E-Paper

Paediatrie » Sonstiges » Weitere Themen

»

6 Monate alter Säugling mit offenen Hautstellen im Windelbereich

Fragezeichen, Stethoskop und Bücher

6 Monate alter Säugling mit offenen Hautstellen im Windelbereich

Rätsel

Paediatrie

Sonstiges

Weitere Themen

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: pädiatrische praxis

Klinisches Rätsel: Welche Verdachtsdiagnose ist am wahrscheinlichsten?

  • 6 Monate alter Säugling in reduziertem Allgemeinzustand mit seit Geburt offenen Hautstellen im Windelbereich, an beiden Ellbogen und am Stamm.
  • Aktuell zusätzlich vorliegender Nachweis von SARS-CoV-2.

Autoren: F. Schneider, J. Park

Anamnese

Der 6 Monate alte Säugling wurde per Rettungsdienst in reduziertem Allgemeinzustand in die Klinik gebracht. Seit ein paar Stunden habe er Fieber (bis 39,8° C), sei tachykard und habe eine Tachydyspnoe. Bei Ankunft des Rettungsdienstes Gabe von Paracetamol und O2-Vorlage. Bei Hypoglykämie (min. 55 mg/dl) Gabe von oraler Glukose und Beginn einer Infusionstherapie. Er habe Kontakt zu COVID-19-positiven Familienangehörigen gehabt. Seit Geburt offene Stellen am ganzen Körper, vor allem aber im Windelbereich. Mehrere Therapieversuche mit unterschiedlichen kutanen Präparaten hätten keinen Erfolg erbracht. Bis auf ein niedriges Zink seien die Untersuchungen unauffällig gewesen. Bis auf Vitamin D/Fluorid keine Therapie. Stoffwechseldiagnostik und Genetik seien noch ausstehend.

Befunde

6 Monate alter Säugling in reduziertem Allgemeinzustand mit zentraler muskulärer Hypertonie und peripherer Hypotonie. Darüber hinaus Hepatosplenomegalie, auffällige Lidachse, eingezogene Brustwarzen und Hodenhochstand beidseits. Imponierend waren flächige, teilweise offene Rötungen im Windelbereich, an beiden Ellbogen und am Stamm, nicht eitrig (▶Abb. 1, ▶Abb. 2).

Laborchemisch zeigte sich eine CRP-Erhöhung, eine Leukozytose, erhöhte Leberwerte, eine derangierte Gerinnung, kein Nachweis für CMV oder EBV, auch die Hepatitisserologie war unauffällig. Im Rachenabstrich konnte SARS-CoV-2 nachgewiesen werden.

In der Sonografie zeigte sich eine Hepatosplenomegalie und eine freie Flüssigkeit retrovesikal. Im Röntgenbild zeigte sich ein normwertiger Herzschatten, ein kindlicher Knochenstatus und unauffällige Weichteile. In der Echokardiografie zeigte sich ein Perikarderguss.

Besonderheiten

Es erfolgte die Verlegung in den nächstgelegenen Maximalversorger. Ursächlich für die Symptome war ein PMM2-CDG (ehemals CDG-Ia, Congenital Disorder of Glycosylation, Jaeken-Syndrom) mit sekundärem Zinkmangel. Nach adäquater Behandlung zeigten sich die offenen Hautstellen rückläufig.

Frage: Welche Verdachtsdiagnose ist am wahrscheinlichsten?

  1. Neurodermitis
  2. Windeldermatitis
  3. Atypisches Ekzem
  4. Acrodermatitis enteropathica aufgrund eines Zinkmangels
  5. Pseudomonas-Infektion im Windelbereich

(Die Auflösung finden Sie am Ende der Seite.)

Autoren:

Dr. Florian Schneider
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
St. Franziskus Hospital
Hohenzollerring 70
48145 Münster;

Klinik für Kinderheilkunde
Universitätsklinikum Münster
Albert-Schweitzer-Campus 1
48149 Münster

Dr. med. Julien Park
Klinik für Kinderheilkunde
Universitätsklinikum Münster
Albert-Schweitzer-Campus 1
48149 Münster

Glossar:
CRP = C-reaktives Protein
CMV = Zytomegalievirus
EBV = Epstein-Barr-Virus
PMM2 = Phosphomannomutase 2

Hier finden Sie weitere Rätsel der pädiatrischen praxis online:

Klinisches Rätsel: Braunfärbung der Fingergelenke bei vorbestehender Hashimoto-Thyreoiditis (F. Schneider, P. Schumacher)

Klinisches Rätsel: Welche Befunde sind bei der Meningokokkensepsis prognostisch besonders bedeutsam? (M. Gleißner, A. Sondermann)

Rätsel: Verletzungsgefahren durch Trampolinspringen (red)

Auflösung:

Die richtige Antwort ist: D) Acrodermatitis enteropathica aufgrund eines Zinkmangels

Aufgrund der klinischen Auffälligkeiten (Strabismus convergens, invertierte Mamillen, Fettverteilungsmuster) und der wiederkehrenden Symptomatik (Erhöhung der Transaminasen, ATIII-Erniedrigung) und der Dystrophie wurde die Verdachtsdiagnose eines CDG-1 gestellt (Jaeken-Syndrom). Dies wurde laborchemisch bestätigt. Dabei handelt es sich um eine Multisystemerkrankung, bei der Glykokonjugate fehlerhaft glykosyliert werden. Der Zinkmangel ergab sich sekundär. Die Behandlung ist symptomatisch.

Bilderquelle: © Maks_Lab – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Müder Junge schläft in der Schule

Schlafprobleme und Erschöpfung belasten viele Schulkinder

Aktuelles

Laut DAK-Präventionsradar leiden viele Schülerinnen und Schüler unter Schlafproblemen und Erschöpfung und ihr Wohlbefinden sinkt. Zugleich verfügen die meisten laut Studie nicht über eine ausreichende Gesundheitskompetenz. Die DAK spricht sich daher für eine Förderung der Gesundheitskompetenz aus. Fast drei Viertel der befragten Kinder Jugendlichen befürworten ein eigenes Schulfach Gesundheit.

Paediatrie

Allgemeinpädiatrie

Beitrag lesen
Arzt hält Schild mit der Aufschrift "Myiasis"

Unliebsame Urlaubserinnerungen

Fachbeitrag

Eine 3-jährige Patientin wurde nach einer Brasilienreise mit einer entzündlichen, größenprogredienten Schwellung am Kopf in der Kinderchirurgie vorgestellt. Bei furunkelähnlichen Hautveränderungen sollte man nach einem Aufenthalt in einem Endemiegebiet bei typischen Symptomen auch an eine kutane Myiasis denken.

Paediatrie

Chirurgie & Orthopädie

Beitrag lesen
Illustration von Erythrozyten und einem neutrophilen Granulozyt

WHIM-Syndrom: Erstes in der EU zugelassenes Arzneimittel verfügbar

Aus der Industrie

Das erste und einzige in der EU zugelassene Arzneimittel zur Behandlung des seltenen WHIM-Syndroms (Warzen, Hypogammaglobulinämie, Infektionen und Myelokathexis) ist nun in Deutschland erhältlich.

Paediatrie

Pneumologie und Immunologie

Immunologie und Allergologie

Beitrag lesen