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Geschlechterspezifische Medizin: Östrogene schützen Nieren

Geschlechterspezifische Medizin: Östrogene schützen Nieren

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Erschienen in: UroForum

Frauen sind weniger anfällig für akutes Nierenversagen als Männer. Das ist seit Jahrzehnten bekannt. Doch der Grund dafür war bisher unklar. Forschende der TU Dresden sowie der Universität Heidelberg konnten Mechanismen identifizieren, die dieses Phänomen erklären können und die Therapie für Männer und postmenopausale Frauen verbessern könnten.

Prof. Dr. med. Andreas Linkermann und zwei der drei Erstautor:innen der im Journal Nature veröffentlichten Arbeit: Shubhangi Gavali, PhD (li.) und Francesca Maremonti, PhD. (© Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg)
Prof. Dr. med. Andreas Linkermann und zwei der drei Erstautor:innen der im Journal Nature veröffentlichten Arbeit: Shubhangi Gavali, PhD (li.) und Francesca Maremonti, PhD. (© Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg)

Östrogen als Schutzfaktor gegen Ferroptose

In ihrer Forschung untersuchten die Wissenschaftler*innen das weibliche Sexualhormon Östrogen sowie den Vorgang der Ferroptose, eine von Eisen abhängige Form des regulierten Zelltods. Sie fanden heraus, dass Östrogene die Ferroptose blockieren. Dies steht im Einklang mit der Beobachtung, dass der Schutz der Nieren von Frauen mit der Menopause, wenn die Produktion der Geschlechtshormone abnimmt, verlorengeht.

Interessant ist dabei, dass Östrogen, und insbesondere dessen hydroxylierte Derivate wie 2-Hydroxyestradiol, Schlüsselmediatoren eines vielschichtigen weiblichen Schutzes sind: Das Hormon entfaltet seine Funktion als Ferroptose-Abwehrsystem in verschiedener Art und Weise, über genomische und nicht-genomische Mechanismen.

Es zeigte sich, dass das natürliche Hormon wie ein körpereigenes Medikament gegen Ferroptose wirkt. Zusätzlich initiiert Östrogen über den Östrogen-Rezeptor im Zellkern verschiedene biologische Systeme, die als Abwehrmechanismen gegen Ferroptose zu werten sind. So reguliert der Rezeptor beispielsweise die Produktion von Hydropersulfiden, die als Radikalfänger die Ferroptose in Schach halten. Darüber hinaus wirkt Östrogen-Rezeptorstimulation auch der Veränderung bestimmter Fette in der Zellmembran entgegen, sogenannte Etherlipide, und hemmt auch auf diese Weise Ferroptose.

Bedeutung für Nierenerkrankungen und darüber hinaus

Diese Beobachtungen bieten interessante Ansatzpunkte für die Therapie von Nierenerkrankungen. Aber nicht nur! Die Ferroptose hat für eine Vielzahl von Krankheitsprozessen eine Bedeutung. „Unsere Erkenntnisse können auch weit über die Niere hinaus Auswirkungen haben, sogar auf die Krebsforschung. Sie rücken die Ferroptose in den Blick der Geschlechtsunterschiede von Mann und Frau auch in Bezug auf Herzerkrankungen und Schlaganfall, vor denen Frauen im Vergleich zu Männern eher geschützt sind, bis hin zur bekanntlich höheren Lebenserwartung von Frauen“, erläutert Professor Dr. Andreas Linkermann, Direktor der V. Medizinischen Klinik an der Universitätsmedizin Mannheim und Letztautor der Nature-Publikation.

Die Dimension, die die vorliegende Arbeit auch für andere Erkrankungen, und ebenso in anderem Kontext haben kann, lässt sich also noch kaum ermessen. Auch ethische Fragestellungen können davon betroffen sein, etwa in der Transplantationsmedizin, wo sich die Frage stellen könnte, ob Organe weiblicher Spenderinnen – vor der Menopause – „wertvoller“ sind als die von männlichen Spendern, weil sie gegenüber dem chirurgischen Prozess der Organübertragung weniger anfällig sind. „Um die Bedeutung der Ferroptose eröffnet sich tatsächlich ein ganz neues Forschungsfeld“, folgert Andreas Linkermann daraus.

News and Views

Wie weitreichend die Erkenntnisse der Mannheimer, an der Universität Heidelberg forschenden Nephrologen sein können, hat auch der weltweit anerkannte Experte auf diesem Gebiet, Tom Vanden Berghe, erkannt. In seinen „News and Views“, veröffentlicht in derselben Ausgabe von Nature unter dem Titel “Oestrogen defends against kidney damage caused by iron-dependent cell death”, zieht er den folgenden Schluss:
“Die Arbeit stellt einen Meilenstein in unserem Verständnis der Geschlechtsunterschiede beim akuten Nierenversagen dar und erweitert die physiologische Relevanz der Ferroptose über Krebs und Neurodegeneration hinaus. Wichtig ist, dass diese Ergebnisse dazu beitragen können, die erhöhte Anfälligkeit für eine akute Nierenschädigung bei Frauen nach der Menopause zu erklären und eine rationale Grundlage für die Erforschung östrogener Metaboliten oder Ferroptosehemmer als Therapeutika zu schaffen. Da die Ferroptose als zentraler Mechanismus von Gewebeverletzungen an Bedeutung gewinnt, unterstreicht diese Studie die Bedeutung des Geschlechts als biologische Variable bei ihrer Regulierung.“

Originalpublikation:

Tonnus, W., Maremonti, F., Gavali, S. et al. Multiple oestradiol functions inhibit ferroptosis and acute kidney injury. Nature 2025
DOI: https://doi.org/10.1038/s41586-025-09389-x

News and Views: Oestrogen defends against kidney damage caused by iron-dependent cell death. Nature 2025
DOI: https://doi.org/10.1038/d41586-025-02422-z

Quelle: Pressemitteilung der Universitätsmedizin Mannheim

Bildquelle: Pixel-Shot – adobe.stock.com

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