Urologie » Niereninsuffizienz

»

Bei Intensivpatienten mit akutem Nierenversagen muss nicht generell zeitnah dialysiert werden

Bei Intensivpatienten mit akutem Nierenversagen muss nicht generell zeitnah dialysiert werden

News

Urologie

Niereninsuffizienz

3 MIN

Erschienen in: UroForum

Bei Patienten, die während der Therapie auf der Intensivstation ein akutes Nierenversagen bekommen, hat ein genereller Beginn der Dialyse innerhalb von wenigen Stunden nach der Diagnose keinen wesentlichen klinischen Nutzen. Die 90-Tages-Sterblichkeit wird durch eine zeitnah beginnende Nierenersatztherapie nicht reduziert.

Das akute Nierenversagen ist eine vergleichsweise häufige Komplikation bei Patienten, die intensivmedizinisch behandelt werden. Die Frage, wann der optimale Zeitpunkt für den Beginn einer Nierenersatztherapie ist, lässt sich auf Basis der bisherigen Datenlage nicht klar beantworten. Bei einem zeitnahen Dialysebeginn innerhalb weniger Stunden ist die Idee, Folgeschäden des Nierenversagens zu verhindern. Bei einem Abwarten mit dem Beginn bis zur Verschlechterung von Laborwerten im Blut ist die Idee, dass sich die Nierenfunktion eventuell wieder erholt und dem Patienten Belastungen der Dialyse erspart bleiben. In der internationalen Studie STARRT-AKI (Standard versus Accelerated Initiation of Renal-Replacement Therapy in Acute Kidney Injury) ist die Frage eines optimalen Dialysebeginns bei kritisch Kranken untersucht worden.

Die Studie erfolgte nach folgendem Studiendesign:

  • Studiendesign: multinationale, kontrollierte, randomisierte und unverblindete Studie
  • Einschlusskriterien: Erwachsene Patienten auf der Intensivstation (ICU)
  • Nierenfunktionskriterien: Verdoppelung des Serumkreatinins während der ICU-Therapie; Kreatininkonzentrationen ≥ 4mg/dL (354 μmol/L) oder eine Urinproduktion von weniger als 6 ml/kg KG innerhalb von 12 Stunden
  • Randomisierung: 1:1 in eine Strategie mit
    • zügigem Beginn der Dialyse nach Diagnose des akuten Nierenversagens (3,9-8,8 Stunden nach Diagnose; Durchschnitt: 6,1 Stunden) oder
    • Standardzuteilung zur Dialyse unter folgenden Kriterien:
      • möglichst kein Dialysebeginn vor Serumkaliumwerten von mindestens 6,0 mmol/L
      • Serum-pH von maximal 7,20 oder
      • Serumbicarbonatwerten von maximal 12 mmol/L oder
      • schweren Einbußen der Atmungsfunktion.
  • Zeitrahmen der Standardzuteilung: 19,0-71,8 Stunden nach Diagnose des akuten Nierenversagens (Durchschnitt: 31,1 Stunden)
  • Primärer Endpunkt: Sterblichkeit jeglicher Ursache binnen 90 Tagen nach Randomisierung

Sie erbrachte folgende Erkenntnisse:

  • 3.019 Patienten erfüllten die Einschlusskriterien. In die Gruppe mit zeitnaher Dialyse wurden 1.512 Patienten randomisiert und in den Standardarm 1.507 Patienten.
  • Der primäre Endpunkt wurde bei 43,9 % der Patienten mit raschem Dialysebeginn erreicht und bei 43,7 % in der Standardgruppe (relatives Risiko: 1,00).
  • Bei den Überlebenden 90 Tage nach Randomisierung waren zu diesem Zeitpunkt noch 10,4 % it raschem Beginn der Dialyse auf diese Behandlung angewiesen und 6,0 % in der Standardgruppe.
  • Unerwünschte Effekte der Dialyse traten bei 23,0 % der Patienten mit zeitnaher Nierenersatztherapie auf und bei 16,5 % unter Dialysebeginn nach Standardkriterien.

Klinische Bedeutung
Für Patienten mit akutem Nierenversagen während einer ICU-Therapie hat ein sehr zeitnaher Beginn der Nierenersatztherapie keinen klinisch relevanten Vorteil, sondern eher Nachteile. Die Standardkriterien sind als Basis für die Entscheidung über den Beginn der Dialyse ausreichend.

Quelle: The STARRT-AKI Investigators: Timing of Initiation of Renal-Replacement Therapy in Acute Kidney Injury. N Engl J Med 2020; 383: 240-51.
Bildquelle:© Sebastian Kaulitzki – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Arzt im blauen Kittel mit verschraenkten Armen und Stethoskop im Klinikflur als Symbol fuer Arbeiten und Weiterbildung in einer Rehabilitationsklinik

Arbeiten und Weiterbildung in einer Rehabilitationsklinik

Fachartikel

Urologische Weiterbildung geht auch in der Reha: In rund 30 Rehakliniken mit uro(onko)logischem Schwerpunkt sind teils Weiterbildungszeiten (6–24 Monate) möglich. Der Alltag ist strukturierter als im Akuthaus, mit fitten Rehabilitanden, langen Aufnahme-/Entlassgesprächen und Fokus auf Sozialanamnese und Erwerbsfähigkeit. Diagnostik und Eingriffe sind begrenzt – dafür bleibt mehr Zeit für Kommunikation.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Über 25.000 Roboter-assistierte Prostataektomien freut sich das Gronauer OP-Team. © St. Antonius-Hospitals Gronau/Öffentlichkeitsarbeit/Unternehmenskommunikation

25.000 Roboter-assistierte Prostatektomien im St. Antonius-Hospital Gronau

News

Die Klinik für Urologie, Urologische Onkologie und Roboter-assistierte Chirurgie des St. Antonius-Hospitals Gronau berichtet über einen neuen Rekord. Mit 25.000. roboterassistierten radikalen Prostatektomie (RARP) zählt das Gronauer Zentrum zu den weltweit erfahrensten Einrichtungen für die operative Behandlung des Prostatakarzinoms mit dem da-Vinci-Operationssystem.

Urologie

Operative Urologie

Beitrag lesen
Sichtlich belasteter Mann sitzt am Bettrand und haelt den Kopf in den Haenden als Symbol fuer erektile Dysfunktion 2026 und neue Therapieoptionen

Erektile Dysfunktion 2026 – gibt es etwas Neues?

Fachartikel

Erektile Dysfunktion 2026: Wirklich Neues gibt es laut Überblick kaum – Standard bleiben PDE‑5‑Hemmer, ergänzt durch SKAT/SKIT und Vakuumhilfen. Die EAU‑Leitlinie 2026 betont die kardiovaskuläre Risikoeinschätzung in der Diagnostik. ESWT, PRP, Stammzell‑/Gentherapie oder Botox gelten weiter als experimentell/allenfalls schwach empfohlen.

Urologie

Sexuelle Funktionsstörungen

Erektile Dysfunktion

Beitrag lesen