Harnsäure ist ein natürliches Stoffwechselprodukt, das im Körper entsteht, wenn sogenannte Purine abgebaut werden. Diese Purine nehmen wir zum einen über unsere Nahrung auf, zum anderen baut der Körper sie ständig selbst ab – etwa wenn alte Zellen erneuert werden. Unter normalen Umständen wird der größte Teil der Harnsäure über die Nieren wieder ausgeschieden, ein kleinerer Teil gelangt über den Darm nach draußen.
Wenn dieses Gleichgewicht zwischen Entstehung und Ausscheidung aber gestört ist, sammelt sich zu viel Harnsäure im Blut an. Mediziner nennen diesen Zustand Hyperurikämie. Ab einem bestimmten Wert kann die Harnsäure nicht mehr vollständig im Blut gelöst bleiben – es bilden sich kleine Kristalle, die sich vor allem in Gelenken ablagern und dort schmerzhafte Entzündungen auslösen können. Dennoch bleibt ein erhöhter Wert über lange Zeit oft unbemerkt, weil er keine Beschwerden verursacht.
Was bedeutet ein erhöhter Wert eigentlich?
Ob der Harnsäurewert im Blut zu hoch ist, lässt sich an festgelegten Vergleichswerten erkennen. Diese unterscheiden sich etwas zwischen Männern und Frauen, da weibliche Geschlechtshormone die Ausscheidung begünstigen. Deshalb liegen die Werte bei Frauen vor den Wechseljahren meist niedriger.
Hier sehen Sie die üblichen Bereiche übersichtlich aufgelistet:
Tabelle
| Gruppe | Harnsäurewert in mg/dl | Harnsäurewert in µmol/l |
|---|---|---|
| Männer | 3,4 – 7,0 mg/dl | 202 – 416 µmol/l |
| Frauen (vor den Wechseljahren) | 2,4 – 6,0 mg/dl | 143 – 357 µmol/l |
| Frauen (nach den Wechseljahren) | etwa so hoch wie bei Männern | etwa so hoch wie bei Männern |
Ab etwa 6,8 mg/dl (rund 405 µmol/l) gilt die Grenze als überschritten, ab der sich Kristalle bilden können. Deshalb spricht man von einem erhöhten Wert, wenn das Ergebnis darüber liegt.
Wichtiger Hinweis für Sie: Wenn gerade ein akuter Gichtanfall besteht, kann der gemessene Wert überraschenderweise normal oder sogar niedrig ausfallen. Ein unauffälliges Ergebnis schließt also nicht aus, dass es sich um Gicht handelt.
Warum wird der Harnsäurewert erhöht?
Grundsätzlich gibt es zwei Gründe, warum der Wert ansteigt: Entweder der Körper bildet zu viel Harnsäure, oder die Nieren schaffen es nicht, sie ausreichend auszuscheiden. In den meisten Fällen liegt es an einer Kombination aus beidem. Bei etwa 9 von 10 Betroffenen ist vor allem die Ausscheidung durch die Nieren verringert. Oft spielen mehrere Faktoren zusammen – zum Beispiel eine genetische Veranlagung, die durch ungünstige Lebensgewohnheiten verstärkt wird.
Wenn die Nieren zu wenig ausscheiden
Die Nieren filtriert die Harnsäure aus dem Blut, geben aber einen Teil wieder zurück und scheidet den Rest aus. Wenn dieser Ablauf gestört ist, steigt der Wert an. Häufige Gründe dafür sind:
- Eine eingeschränkte Nierenfunktion oder chronische Nierenerkrankungen
- Bestimmte Medikamente, die die Ausscheidung bremsen – dazu zählen unter anderem entwässernde Mittel wie Thiazid- oder Schleifendiuretika, aber auch niedrig dosierte Aspirin oder bestimmte Mittel nach Organtransplantationen
- Weitere Erkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder Stoffwechselentgleisungen wie Zuckerkrankheit mit Übersäuerung
- Veranlagung: Manche Menschen geben Harnsäure von Natur aus schlechter über die Niere ab
Wenn der Körper zu viel bildet
Wenn der Körper besonders viel Purine abbaut, entsteht auch dann zu viel Harnsäure, wenn die Nieren noch gut arbeiten. Das kann folgende Gründe haben:
- Die Ernährung: Viel Fleisch, Innereien, bestimmte Fischarten, aber auch zuckerhaltige Getränke und Süßwaren sowie übermäßiger Alkoholkonsum – vor allem Bier – liefern viele Purine oder Fruktose, die den Wert ansteigen lassen
- Ein erhöhter Zellumsatz: Zum Beispiel bei Bluterkrankungen, starkem Haarausfall der Hautzellen bei Schuppenflechte oder bei der Behandlung von Krebserkrankungen, wenn viele Zellen absterben
- Sehr seltene angeborene Enzymstörungen, bei denen der Körper von Geburt an zu viel Harnsäure bildet
Wenn beides zusammenkommt
Besonders ungünstig wirken sich Faktoren aus, die beides gleichzeitig verschlimmern: Sie lassen mehr Harnsäure entstehen und behindern zugleich die Ausscheidung. Dazu gehört vor allem Alkohol, aber auch Hunger- oder Fastenkuren. Sehr häufig tritt eine erhöhte Harnsäure zusammen mit Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Zuckerkrankheit auf – Ärzte sprechen dann vom sogenannten metabolischen Syndrom.
