Onkologie » Hämatoonkologie » Lymphome

»

Therapie des Mantelzell-Lymphoms: Aktuelle Entwicklungen und neue Standards

Mikroskopische Aufnahme von Zellen, die für die Zytologie und Diagnostik des Mantelzell-Lymphoms charakteristisch sind.

Therapie des Mantelzell-Lymphoms: Aktuelle Entwicklungen und neue Standards

Fachbeitrag

Onkologie

Hämatoonkologie

Lymphome

2 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Das Mantelzell-Lymphom (MCL) ist eine maligne Erkrankung des lymphatischen Systems und macht 5 – 7 % aller Non-Hodgkin-Lymphome in Nordamerika und Europa aus, mit medianem Erkrankungsalter von 60–70 Jahren. Auch wenn die Erkrankung historisch zu indolenten Lymphomen zählt, zeigt sie häufig einen aggressiven Verlauf mit medianen Überlebenszeiten von ca. 3 – 5 Jahren. In den letzten Jahren haben jedoch neue zielgerichtete Therapien die Behandlungsoptionen erheblich erweitert und zu einer deutlichen Verlängerung der Überlebenszeiten geführt [1].

Pathologische Merkmale, klinische Präsentation und Diagnostik

Das MCL geht von naiven B-Zellen der Mantelzone in Lymphfollikeln aus. Pathognomonisch ist die Translokation t(11;14)(q13;q32), die zur Überexpression von Cyclin D1 führt. In rund 95 % der Fälle lässt sich Cyclin D1 immunhistochemisch nachweisen; in seltenen Varianten werden alternativ Cyclin D2, D3 oder E exprimiert, meist begleitet von SOX11-Positivität. Weitere genetische Aberrationen – insbesondere TP53-Mutationen oder Deletionen von CDKN2A und ATM – sind häufig nachweisbar.

Klinisch imponiert MCL meist mit generalisierter Lymphadenopathie; rund 80 % der Patienten befinden sich bei Diagnosestellung im Stadium III / IV nach Ann-Arbor. B-Symptome sind seltener. Häufig bestehen Splenomegalie, Hepatomegalie sowie in 80–90 % der Fälle eine Knochenmarkinfiltration, teilweise mit leukämischer Ausschwemmung. Intestinale Manifestationen treten häufiger als bei anderen NHL auf. Diagnostisch entscheidend ist eine histologische Sicherung, bevorzugt durch komplette Lymphknotenexstirpation. In der Durchflusszytometrie zeigt typischerweise CD5+, CD20-bright Positivität sowie CD23- und CD200-Negativität. Differentialdiagnostisch abzugrenzen ist die chronisch lymphatische Leukämie (CLL), vor allem durch CD23 / CD200- Expression. Zur Initialdiagnostik gehören neben Anamnese, Labor und Lymphknotenhistologie auch Knochenmarkdiagnostik, Herz- / Lungenfunktionsprüfung, Hepatitis- / HIVSerologien und bildgebendes (CT, ggf. FDG-PET-CT bei limitiertem Befall zur Planung einer Radiotherapie). Eine GI-Endoskopie sollte bei Verdacht auf intestinalen Befall erfolgen.

Gemäß WHO-Klassifikation werden klassische (nodale) und leukämischnon- nodale (SOX11-negative, meist indolente) MCL-Formen unterschieden sowie die In-situ-Mantelzellneoplasie (ISMCN) mit meist indolentem und inzidentellem Verlauf. Hochrisikofaktoren sind TP53-Mutationen, blastoide und pleiomorphe Morphologie und Ki-67 > 30 %. Das Outcome beim MCL lässt sich mit prädiktiven Mantle Cell Lymphoma International Prognostic Index (MIPI / MIPI-c) anhand von Alter, ECOG-Status, LDH, Leukozytenzahl und ggf. Ki-67-Index vorhersagen. Die Patienten können in Risikogruppen mit niedrigem, niedrig-mittelgradigem, hoch-mittelgradigem und hohem Risiko eingeteilt werden.

Bildquelle: David A. Litman – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Collage mit sechs jungen Forschenden in weissen Kitteln im Labor als Symbolbild fuer den von der Jose Carreras Leukaemie-Stiftung gefoerderten Forschungsnachwuchs

José Carreras Leukämie-Stiftung fördert vielfältig den Forschungsnachwuchs

Aktuelles

„Leukämie muss heilbar werden – immer und bei jedem. Dieses große Ziel unseres Stifters José Carreras erreichen wir nur über Forschung“, erklärt Dr. Ulrike Serini, Geschäftsführerin der José Carreras Leukämie-Stiftung.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Gruppenfoto des Psychoonkologischen Dienstes am Universitaetsklinikum Regensburg mit zehn Mitarbeitenden vor roter Fassade zum Jubilaeum 25 Jahre psychoonkologische Unterstuetzung

25 Jahre psychoonkologische Unterstützung für Patienten und Angehörige

Aktuelles

Seit 25 Jahren unterstützt der Psychoonkologische Dienst des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) Patienten und ihre Angehörigen dabei, mit Ängsten, Sorgen und den Veränderungen durch die Erkrankung umzugehen. Was 2001 ursprünglich nur durch die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung und die Leukämiehilfe Ostbayern finanzierten Stelle begann, ist heute ein fester Bestandteil der onkologischen Versorgung am UKR.

Onkologie

Psychologie

Psychoonkologie

Beitrag lesen
Fluoreszenzaufnahme von Krebszellen in Organoiden mit blau und pink angefaerbten Zellkernen als Symbolbild fuer die Entwicklung neuer Wirkstoffkombinationen gegen Leberkrebs

Neue Wirkstoffkombinationen erleichtern die Therapie von Leberkrebs

Aktuelles

Die Therapie von Leberkrebs erweist sich als schwierig, da sich die Tumoren von Patent*innen stark unterscheiden. Forschende haben jetzt mit Organoide von Tumoren mehr als 1600 Wirkstoffe getestet und entwickeln daraus neue Wirkstoffkombinationen.

Onkologie

Gastrointestinale Tumoren

Leberkarzinom

Beitrag lesen