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Vegane Ernährung bei chronisch lymphatischer Leukämie

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Vegane Ernährung bei chronisch lymphatischer Leukämie

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Erschienen in: onkologie heute

Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist eine der häufigsten B-Zell-Malignome in der westlichen Welt. Während sich die Behandlungsergebnisse bei fortgeschrittener Erkrankung verbessert haben, gibt es für CLL im Frühstadium keine wirksame Intervention, sodass Patient*innen keine Strategien zur Verlangsamung des Fortschreitens angeboten werden können. Neuere Erkenntnisse deuten aber darauf hin, dass der Fettstoffwechsel eine entscheidende Rolle in der CLL-Pathophysiologie spielt, da CLL-Zellen unterschiedliche metabolische Anpassungen aufweisen, darunter eine dysregulierte Lipidverarbeitung. Darüber hinaus weisen CLL-Erkrankte häufiger eine Dyslipidämie auf, die mit der Krankheitsentstehung in Zusammenhang gebracht wird. Insbesondere Patient*innen, die cholesterinsenkende Statine einnehmen, weisen tendenziell einen günstigeren Krankheitsverlauf auf, was auf einen Zusammenhang zwischen Fettstoffwechsel und CLL-Progression hindeutet.

Eine von einem dreizehnköpfigen Team des Instituts der klinischen Chemie und Pathobiochemie der Technischen Universität München hat nun eine interessante Studie im Rahmen des ASCO vorgestellt. Sie untersuchten systematisch den Einfluss einer vollwertigen pflanzlichen Ernährung (WFPB), die sich durch eine sehr niedrige Aufnahme von Cholesterin und gesättigten Fettsäuren auszeichnet, auf das Fortschreiten der CLL durch integrierte In-vitro-, In-vivo- und klinische Ansätze.

Die Interventionsstudie wurde mit 25 CLL-Patient*innen durchgeführt, die vier Wochen lang von ihrer Standardernährung auf eine vollwertige, komplett pflanzliche Ernährung (WFPB – whole food plant based) umstellten. Stuhl, Serum und Vollblut wurden für Omics- und Mikrobiomanalysen gesammelt. Die präklinische Analyse umfasste adoptiv übertragene, transgene TCL1-CLL-tragende Mäuse, die entweder mit einer fettarmen, pflanzlichen oder einer westlichen Ernährung gefüttert wurden. In vitro wurden CLL-Zelllinien und primäre CLL-Zellen mit Serum gesunder Spender behandelt, die eine Woche lang entweder eine vollwertige, pflanzliche Ernährung (WFPB) einhielten.

Kurze Intervention zeigt eindeutige Auswirkungen

CLL-Patient*innen, die vier Wochen lang auf eine vollwertige, pflanzliche Ernährung (WFPB) umstellten, zeigten einen reduzierten LDL-Cholesterinspiegel und Gewichtsverlust, hauptsächlich aufgrund der Reduktion von viszeralem Fett, ohne Verlust von Muskelmasse. Besonders interessant ist, dass die Lymphozytenzahl signifikant sank, mit Reduktionen von bis zu 24,5 % (im Mittel 9,1 %), hauptsächlich bei CLL-Zellen. Metabolom- und Lipidomik-Analysen enthüllten eine Herunterregulierung wichtiger Stoffwechselwege, darunter eine Verringerung des Onkometaboliten 2-Hydroxyglutarat, ein verändertes Aminosäureprofil und Veränderungen der Lipidzusammensetzung mit reduzierten Diacylglycerol-Werten in CLL-Zellen, was auf einen direkten Einfluss der Ernährung auf CLL hindeutet. Mikrobiomanalysen zeigten eine Verschiebung des Firmicutes-Bacteroidota-Verhältnisses, das zuvor mit weniger aggressiver CLL in Verbindung gebracht wurde, was eine ernährungsvermittelte Modulation des Krankheitsverlaufs weiter unterstützt.

Laufende scRNA-Sequenzanalysen von PBMCs vor und nach der Ernährungsintervention sollen tiefere Einblicke in die zellulären Mechanismen liefern, die diesen Effekten zugrunde liegen. Über die klinische Studie hinaus zeigte eine präklinische Analyse mittels adoptivem Transfer von TCL1-transgener muriner CLL in wt-Mäuse eine signifikant verbesserte Überlebensrate bei Mäusen mit WFPB-Diät im Vergleich zu Mäusen mit westlicher Ernährung. Um direkte serumbezogene Effekte zu bewerten, führten die Wissenschaftler*innen außerdem In-vitro-Experimente mit zwei Gruppen durch, die entweder eine WFPB- oder eine westliche Ernährung einhielten. Im Serum von denjenigen mit der WFPB-Ernährung konnte eine signifikant reduzierte Lebensfähigkeit von CLL-Zellen nachgewiesen werden, was auf einen schützenden Effekt von Ernährungsumstellungen hindeutet.

Weitere Studien notwendig, aber eine vielversprechende Grundlage ist geschaffen

Diese Ergebnisse zeigen einen bisher unbekannten direkten Zusammenhang zwischen Ernährung und Zellstoffwechsel bei CLL. Eine vollwertige pflanzliche Ernährung scheint CLL-Zellen zu benachteiligen, was möglicherweise den Krankheitsverlauf verlangsamt und eine neuartige, nicht-toxische Strategie zur Verzögerung des CLL-Verlaufs bietet. Obwohl eine langfristige Bestätigung erforderlich ist, könnte dies eine wissenschaftliche Grundlage für die Entwicklung von Ernährungsrichtlinien als Interventionsstrategie für CLL im Frühstadium liefern, für das es derzeit an wirksamen Präventionsmaßnahmen mangelt.

Quelle: Kurzen Lea et al.: The influence of a whole food plant based diet on chronic lymphocytic leukemia progression. (Abstract release date: 05/14/25) EHA Library. Kurzen L. 06/13/2025; 4159969; PF562

Bilderquelle: © Jenifoto / Adobe Stock

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