Die Sommermonate bieten gute Voraussetzungen, um die natürliche Fußentwicklung von Kindern zu fördern. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) empfiehlt, Kinder so oft wie möglich barfuß laufen zu lassen. Barfußlaufen auf wechselnden Untergründen wie Wiese, Sand, Kies oder Waldboden setzt unterschiedliche Reize, stärkt die Fußmuskulatur und unterstützt die Ausbildung des Fußgewölbes. Gleichzeitig ist das abgeflachte Fußgewölbe im Kleinkindalter ein vorübergehendes Phänomen und in den allermeisten Fällen kein behandlungsbedürftiger Befund.
Bewegungsreize für die Entwicklung des kindlichen Fußes
Die Strukturen des Fußes – Muskeln, Sehnen und Bänder – sind in den ersten Lebensjahren noch nicht ausgereift. Beim kindlichen Knick-Senkfuß ist die Ferse leicht nach innen kippt und das Längsgewölbe noch nicht vollständig ausgebildet, wodurch der Fuß flach wirkt. In den ersten Lebensjahren ist das Teil der normalen Entwicklung: Fast alle Kleinkinder haben dieses abgeflachte Fußgewölbe. Im Entwicklungsprozess reagiert der Fuß auf Belastungen und Reize und gewinnt schrittweise an Stabilität.
„Erst im Laufe der Kindheit und im Jugendalter bildet sich das Fußgewölbe vollständig aus. Es übernimmt später eine zentrale Funktion: Es wirkt wie ein Stoßdämpfer, verteilt das Körpergewicht gleichmäßig und sorgt für Stabilität und Balance beim Gehen und Laufen.“
Prof. Dr. Stefan Rammelt, Vorsitzender der DGOU-Sektion Deutsche Assoziation für Fuß und Sprunggelenk (DAF)
Nur wenige Kinder entwickeln Beschwerden
Aus der S2k-Leitlinie „Kindlicher Knick-Senkfuß” der DGOU geht hervor, dass nur ein kleiner Anteil der betroffenen Kinder klinisch relevante Beschwerden entwickelt. Schmerzen treten bei weniger als 2 % auf. Für die Mehrzahl der Kinder ist keine Intervention erforderlich. Einlagen oder spezielle Maßnahmen sind nur bei tatsächlichen Beschwerden sinnvoll.
Gleichwohl weist die DGOU auf relevante Risikofaktoren hin: „Übergewicht kann die Entwicklung eines Knick-Senkfußes begünstigen, der sich nicht von selbst reguliert. Auch muskuläre Schwächen oder bestimmte Grunderkrankungen können Einfluss nehmen“, so Prof. Dr. Anna K. Hell, federführende Autorin und Koordinatorin der Leitlinie.
Wichtig für die klinische Einordnung ist die Differenzierung zwischen dem häufigen, flexiblen Knick-Senkfuß und der seltenen starren Form, die auf strukturelle oder neurologische Ursachen hindeuten kann. Bei Schmerzen, steif wirkendem Fuß oder wenn das Kind ungern läuft, ist eine orthopädisch-unfallchirurgische Abklärung angezeigt.
Tipps für die Praxis: Barfußlaufen im Sommer
Die Sommermonate bieten nach Einschätzung der DGOU ideale Bedingungen, um die natürliche Fußentwicklung aktiv zu unterstützen. Barfußlaufen auf wechselnden Untergründen setzt geeignete Reize und stärkt die Fußmuskulatur.
„Fast alle Kleinkinder starten mit eher flachen Füßen, das ist völlig normal. Erst durch Bewegung und unterschiedliche Reize bildet sich das Fußgewölbe nach und nach aus. Barfußlaufen auf wechselnden Untergründen aktiviert die Muskulatur und unterstützt diese Entwicklung.“
Dr. Jörn Dohle, stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU)
Kinderärztinnen und -ärzte können Eltern folgende Empfehlungen für den Alltag mitgeben:
• Kinder so oft wie möglich barfuß laufen lassen
• Unterschiedliche Untergründe nutzen: Wiese, Sand, Kies oder Waldboden
• Viel Bewegung im Alltag fördern: laufen, springen, klettern
• Schuhe nur wenn nötig – dann weich, flexibel und mit ausreichend Platz
• Bei Schmerzen oder auffälligem Gangbild ärztlichen Rat einholen
Zu beachten ist jedoch: Barfußlaufen setzt voraus, dass die Umgebung sicher ist – frei von Scherben, spitzen Gegenständen oder stark erhitzten Oberflächen.
Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) vom 15.07.2026.
Weitere Informationen:
S2k-Leitlinie „Kindlicher Knick-Senkfuß”, Version 4.0 (gültig bis 01.06.2027), AWMF-Leitlinienregister: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/187-053
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU): www.dgou.de





