Patienteninformationen

»

»

Schilddrüsenüberfunktion Symptome: Anzeichen erkennen und richtig handeln

Frau hält sich am Hals

Schilddrüsenüberfunktion Symptome: Anzeichen erkennen und richtig handeln

Herz-Kreislauf

mg° medizin

Autor

8 MIN

Was bedeutet eine Schilddrüsenüberfunktion?

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion, medizinisch Hyperthyreose, produziert die Schilddrüse mehr Hormone, als der Körper benötigt. Die Schilddrüsenhormone Thyroxin, kurz T4, und Trijodthyronin, kurz T3, beeinflussen unter anderem den Stoffwechsel, den Herzschlag, die Körpertemperatur und die Verdauung.

Sind zu viele dieser Hormone im Blut vorhanden, laufen zahlreiche Körperfunktionen schneller ab. Deshalb können Schilddrüsenüberfunktion Symptome wie Herzrasen, Nervosität, Gewichtsverlust und vermehrtes Schwitzen entstehen. Die Informationen von gesund.bund.de erklären die Erkrankung, mögliche Ursachen und typische Beschwerden ausführlich.

Nicht alle Betroffenen haben dieselben Anzeichen. Manche Beschwerden entwickeln sich langsam und werden zunächst mit beruflichem Stress, Schlafmangel oder einer psychischen Belastung erklärt. Bei älteren Menschen kann eine Schilddrüsenüberfunktion außerdem vergleichsweise unauffällig verlaufen. Statt Nervosität stehen dann beispielsweise Müdigkeit, Gewichtsverlust oder Herzprobleme im Vordergrund.

Schilddrüsenüberfunktion Symptome im Überblick

Die Beschwerden hängen unter anderem davon ab, wie stark die Überfunktion ausgeprägt ist und wodurch sie verursacht wird. Typische Anzeichen sind:

  • Herzklopfen, Herzrasen oder ein unregelmäßiger Herzschlag
  • innere Unruhe, Nervosität und erhöhte Reizbarkeit
  • Zittern, besonders an den Händenvermehrtes Schwitzen und eine ausgeprägte Wärmeempfindlichkeit
  • ungewollter Gewichtsverlust trotz gleichbleibendem oder gesteigertem Appetit
  • Schlafstörungen und Schwierigkeiten beim Abschalten
  • Muskelschwäche, schnelle Erschöpfung oder verringerte Belastbarkeit
  • häufiger Stuhlgang oder Durchfall
  • Konzentrationsprobleme und Stimmungsschwankungen
  • Haarausfall oder feiner werdendes Haar
  • Zyklusveränderungen oder Einschränkungen der Fruchtbarkeit
  • warme, feuchte Haut

Eine vollständige Übersicht möglicher Beschwerden bietet auch die Symptomübersicht des NHS. Dort wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nicht alle Symptome gleichzeitig auftreten müssen und verschiedene andere Ursachen infrage kommen.

Die Kombination mehrerer Beschwerden kann einen Hinweis liefern, beweist aber noch keine Schilddrüsenüberfunktion. Herzrasen, Gewichtsverlust oder Schlafprobleme können beispielsweise auch durch Medikamente, Infektionen, Wechseljahre, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder anhaltenden Stress ausgelöst werden.

Schilddrüsenüberfunktion und Augen: Wann steckt Morbus Basedow dahinter?

Eine häufige Ursache der Hyperthyreose ist Morbus Basedow. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der bestimmte Antikörper die Schilddrüse zur Hormonproduktion anregen.

Bei Morbus Basedow können zusätzlich Augenbeschwerden auftreten. Dazu zählen trockene oder gerötete Augen, ein Druck- oder Fremdkörpergefühl, Lichtempfindlichkeit, tränende Augen und Sehstörungen. In manchen Fällen treten die Augen stärker hervor oder es kommt zu Doppelbildern.

