Urologie » Urogenitale Tumoren » Nierenzellkarzinom

»

CBM588: Mit Probiotika Therapieansprechen verbessern

Illustration von Clostridien, die auch im Probiotikum CBM588 enthalten sind.

CBM588: Mit Probiotika Therapieansprechen verbessern

News

Urologie

Urogenitale Tumoren

Nierenzellkarzinom

3 MIN

Erschienen in: UroForum

Das Mikrobiom des Darms kann das Ansprechen auf Checkpoint-Inhibitoren (CPIs) in der Krebstherapie beeinflussen. In einer neuen Phase-I-Studie, die im Fachmagazin Nature Medicine veröffentlicht wurde, hat eine Forschergruppe den Einfluss des Probiotikums CBM588 auf Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom (mRCC) unter Behandlung mit den CPIs Nivolumab und Ipilimumab untersucht.

Die Therapie mit den CPIs Nivolumab und Ipilimumab ist für die Behandlung von mRCC Standard in der Erstlinienbehandlung. Frühere Studien haben ein verbessertes Ansprechen auf die CPI-Therapie mit Bakterienarten wie Bifidobacterium adolescentis in Verbindung gebracht. Das Team um Nazli Dizman untersuchte nun, ob die Modulation des Darmmikrobioms die Reaktion von Patienten mit mRCC auf die duale Therapie Nivolumab-Ipilimumab verbessern könnte. Hierfür erhielten zwei Drittel der 30 Probanden täglich zur Therapie mit den beiden CPIs zusätzlich CBM588, ein Probiotikum, das Clostridium butyricum enthält. Das anaerobe, Butyrat-produzierende Bakterium zeigte in vorangegangenen Studien eine bifidogene Wirkung, was mit einem verlängerten progressionsfreien Überleben (PFS) und Gesamtüberleben bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs in Verbindung gebracht wurde.

Längeres PFS unter CBM588

Patienten mit mRCC, die zusätzlich zur dualen Therapie mit CPIs das Präbiotikum erhielten, zeigten ein längeres medianes PFS im Vergleich zur Gruppe ohne CBM588 (12,7 Monate vs. 2,5 Monate). Des Weiteren wurde eine bessere Verringerung der Tumorzielläsionen unter CBM588 beobachtet (74 % vs. 50 %). Die Mehrzahl der Reaktionen erwies sich als dauerhaft. Insgesamt sprachen 58 % der Patienten mit CBM588 auf die Therapie an, verglichen mit 20%-igem Ansprechen bei der Gruppe ohne das Probiotikum.

Einfluss von CBM588 auf das Mikrobiom und den Stoffwechsel

Zwar zeigte der Vergleich der Stuhlproben vor Beginn der Therapie und 12 Wochen später keine signifikante Veränderung der relativen Häufigkeit von Bifidobakterien zwischen den Behandlungen, jedoch ergab eine Subgruppenanalyse eine signifikante Zunahme von Bifidobakterien bei Patienten unter CBM588, die ein Ansprechen auf die Therapie zeigten. Im Gegensatz dazu kam es bei dieser Patientengruppe zu einer Abnahme von Desulfovibrio spp., welches mit der Pathogenese von Leberkrebs in Verbindung gebracht wird. Zudem zeigte die Analyse der Stoffwechselwege eine signifikant unterschiedliche Regulierung zwischen den beiden Behandlungsgruppen.

Des Weiteren ergab eine Untersuchung der Zytokine und Immunzellpopulationen, dass der Spiegel des Interferon-γ induzierten Monokins bei der Behandlung mit und ohne CBM588 mit der Zeit anstieg, jedoch nur unter CBM588 diverse andere Zytokinspiegel anstiegen. Hingegen wurde ein Anstieg der T-Zell-Populationen nur in der Gruppe ohne CBM588 beobachtet.

Fazit

Trotz einiger Limitationen der Studie, wie die geringe Stichprobengröße, fehlende Placebo-Kontrolle oder fehlendes Langezeit-Follow-up, deuten die Ergebnisse auf eine verstärkte Wirkung von CPIs durch ein Probiotikum hin: Es zeigte sich ein signifikanter Vorteil im PFS durch die Gabe von CBM588 sowie ein Hinweis auf eine verbesserte Ansprechrate. Angesichts der nicht signifikanten Unterschiede in der Sicherheit der Behandlung sollten diese Ergebnisse mit größeren Stichprobenzahlen und bei verschiedenen Tumorarten validiert werden.

Quelle: Dizman N et al. Nivolumab plus ipilimumab with or without live bacterial supplementation in metastatic renal cell carcinoma: a randomized phase 1 trial. Nat Med 2022; online ahead of print (>> zur Publikation)

Das Foto zeigt eine 3D-Illustration von Clostridien, die im Probiotikum CBM588 enthalten sind.
In einer neuen Studie wurde der Einfluss des Probiotikums CBM588 mit Clostridium butyricum auf die Behandlung mit Checkpoint-Inhibitoren untersucht. (Foto © adobestock – SciePro)

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Arzt im blauen Kittel mit verschraenkten Armen und Stethoskop im Klinikflur als Symbol fuer Arbeiten und Weiterbildung in einer Rehabilitationsklinik

Arbeiten und Weiterbildung in einer Rehabilitationsklinik

Fachartikel

Urologische Weiterbildung geht auch in der Reha: In rund 30 Rehakliniken mit uro(onko)logischem Schwerpunkt sind teils Weiterbildungszeiten (6–24 Monate) möglich. Der Alltag ist strukturierter als im Akuthaus, mit fitten Rehabilitanden, langen Aufnahme-/Entlassgesprächen und Fokus auf Sozialanamnese und Erwerbsfähigkeit. Diagnostik und Eingriffe sind begrenzt – dafür bleibt mehr Zeit für Kommunikation.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Über 25.000 Roboter-assistierte Prostataektomien freut sich das Gronauer OP-Team. © St. Antonius-Hospitals Gronau/Öffentlichkeitsarbeit/Unternehmenskommunikation

25.000 Roboter-assistierte Prostatektomien im St. Antonius-Hospital Gronau

News

Die Klinik für Urologie, Urologische Onkologie und Roboter-assistierte Chirurgie des St. Antonius-Hospitals Gronau berichtet über einen neuen Rekord. Mit 25.000. roboterassistierten radikalen Prostatektomie (RARP) zählt das Gronauer Zentrum zu den weltweit erfahrensten Einrichtungen für die operative Behandlung des Prostatakarzinoms mit dem da-Vinci-Operationssystem.

Urologie

Operative Urologie

Beitrag lesen
Sichtlich belasteter Mann sitzt am Bettrand und haelt den Kopf in den Haenden als Symbol fuer erektile Dysfunktion 2026 und neue Therapieoptionen

Erektile Dysfunktion 2026 – gibt es etwas Neues?

Fachartikel

Erektile Dysfunktion 2026: Wirklich Neues gibt es laut Überblick kaum – Standard bleiben PDE‑5‑Hemmer, ergänzt durch SKAT/SKIT und Vakuumhilfen. Die EAU‑Leitlinie 2026 betont die kardiovaskuläre Risikoeinschätzung in der Diagnostik. ESWT, PRP, Stammzell‑/Gentherapie oder Botox gelten weiter als experimentell/allenfalls schwach empfohlen.

Urologie

Sexuelle Funktionsstörungen

Erektile Dysfunktion

Beitrag lesen