Schlafprobleme, Erschöpfung und psychisches Wohlbefinden sind zentrale Themen der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Im Rahmen des DAK-Präventionsradars wurden mehr als 30.000 Schülerinnen und Schüler in Deutschland befragt. Die Befragung ergab eine Zunahme bei Schlafproblemen und Ermüdung sowie ein vermindertes Wohlbefinden. Die Gesundheitskompetenz ist derzeit bei vielen noch mangelhaft.
Der DAK-Präventionsradar ist eine seit 2016 vom Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) im Auftrag der DAK-Gesundheit durchgeführte Schulstudie zum Wohlbefinden und Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen. An dieser zehnten Erhebungswelle im Schuljahr 2025/2026 nahmen mehr als 30.000 Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf bis zehn an 141 allgemeinbildenden weiterführenden Schulen in 15 Bundesländern (alle bis auf das Saarland) teil.
Ergebnisse des DAK-Präventionsradars
Der aktuelle DAK-Präventionsradar zeigt: Fast die Hälfte der befragten Schulkinder hat Schlafprobleme. Fast 50 Prozent berichten zudem von vermindertem Wohlbefinden. Zugleich verfügen laut Studie fast neun von zehn Kindern und Jugendlichen nicht über ausreichende Gesundheitskompetenz.
Im Zusammenhang mit der PISA-Studie sieht DAK-Vorstandschef Andreas Storm einen engen Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bildung und fordert dementsprechend einen stärkeren Fokus auf Gesundheitskompetenz an Schulen.
„Bildungserfolg und Gesundheit hängen untrennbar zusammen. Wer schon in jungen Jahren erschöpft ist oder sogar unter Schlafstörungen leidet und nicht weiß, wie er mit solchen Belastungen umgehen kann, hat schlechtere Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen. Genau hier setzt Gesundheitskompetenz an. Wir müssen sie bei Kindern und Jugendlichen stärker fördern und Gesundheit als festen Bestandteil von Bildung begreifen. Den Handlungsbedarf beim schulischen Lernen in Deutschland machen die aktuellen PISA-Ergebnisse überdeutlich.“
Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit
Schlafprobleme und Erschöpfung: Ein zunehmender Trend
Fast die Hälfte der befragten Kinder und Jugendlichen kann nach eigenen Angaben nicht gut schlafen und hat mindestens einmal pro Woche Schlafprobleme. Seit der erstmaligen Erfassung im Schuljahr 2019/2020 ist dieser Anteil von 36 auf 46 Prozent gestiegen. Auch die Erschöpfung nimmt zu: 69 Prozent fühlen sich mindestens einmal pro Woche ausgelaugt und erschöpft. Im Vergleich dazu lag der Anteil vor drei Jahren noch bei 52 Prozent.
Weniger Kinder blicken optimistisch in die Zukunft
Für viele Schulkinder sind gute Laune, Entspannung, Aktivität und die Fähigkeit, interessante Dinge im Alltag wahrzunehmen, keine Selbstverständlichkeit. Diese Aspekte gehören nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu einem guten Wohlbefinden. 49 Prozent der Befragten Schülerinnen und Schüler berichten von vermindertem Wohlbefinden; im Schuljahr 2022/2023 waren es noch 41 Prozent. Der Anteil von Befragten, die positiv in die eigene Zukunft blicken, sank von 62 im Vorjahr auf nun 57 Prozent.
Übermäßiger Medienkonsum als Faktor
Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärztinnen e.V. (BVKJ), weist auf einen möglichen Zusammenhang mit der Mediennutzung hin und betont, dass sich die Probleme nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen lassen.
„Auch wenn sich für die festgestellten Probleme keine monokausalen Ursachen benennen lassen, wird man auf den Zusammenhang zwischen übermäßiger Mediennutzung und den Erschöpfungs- und Schlafproblemen von Kindern und Jugendlichen hinweisen müssen. Kinder und Jugendliche, die bis spät in den Abend soziale Medien nutzen oder, algorithmisch getriggert, aufwühlende Videos konsumieren, werden vom gesunden Schlaf abgehalten. Auch bei dem traurigen Phänomen, dass es Kinder immer weniger vermögen, interessante Dinge im Alltag wahrzunehmen, sehe ich eine Verbindung mit der Mediennutzung.“
Dr. Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ)
Gesundheitskompetenz als wichtige Ressource für Kinder und Jugendliche
Studienleiter Professor Reiner Hanewinkel vom IFT-Nord in Kiel betont die Bedeutung frühzeitiger Unterstützung: „Damit aus den akuten Belastungen von heute keine chronischen Krankheiten von morgen werden, müssen wir junge Menschen stark machen. Das wirksamste Werkzeug dafür ist die Gesundheitskompetenz. Nur wer früh lernt, die Signale des eigenen Körpers zu verstehen und gegenzusteuern, bleibt langfristig stabil.“
Gesundheitskompetenz umfasst Motivation für Gesundheitsthemen, entsprechendes Wissen und die Fähigkeit, Informationen kritisch zu bewerten. Es zeigt sich ein Zusammenhang mit dem Wohlbefinden: Bei Kindern und Jugendlichen mit ausgeprägter Gesundheitskompetenz ist das Risiko für vermindertes Wohlbefinden um 27 Prozent geringer; zugleich blicken sie häufiger optimistisch in die Zukunft (plus 19 Prozent). Gleichzeitig verfügen laut Befragung fast neun von zehn Schulkindern noch nicht über eine ausreichende Gesundheitskompetenz. Sie benötigen daher Unterstützung dabei, sich für Gesundheitsthemen zu interessieren, Grundwissen aufzubauen und Informationen aus dem Internet kritisch einzuordnen.
Viele Schülerinnen und Schüler befürworten Gesundheitsbildung
Als strukturelle Maßnahme wird in der aktuellen Debatte unter anderem ein eigenes Schulfach „Gesundheit“ vorgeschlagen. Laut Präventionsradar stehen auch die befragten Kinder und Jugendlichen der Idee offen gegenüber: Fast drei Viertel befürworten sie, 28 Prozent finden sie „sehr gut“.
„Jetzt ein weiteres Mal den Fokus auf die Stärkung der Basiskompetenzen zu legen, wird uns langfristig nicht weiterhelfen. Das Grundproblem liegt an anderer Stelle: Wer sich nicht wohlfühlen und nicht partizipieren kann, kann auch nicht lernen“, so Amy Kirchhoff, die Generalsekretärin der Bundesschüler*innenkonferenz (BSK), nach Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse.
Quelle: Pressemeldung der DAK-Gesundheit vom 14.09.2026





