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Vom Mikroskop zur KI: Heidelberger Neuropathologie im Wandel

Schwarzes Labormikroskop im Vordergrund, im Hintergrund arbeitet ein Wissenschaftler im weißen Kittel an einem Labortisch

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Vom Mikroskop zur KI: Heidelberger Neuropathologie im Wandel

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: onkologie heute

Nach fast 20 Jahren übergibt Professor Dr. Andreas von Deimling die Leitung der Neuropathologie des Universitätsklinikums Heidelberg an Professor Dr. Dr. Felix Sahm. Unter seiner Führung entwickelte die Abteilung neue molekulare Diagnoseverfahren, die die Hirntumordiagnostik weltweit veränderten. Heute zählt sie zu den international führenden Referenzzentren ihres Fachgebiets.

Von der Mikroskopie zur molekularen Diagnostik

Mit seiner Berufung zum W3-Professor für Neuropathologie im Jahr 2007 verfolgten die Medizinische Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ein strategisches Ziel: Heidelberg zu einem international führenden Standort der molekularen Hirntumordiagnostik auszubauen. Als Ärztlicher Direktor der Neuropathologie des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) und Leiter der Klinischen Kooperationseinheit Neuropathologie an UKHD und DKFZ entwickelte von Deimling mit seinem Team neue molekulare Diagnoseverfahren und Klassifikationsmethoden. Sie werden heute weltweit genutzt und haben Eingang in die Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Hirntumoren gefunden.

Als von Deimling 2007 die Abteilung übernahm, bestand das Team aus zwölf Mitarbeitenden. Gewebe wurde vor allem am Mikroskop begutachtet. „Das komplexeste Gerät, das wir damals hatten, war die Kaffeemaschine“, erinnert er sich. Heute prägen Hochdurchsatz-Sequenzierung, Bioinformatik und Künstliche Intelligenz den Alltag. Inzwischen arbeiten dort sogar mehr Informatiker*innen und als Ärzt*innen.

Zwei Paradigmenwechsel aus Heidelberg

Den ersten Paradigmenwechsel leitete von Deimling mit seiner Arbeitsgruppe ein: die Entwicklung des mutationsspezifischen IDH1-Antikörpers. Bis dahin beurteilten Neuropathologinnen und Neuropathologen Gliome vor allem nach dem Erscheinungsbild ihrer Zellen. Mit dem IDH1-Antikörper ließ sich erstmals erkennen, ob ein Tumor eine bestimmte genetische Veränderung trägt. Damit floss die molekulare Information unmittelbar in die Diagnostik ein und bereitete eine Neuordnung aller Gliome in der WHO-Klassifikation vor.

Der zweite Paradigmenwechsel beruht auf der DNA-Methylierung als Grundlage der Tumorklassifikation. Der sogenannte Heidelberg Classifier vergleicht das Methylierungsmuster eines Tumors, den „epigenetischen Fingerabdruck“, mit Tausenden bereits bekannter Tumoren. So lassen sich Tumoren unterscheiden, die unter dem Mikroskop nahezu identisch aussehen, biologisch aber ganz unterschiedlich sind. Diese Form der Charakterisierung fand Eingang in die WHO-Klassifikation von Hirntumoren. Eine Ausgründung machte die Methode weltweit für die Routinediagnostik verfügbar.

Kooperation und Ausblick

Von Deimling führt den Erfolg des Standorts vor allem auf das enge Zusammenspiel von Neuropathologie, Neuropädiatrie, Neurochirurgie und Neuroonkologie an der Medizinischen Fakultät Heidelberg und dem DKFZ zurück. Auch sein Nachfolger Felix Sahm begann seine wissenschaftliche Laufbahn in Heidelberg. Künftig möchte von Deimling sich stärker der Forschung widmen. Seine Arbeitsgruppe entwickelt KI-gestützte Diagnoseverfahren und überträgt die methylierungsbasierte Klassifikation auf weitere Tumorarten wie Sarkome und Hauttumoren.

Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikum Heidelberg vom 22.10.2026

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