung in postmitotische Myotuben führt. Die Studie konnte dies für verschiedene humane embryonale Rhabdomyosarkome zeigen und auch in einem in vivo Xenograft Transplantationsversuch bestätigen. Hier zeigte sich, dass das Tumorwachstum reduziert war und dafür eine erhöhte Anzahl differenzierter Skelettmuskelzellen nachgewiesen werden konnte.
Der Ansatz könnte künftig Chemo- und Strahlentherapie beim embryonalen Rhabdomyosarkom ergänzen – einem der häufigsten Weichteiltumoren im Kindesalter. Die von der Wilhelm Sander Stiftung geförderte Studie ist in der Fachzeitschrift „Molecular Therapy“ erschienen.
Originalpublikation: Hüttner SS, Henze H, Elster D, Koch P, Anderer U, von Eyss B, von Maltzahn J. A dysfunctional miR-1-TRPS1-MYOG axis drives ERMS by suppressing terminal myogenic differentiation. Mol Ther. 2023; 31(9): 2612–2632
Quelle: Pressemitteilung Wilhelm Sander-Stiftung