Weitere Informationen zu Morbus Basedow und möglichen Augenveränderungen finden sich beim National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases. Neue Sehstörungen, starke Schmerzen hinter den Augen oder Doppelbilder sollten ärztlich und gegebenenfalls augenärztlich untersucht werden.

Welche Ursachen hat eine Schilddrüsenüberfunktion?

Eine Hyperthyreose kann unterschiedliche Auslöser haben. Zu den häufigsten gehören:

  • Morbus Basedow: Eine Autoimmunerkrankung regt die Schilddrüse dauerhaft zur Hormonbildung an.
  • Autonome Schilddrüsenknoten: Bestimmte Knoten produzieren unabhängig vom tatsächlichen Bedarf Schilddrüsenhormone.
  • Schilddrüsenentzündung: Bei einer Entzündung können gespeicherte Hormone vermehrt ins Blut gelangen.
  • Medikamente oder hohe Jodzufuhr: Jodhaltige Kontrastmittel, bestimmte Arzneimittel oder hoch dosierte Jodpräparate können bei entsprechender Veranlagung eine Überfunktion begünstigen.

Das NIDDK informiert über mögliche Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten. Auch die American Thyroid Association beschreibt Morbus Basedow, autonome Knoten und weitere Auslöser der Hyperthyreose.

Jod sollte nicht grundsätzlich gemieden werden. Wer jedoch bereits eine Schilddrüsenerkrankung hat oder Jodtabletten beziehungsweise Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, sollte dies mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprechen. Medikamente dürfen nicht eigenständig abgesetzt werden.

Wann sollte man mit den Beschwerden zum Arzt?

Eine ärztliche Untersuchung ist sinnvoll, wenn Beschwerden neu auftreten, über längere Zeit anhalten oder mehrere typische Symptome zusammenkommen. Besonders Gewichtsverlust ohne erkennbaren Grund, wiederkehrendes Herzrasen und starkes Zittern sollten abgeklärt werden.

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle. Je nach Befund kann eine Überweisung in eine internistische oder endokrinologische Praxis erfolgen. Die Gesundheitsinformation des IQWiG weist darauf hin, dass die Beschwerden allein nicht für eine sichere Diagnose ausreichen.

Sofortige medizinische Hilfe ist notwendig bei starkem oder anhaltendem Herzrasen, Brustschmerzen, Atemnot, Bewusstseinsstörungen, hohem Fieber oder einer deutlichen Verschlechterung des Allgemeinzustands. In seltenen Fällen kann sich eine schwere thyreotoxische Krise entwickeln.

So gehen Sie bei Verdacht auf eine Schilddrüsenüberfunktion vor

  • Beobachten Sie Ihre Beschwerden: Notieren Sie, wann Herzrasen, Zittern, Schwitzen, Schlafprobleme oder Gewichtsveränderungen auftreten.
  • Halten Sie Ihre Medikamente fest: Informieren Sie die Praxis über alle verschreibungspflichtigen und frei verkäuflichen Präparate sowie über Nahrungsergänzungsmittel.
  • Vereinbaren Sie einen Arzttermin: Besonders bei mehreren typischen Symptomen oder einer schnellen Verschlechterung sollten Sie nicht lange abwarten.
  • Lassen Sie die Schilddrüsenwerte untersuchen: Üblicherweise werden zunächst TSH sowie die freien Hormone fT4 und fT3 bestimmt.
  • Besprechen Sie weitere Untersuchungen: Je nach Befund können Ultraschall, Antikörpertests, Szintigrafie, EKG oder eine augenärztliche Untersuchung folgen.
  • Beginnen Sie keine Selbstbehandlung: Schilddrüsenmedikamente, Jodpräparate und andere Mittel sollten nur nach ärztlicher Empfehlung eingenommen oder verändert werden.

Wie wird eine Schilddrüsenüberfunktion diagnostiziert?