Wie häufig kommt das vor und wer ist besonders gefährdet?
Ein erhöhter Harnsäurewert ist ein sehr häufiger Befund. Nach Untersuchungen in Deutschland weisen fast 10 % aller Erwachsenen einen erhöhten Wert auf oder haben bereits Gicht. Bei Männern ist es mit rund 13 % deutlich häufiger als bei Frauen mit etwa 6,5 %. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit an, und nach den Wechseljahren nähern sich die Werte von denen der Männer an.
Es gibt bestimmte Faktoren, die das Risiko deutlich erhöhen. Einige davon können Sie selbst beeinflussen, andere nicht:
- Das männliche Geschlecht und ein höheres Lebensalter
- Eine familiäre Veranlagung – wenn nahe Verwandte bereits betroffen sind, steigt Ihr Risiko
- Übergewicht, insbesondere wenn sich das Bauchfett vermehrt
- Der regelmäßige Genuss von viel Alkohol, Bier, zuckerhaltigen Getränken und viel purinreicher Kost
- Bluthochdruck, eine eingeschränkte Nierenfunktion oder andere Stoffwechselerkrankungen
- Die dauerhafte Einnahme von Medikamenten, die den Wert ansteigen lassen
Welche Folgen kann ein erhöhter Wert haben?
Viele Menschen haben über Jahre einen erhöhten Wert, ohne es zu merken. Dennoch ist es wichtig, ihn zu kennen und zu beobachten, weil sich langfristig Beschwerden entwickeln können.
Wenn noch keine Beschwerden auftreten
Solange keine Kristalle auskristallisieren und keine Gelenke schmerzen, spricht man von einer asymptomatischen Hyperurikämie. Das bedeutet aber nicht, dass nichts getan werden muss. Denn je höher der Wert und je länger er erhöht ist, desto wahrscheinlicher werden Folgen wie Gicht, Nierensteine oder eine Verschlechterung der Nierenfunktion. Außerdem besteht ein Zusammenhang zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Wichtig zu wissen: Solange noch keine Beschwerden vorliegen, raten die Leitlinien derzeit noch nicht zur sofortigen Behandlung mit Medikamenten. Stattdessen empfehlen sich zunächst Änderungen der Lebensgewohnheiten und die Behandlung von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Zuckerkrankheit.
Wenn sich eine Gicht entwickelt
Wenn Kristalle aus der Harnsäure auskristallisieren, lösen sie schmerzhafte Entzündungen in den Gelenken aus. Dann spricht man von Gicht. Dabei lassen sich verschiedene Stadien unterscheiden:
- Der akute Gichtanfall: Meist beginnt er plötzlich in der Nacht, sehr oft am großen Zeh. Das Gelenk schmerzt heftig, ist gerötet, geschwollen und fühlt sich warm an. Nach einigen Tagen klingt das meist wieder von selbst ab – aber ohne Behandlung kommen die Anfälle immer wieder.
- Wiederkehrende Anfälle: Wenn die Ursache nicht behandelt wird, erleidet etwa die Hälfte der Betroffenen innerhalb von zwei Jahren weitere Anfälle, und die Abstände werden immer kürzer.
- Die chronische Gicht: Über Jahre lagern sich die Kristalle in Gelenken, Knochen und Sehnen ab. Es bilden sich harte Knötchen, sogenannte Tophi. Das kann zu dauerhaften Gelenkschäden und Bewegungseinschränkungen führen.
