Welche relevanten Aspekte beim Benignen Prostatasyndrom (noch) nicht in der entsprechenden Leitlinie berücksichtigt wurden oder wo es sich lohnt, über deren Tellerrand hinauszugucken, wurde in der Session „BPS Beyond Guidelines“ besprochen.
So referierte PD Dr. Malte Rieken, Basel (Schweiz), zur Versorgungsrealität sowie dem Einsatz alter und neuer Tools außerhalb der Leitlinie. Demnach werde bei der leilinienkonformen Diagnostik vor geplanter Operation der klinisch relevanten Benignen Prostataobstruktion (benign prostatic obstruction, BPO) ein hoher Stellenwert eingeräumt, auch wenn diese je nach Studienlage bei Weitem nicht bei allen Patienten vorkäme. Zudem würden kontrolliertes Zuwarten bzw. eine Lebensstilmodifikation zu selten angewendet und bei der medikamentösen Therapie sei die Therapieadhärenz niedrig, so Rieken. Positiv könnten dagegen DiGAS mit einem Nachweis der Symptomverbesserung sein. Die TUR-Prostata sei weiterhin das häufigste OP-Verfahren, die Anwendung der Enukleation nehme aber zu.
Heiße Studien für die Praxis
Prof. Dr. Dr. Thomas Bschleipfer, Weiden, stellte aktuelle Studien zu praxisrelevanten Themen vor, die nach der Leitlinie 2023 veröffentlicht wurden und u.a. entweder neue Erkenntnisse brachten, relevante Frage beantworten oder Hinweise auf künftige Änderungen lieferten. Neu sei der wirksame gut verträgliche minimalinvasive Einsatz der mechanischen und pharmakologischen Öffnung mittels lokaler Paclitaxel-Applikation durch Optilume. „Praxisverändernd“ seien auch die Erkenntnisse, dass Vibegron sich bereits etabliert habe und Aquablation ein schonendes und sicheres Verfahren, das sich auch in der Praxis durchsetzen könne, so Bschleipfer. Und aktuelle Studien zu Rezum zeigten, dass das Verfahren sehr schonend sei und auch bei großen Prostatae gut eingesetzt werden könne, man aber insbesondere bei der Dauerhaftigkeit Abstriche machen müsse. Künftig interessant könnte die Anwendung von ProVee und Zenflow sowie von Robotic HoLEP sei.
Individualisierte Therapie
Auf die Frage ob absolute OP-Indikationen tatsächlich absolut seien, ging Prof. Dr. Matthias Oelke, Frauenfeld (Schweiz), ein. Ihm bzw. anderen Experten zufolge sei eine absolute OP-Notwendigkeit (der Prostata) ein Erfahrungswert bei BPS-Patienten ohne tiefgreifende Grundlage. Die Leitlinien suggerierten, dass eine unbehandelte Blasenauslassobstruktion (bladder outlet obstruction, BOO) bzw. BPO der Auslöser von Komplikationen sei, die wissenschaftliche Grundlage hierfür sei jedoch dürftig, so Oelke. Behandlungsalternativen seien bei ausgewählten Patienten möglich – vor allem bei Hochbetagten, Multimorbiden oder Männern, die eine Prostata-OP ablehnten. Um diese Operationen langfristig mit alternativen Methoden vergleichen zu können, seien weiterführende Studien notwendig.
Quelle: Akademieforum „BPS Beyond Guidelines“ anlässlich des 78. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), Düsseldorf, 16. September 2026





