Erstmals gibt es eine Plattform für die Schlüsselrolle der refraktiven Versorgung in Klinik und Praxis. Der RefraClub füllt damit eine Lücke in der Fortbildungslandschaft.
Mit dem Start des RefraClubs im April 2026 entstand erstmals ein strukturiertes Netzwerk für eine Berufsgruppe, die im klinischen Alltag unverzichtbar ist, bislang jedoch kaum institutionell verankert war. Die Rede ist von Refraktivmanager:innen, Orthoptist:innen sowie Optiker:innen und Optometrist:innen, die in augenchirurgischen Praxen und Kliniken arbeiten.
Ihre Verantwortung und ihr Einfluss wachsen stetig, weil sie die Patienten durch den gesamten Prozess refraktiver und kataraktchirurgischer Eingriffe begleiten – von der Diagnostik bis zur Nachsorge. Dennoch gab es für sie bislang keinen zentralen Ort, wo sie sich austauschen, weiterbilden und vernetzen können.
Eine Lücke im System
Ausgangspunkt für die Gründung des RefraClubs war die Frage: Wie tauschen sich Refraktivmanager:innen eigentlich aus? Bisher lautete die Antwort: meist informell, unstrukturiert und ohne Plattform. Während es für Ärztinnen und Ärzte etablierte Fortbildungsstrukturen, Kongresse und Fachpublikationen gibt, blieb das nichtärztliche Fachpersonal weitgehend auf sich allein gestellt. Und genau diesen Punkt will der RefraClub ändern.
Zwischen Beratung und Entscheidung
Die Rolle der Refraktivmanager hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend weiterentwickelt. Refraktive Verfahren werden immer differenzierter, besonders im Bereich der IOL ist die Patientenberatung so komplex wie nie zuvor. Bei Multifokalen, EDOF- oder torischen Linsen ist die präzise Diagnostik und Anamnese der Sehgewohnheiten nur noch ein wichtiger Schritt. Auch die Erwartungshaltung, was die Ergebnisse der Implantation betrifft, darf gezielt gesteuert werden, damit die Patienten am Ende rundum zufrieden sind. Refraktivmanager, die als Bindeglied zwischen ärztlicher Expertise und der individuellen Patientenwahrnehmung vermitteln, sind vielerorts längst zu Akteuren geworden, die im Beratungsprozess aktiv mitentscheiden.
Ein Netzwerk mit Mehrwert
Der RefraClub bietet Vernetzung, Wissenstransfer und Sichtbarkeit speziell für Refraktivmanager und deren Arbeitgeber. Seine Mitglieder profitieren vom Austausch, während Kliniken und Praxen über das neue Netzwerk gezielt Fachkräfte rekrutieren können. Es gibt dort eine integrierte Stellenbörse, die ohne Streuverluste arbeitet, weil ausschließlich die relevante Zielgruppe anwesend ist.
Neuer Kommunikationskanal für die Industrie
Für die Industrie eröffnet der RefraClub deshalb neue Möglichkeiten, wenn es um das Marketing für refraktive Technologien und Intraokularlinsen geht. Denn während klassische Marketingkanäle meist breit streuen, kann man über das Fachnetzwerk gezielt jene Menschen ansprechen, die im klinischen Alltag an Entscheidungsprozessen rund um die Linsen beteiligt sind. Damit ermöglicht der RefraClub eine effiziente Kommunikation rund um die erklärungsbedürftigsten Produkte der Branche. Hier geht´s zum RefraClub!
Dahinter steckt ein Spezialist
Hinter dem RefraClub steht ein bekannter Macher: Tobias Kesting, Gründer und Geschäftsführer der Kölner Agentur Carekom GmbH, bringt jahrelange Erfahrung in der ophthalmologischen Kommunikation mit. Vor der Gründung seiner Agentur im Jahr 2010 war er mehrere Jahre als Marketing- und PR-Leiter in einer der größten Augenkliniken Deutschlands tätig – ein Hintergrund, der seine tiefe Verwurzelung in der Branche erklärt. Mit Carekom betreut er zahlreiche große Augenkliniken und -praxen in ganz Deutschland, begleitet Existenzgründer und entwickelt Strategien für Recruiting- und Employer Branding. Gemeinsam mit Prof. Dr. Alireza Mirshahi, Direktor der Augenklinik Dardenne SE in Bonn, produziert er seit fünf Jahren den etablierten Ophtha-Podcast ‚Unter 4 Augen‘, in dem inzwischen mehr als 200 Studien aus der Augenheilkunde wissenschaftlich eingeordnet und kritisch diskutiert wurden.
Fünf Fragen an Tobias Kesting
Wie wird der RefraClub bisher angenommen?
Tobias Kesting: Die Resonanz ist eindeutig positiv. Viele Refraktivmanager berichten, dass ihnen genau eine solche Plattform gefehlt hat. So entsteht erstmals ein zielgerichteter Austausch.
Wer kann Mitglied im RefraClub werden?
Wir haben bewusst eine niedrige Einstiegshürde gewählt. Der RefraClub richtet sich nicht nur an erfahrene Fachkräfte, sondern auch an Menschen in Ausbildung oder mit besonderem Interesse an der refraktiven Versorgung.
Wo sehen Sie die Rolle der Refraktivmanager in den nächsten fünf bis zehn Jahren?
Wir werden weiterhin eine deutliche Professionalisierung sehen. Die refraktive Chirurgie wird komplexer und individualisierter – und damit steigt der Bedarf an qualifizierter Beratung. Diese Aufgabe wird zunehmend auf spezialisierte Fachkräfte übertragen. Hinzu kommt, dass Patientinnen und Patienten informierter sind als je zuvor. Sie erwarten fundierte Antworten und eine klare Einordnung der Möglichkeiten. Diese Kommunikation findet natürlich nicht im OP statt, sondern im Vorabgespräch mit den Refraktivmanagern.
Wie funktioniert der Austausch konkret?
Der RefraClub funktioniert ähnlich wie ein Social-Media-Netzwerk für Fachkräfte. Die Mitglieder bewegen sich in geschlossenen Bereichen, in denen sie sich vertraulich austauschen können, auch zu konkreten Patientenfällen. So können sie sich zum Beispiel Fragen stellen wie: „Ich habe hier einen Patienten mit bestimmten Werten – wie würdest du in so einem Fall vorgehen?“ In diesem sicheren Rahmen kann echter kollegialer Austausch entstehen, weil die Informationen den Raum nicht verlassen.
Sind Veranstaltungen geplant?
Definitiv ja! Unser nächster Schritt wird sein, den digitalen Austausch durch reale Formate zu ergänzen. Veranstaltungen sind ein zentraler Bestandteil der Weiterentwicklung und gerade im medizinischen Kontext finde ich den persönlichen Austausch unverzichtbar. Deshalb werden Fortbildungen und Workshops auch beim RefraClub in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Wir möchten mehr als eine Plattform sein. Unser Ziel ist, eine zentrale Berufsgruppe der modernen Ophthalmologie zu stärken. So verbessern wir langfristig die Qualität der refraktiven Versorgung.
Die Fragen stellte Rosemarie Frühauf
Erschienen in Concept Ophthalmologie 4-2026.
Foto: Carekom