- Beteiligung der Nieren: Auch in den Nieren und im Harnleiter können sich Kristalle zu Steinen zusammenlagern. Diese Harnsäuresteine verursachen oft heftige Schmerzen beim Abgang und können langfristig die Nierenfunktion beeinträchtigen.
Wie stellt der Arzt die Diagnose?
Zuerst wird der Harnsäurewert im Blut gemessen. Damit das Ergebnis zuverlässig ist, sollte die Blutabnahme möglichst nicht direkt nach einem Anfall, nach körperlicher Belastung oder nach dem Fasten erfolgen. Zusätzlich prüft der Arzt meist auch die Nierenwerte, um zu sehen, ob die Ausscheidung noch gut funktioniert. Manchmal ist es auch nötig, den Harn über 24 Stunden zu sammeln und zu untersuchen – so lässt sich erkennen, ob der Körper zu viel bildet oder zu wenig ausscheidet.
Wenn ein Gelenk geschwollen und schmerzhaft ist, kann der Arzt eine kleine Flüssigkeitsprobe aus dem Gelenk entnehmen. Unter dem Mikroskop lassen sich dann die charakteristischen Kristalle erkennen – das ist die sicherste Untersuchung, um Gicht von anderen Gelenkerkrankungen abzugrenzen. Daneben wird heute oft auch eine Ultraschalluntersuchung der Gelenke durchgeführt, bei der sich Ablagerungen schon frühzeitig zeigen.
Zudem wird der Arzt nach Ihren Beschwerden, Ihren Essgewohnheiten, Ihren Medikamenten und Erkrankungen in der Familie fragen. Auch Blutdruck, Blutzucker und Fettwerte werden meistens mituntersucht, weil diese oft zusammenhängen.
Wie wird ein erhöhter Harnsäurewert behandelt?
Grundsätzlich gilt: Die Änderung der Lebensgewohnheiten ist immer der erste Schritt und bleibt immer wichtig – auch wenn später Medikamente hinzukommen. Das Ziel jeder Behandlung ist klar definiert: Der Wert soll dauerhaft niedrig bleiben, damit keine Kristalle entstehen und keine neuen Beschwerden auftreten.
Was Sie selbst tun können
Durch Ihre Lebensweise können Sie den Wert um etwa 0,5 bis 1,0 mg/dl senken und zugleich das Anfallsrisiko deutlich verringern. Dazu empfehlen sich folgende Maßnahmen:
- Trinken Sie ausreichend: Mindestens 2 Liter pro Tag. Das hilft den Nieren, die Harnsäure auszuscheiden, und beugt der Steinbildung vor.
- Bringen Sie Ihr Gewicht in Ordnung: Übergewicht erhöht den Wert. Aber bitte vermeiden Sie strenge Fastenkuren, denn diese lassen den Wert sogar ansteigen!
- Reduzieren Sie Alkohol: Vor allem Bier und hochprozentige Getränke lassen den Wert stark ansteigen. Auch Wein sollte nur in Maßen genossen werden.
- Passen Sie Ihre Ernährung an: Essen Sie weniger Fleisch, Innereien und bestimmte Fischarten wie Hering oder Sardinen. Meiden Sie zuckerhaltige Getränke und Süßwaren. Bevorzugen Sie stattdessen viel Gemüse, ballaststoffreiche Kost und pflanzliche Eiweiße – das ist der sogenannten mediterranen Ernährung sehr ähnlich.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, rauchen Sie nicht und achten Sie auf einen normalen Blutdruck und Blutzucker.
Wenn Medikamente nötig werden
Medikamente zur dauerhaften Senkung der Harnsäure werden erst dann empfohlen, wenn bereits Gichtanfälle aufgetreten sind, sich Ablagerungen gebildet haben oder die Nierenfunktion beeinträchtigt ist. Das Ziel dabei ist:
- Bei bereits aufgetretenen Gichtanfällen soll der Wert dauerhaft unter 6,0 mg/dl liegen.
- Bei ausgeprägter Gicht mit Ablagerungen sogar unter 5,0 mg/dl, damit diese sich wieder auflösen.
Am häufigsten wird Allopurinol verschrieben. Es bremst die Bildung der Harnsäure und wird individuell an Ihre Nierenfunktion angepasst. Wenn Sie es nicht vertragen oder es nicht ausreicht, gibt es weitere Wirkstoffe. Gelegentlich kommen auch Mittel zum Einsatz, die die Ausscheidung über die Niere verbessern.