Am Anfang stehen ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung. Dabei werden unter anderem Puls, Blutdruck, Gewicht und die Schilddrüse überprüft. Eine sichtbare oder tastbare Vergrößerung am Hals kann auf einen Kropf oder Schilddrüsenknoten hinweisen.

Für die Blutuntersuchung ist vor allem der TSH-Wert wichtig. Bei einer manifesten Schilddrüsenüberfunktion ist TSH meist erniedrigt, während fT4 und/oder fT3 erhöht sind. Bei einer latenten Hyperthyreose kann TSH bereits niedrig sein, obwohl die freien Schilddrüsenhormone noch im Normbereich liegen.

Weitere Untersuchungen können sein:

  • Ultraschall zur Beurteilung von Größe, Struktur und möglichen Knoten
  • Bluttests auf Antikörper, insbesondere bei Verdacht auf Morbus Basedow
  • Szintigrafie zur Untersuchung der Hormonaktivität einzelner Schilddrüsenbereiche
  • EKG bei Herzrasen, Herzstolpern oder unregelmäßigem Puls

Welche Diagnostik notwendig ist, hängt vom individuellen Befund ab. Die American Thyroid Association-Leitlinie zur Hyperthyreose beschreibt die diagnostischen und therapeutischen Grundsätze ausführlich.

Welche Behandlung hilft bei einer Schilddrüsenüberfunktion?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, dem Alter, der Stärke der Überfunktion, der Größe der Schilddrüse und dem allgemeinen Gesundheitszustand. Häufig werden zunächst Medikamente eingesetzt, die die Bildung von Schilddrüsenhormonen bremsen. Bei Herzrasen oder starkem Zittern können zusätzlich Medikamente zur Linderung dieser Beschwerden verschrieben werden.

Je nach Ursache kommen außerdem eine Radiojodtherapie oder eine Operation infrage. Die DGN-Handlungsempfehlung zur Radioiodtherapie und die AWMF-Leitlinie zur operativen Therapie gutartiger Schilddrüsenerkrankungen erläutern die jeweiligen Einsatzbereiche.

Bei Morbus Basedow kann zunächst eine medikamentöse Behandlung erfolgen. Bei autonomen Knoten wird dagegen häufig geprüft, ob eine Radiojodtherapie oder eine Operation sinnvoller ist. Nach einer endgültigen Behandlung kann eine Schilddrüsenunterfunktion entstehen, die sich in der Regel mit Schilddrüsenhormonen behandeln lässt.

Häufige Fragen zu Schilddrüsenüberfunktion Symptomen

Kann eine Schilddrüsenüberfunktion müde machen?

Ja. Obwohl der Stoffwechsel beschleunigt ist, können Betroffene müde und erschöpft sein. Schlafprobleme, Muskelschwäche und die dauerhafte körperliche Anspannung können zusätzlich zu einem starken Energieverlust führen.

Ist Gewichtsverlust immer ein Zeichen für eine Hyperthyreose?

Nein. Ungewollter Gewichtsverlust kann viele Ursachen haben. Treten gleichzeitig Herzrasen, Schwitzen, Zittern oder innere Unruhe auf, sollte eine Schilddrüsenüberfunktion ärztlich ausgeschlossen werden.

Können Schilddrüsenüberfunktion Symptome mit Stress verwechselt werden?

Ja. Nervosität, Schlafstörungen, Reizbarkeit und Herzklopfen werden häufig zunächst als Stresssymptome eingeordnet. Eine Blutuntersuchung kann helfen, eine körperliche Ursache zu erkennen.

Wie schnell bessern sich die Beschwerden?

Das ist abhängig von der Ursache, dem Ausmaß der Überfunktion und der Behandlung. Herzrasen und Unruhe können sich teilweise relativ schnell bessern. Gewichtsveränderungen, Muskelschwäche oder Haarprobleme benötigen häufig mehr Zeit.

Was ist bei Augenbeschwerden wichtig?