Wichtig zu wissen: Wenn Sie zum ersten Mal mit einem solchen Medikament beginnen, kann es vorübergehend zu einem Gichtanfall kommen. Deshalb verschreibt Ihnen der Arzt für die ersten etwa sechs Monate meist ein zusätzliches Mittel zur Vorbeugung.
Was tun bei einem akuten Gichtanfall?
Wenn es bereits zu einem Anfall gekommen ist, wird die dauerhafte Behandlung nicht erst dann begonnen oder abgesetzt, wenn Sie bereits Tabletten nehmen. Stattdessen werden kurzfristig Mittel gegen die Entzündung und den Schmerz gegeben – etwa entzündungshemmende Tabletten, Colchicin oder Kortison. Diese lindern die Beschwerden, senken aber den Dauerwert nicht.
Wie geht es weiter? Was können Sie erwarten?
Wie sich die Sache entwickelt, hängt vor allem davon ab, wie hoch der Wert ist und wie lange er erhöht bleibt. Bei Werten unter 9 mg/dl passiert oft über Jahre hinweg nichts Schlimmes. Steigt der Wert aber darüber, werden Gichtanfälle und Nierenkomplikationen immer wahrscheinlicher.
Wenn Sie aber die Empfehlungen umsetzen und den Wert dauerhaft auf das vereinbarte Ziel senken lassen, stehen die Chancen sehr gut: Gichtanfälle lassen sich fast vollständig vermeiden, Ablagerungen bilden sich zurück, und dauerhafte Schäden an Gelenken oder Nieren lassen sich verhindern. Zusätzlich profitieren Sie von einem günstigen Einfluss auf Blutdruck, Blutzucker und Herz-Kreislauf-Gesundheit.
Fazit
- Ein erhöhter Harnsäurewert entsteht meist dadurch, dass die Nieren zu wenig ausscheiden, seltener dadurch, dass der Körper zu viel bildet.
- Ab etwa 6,8 mg/dl können sich Kristalle bilden – dennoch bleibt es lange Zeit oft ohne Beschwerden.
- Zuerst stehen immer Änderungen der Lebensweise im Vordergrund. Medikamente werden erst bei Beschwerden oder Folgen eingesetzt.
- Das Behandlungsziel lautet: Dauerhaft unter 6,0 mg/dl, bei ausgeprägter Gicht unter 5,0 mg/dl.
- Ein akuter Gichtanfall wird mit Schmerz- und Entzündungsmitteln behandelt, nicht mit den dauerhaften Senkungsmitteln.
- Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Zuckerkrankheit oder Nierenleiden beeinflussen den Wert und müssen immer mitbehandelt werden.
Quellenverzeichnis
- AWMF S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Gicht. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), Stand 2024. URL: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/060-005. Aufrufdatum: 04.09.2026.
- DEGS1-Studie des Robert-Koch Instituts – Prävalenz von Gicht und Hyperurikämie in Deutschland. Stand: 2013. URL: https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsuntersuchungen/DEGS/degs1_node.html. Aufrufdatum: 04.09.2026.
- AMBOSS – Hyperurikämie und Gicht. Wissensstand: 26.03.2025. URL: https://www.amboss.com/de/wissen/hyperurikamie-und-gicht/. Aufrufdatum: 04.09.2026.
- Wikipedia – Hyperurikämie. Letzte Änderung: 19.09.2025. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Hyperurik%C3%A4mie. Aufrufdatum: 04.09.2026.
- Wikipedia – Gicht. Letzte Änderung: 08.08.2026. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Arthritis_urica. Aufrufdatum: 04.09.2026.
- DocMedicus – Ernährungstherapie bei Gicht und Hyperurikämie. Stand: 08.03.2026. URL: https://www.gesundheits-lexikon.com/Uebergewicht-Stoffwechsel-Diabetes-mellitus/Gicht-Hyperurikaemie/Ernaehrungstherapie-bei-Gicht-Hyperurikaemie. Aufrufdatum: 04.09.2026.
- DEBInet – Ernährungstipps bei Gicht. Letzte Änderung: 25.08.2026. URL: https://ernaehrung.de/tipps/gicht/. Aufrufdatum: 04.09.2026.
- Blutbefund-Inspektor – Harnsäure: Normalwerte und Bedeutung erhöhter Werte. Aktualisierung: 19.08.2026. URL: https://www.blutbefund-inspektor.at/laborwerte/harnsaeure. Aufrufdatum: 04.09.2026.
Bei der Erstellung dieses Artikels kam KI-Unterstützung zum Einsatz.
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