Neue Sehstörungen, Doppelbilder, starke Schmerzen oder ein ausgeprägtes Druckgefühl hinter den Augen sollten zeitnah untersucht werden. Diese Beschwerden können insbesondere bei Morbus Basedow auftreten.

Disclaimer

Dieser Artikel dient ausschließlich Ihrer Information. Die Inhalte wurden sorgfältig recherchiert, können jedoch keine individuelle medizinische Beratung ersetzen. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen wenden Sie sich bitte immer an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Versuchen Sie niemals, einen Abszess selbst zu behandeln oder zu öffnen, da dies zu ernsthaften Komplikationen führen kann.

Quellenverzeichnis
SchilddrüsenüberfunktionBundesministerium für Gesundheit / gesund.bund.deZur Quelle20.08.2026
Schilddrüsenüberfunktion: HyperthyreoseInstitut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im GesundheitswesenZur Quelle20.08.2026
HyperthyroidismNational Institute of Diabetes and Digestive and Kidney DiseasesZur Quelle20.08.2026
Graves’ DiseaseNational Institute of Diabetes and Digestive and Kidney DiseasesZur Quelle20.08.2026
Overactive thyroid: SymptomsNational Health ServiceZur Quelle20.08.2026
HyperthyroidismAmerican Thyroid AssociationZur Quelle20.08.2026
HyperthyroidismU.S. National Library of Medicine / MedlinePlusZur Quelle20.08.2026
Hyperthyroidism: Diagnosis and Management GuidelinesAmerican Thyroid Association / PubMedZur Quelle20.08.2026
S1-Leitlinie Radioiodtherapie bei benignen SchilddrüsenerkrankungenDeutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin / AWMFZur Quelle20.08.2026
S2k-Leitlinie Operative Therapie benigner SchilddrüsenerkrankungenAWMF / Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und ViszeralchirurgieZur Quelle20.08.2026
Symbolbild, Nahaufnahme einer Person, die eine Smartwatch mit Herzfrequenz- und Zeitanzeige überprüft
Symbolbild, welcher Puls ist gefährlich


Welcher Puls ist gefährlich? Wann Sie handeln sollten 

Ihr Herz rast plötzlich oder schlägt ungewöhnlich langsam? Die Frage „Welcher Puls ist gefährlich?“ beschäftigt viele Menschen. Ein gesunder Ruhepuls liegt bei Erwachsenen zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute. Werte dauerhaft über 100 oder unter 40 sollten ärztlich abgeklärt werden – besonders wenn Symptome wie Schwindel, Atemnot oder Brustschmerzen hinzukommen.

Beitrag lesen

Schlagworte zu diesem Beitrag

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Digitale Röntgenillustration eines menschlichen Körpers mit hervorgehobenem Herzen und EKG-Kurve

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Ursachen, Symptome, etc.

Herz-Kreislauf

Das Wichtigste in Kürze Herz-Kreislauf-Erkrankungen betreffen das Herz und die Blutgefäße. Dazu zählen zum Beispiel Bluthochdruck, die koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen. Viele dieser Erkrankungen entwickeln sich über ...
Beitrag lesen

Bluthochdruck senken – Wie Sie Ihre Werte in den Griff bekommen

Herz-Kreislauf

Warum dieses Thema wichtig ist Bluthochdruck wird oft als „stille Gefahr“ bezeichnet, denn viele Betroffene spüren jahrelang nichts davon. Dabei arbeitet das Herz ständig gegen einen zu hohen Widerstand in ...
Beitrag lesen
Person hält sich mit Schmerzen die Brust – Herzinsuffizienz durch Umweltbelastungen wie Feinstaub, Lärm und Hitze

Herzstolpern: Wann ist es harmlos und wann sollten Sie zum Arzt?

Herz-Kreislauf

Was bedeutet Herzstolpern? Informieren Sie sich über die Faktoren, die dabei eine Rolle spielen können und was zu tun ist.
Beitrag lesen