Am 31. Oktober ist der auf ein Jahr befristete Rechnungszuschlag für Krankenhäuser in Höhe von 3,25 Prozent oder vier Milliarden Euro ausgelaufen. Der neue Zuschlag der Bundesregierung fällt mit 550 Millionen Euro deutlich niedriger aus und bedeutet zudem für November und Dezember eine Lücke. Eine Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts sowie die Krankenhaus-Studie von Roland Berger stellen die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit vieler Kliniken in Frage.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) weist auf die erheblichen Risiken für die flächendeckende Versorgung hin, die mit dem Wegfall des befristeten Rechnungszuschlags zum 1. November entstehen. Der bisherige Rechnungszuschlag sei für die Krankenhäuser unverzichtbar zum Ausgleich bisher nicht refinanzierter Kostensteigerungen aus den Vorjahren gewesen. „Der neue pauschale Zuschlag in Höhe von 27,30 Euro bzw. 50 Euro für Unikliniken ab dem 1. Januar 2027 wird die Kosten in den meisten Krankenhäusern nicht abdecken können und so die wirtschaftliche Schieflage in der Krankenhausversorgung weiter verschärfen“, stellt die DKG fest. Der Wegfall des Rechnungszuschlags und das GKV-Spargesetz nehmen den Krankenhäusern nach DKG-Angaben allein 2027 fast fünf Milliarden Euro weg.
Starke Auswirkungen für ländliche Krankenhäuser
Das Deutsche Krankenhausinstitut hat kurzfristig 1.182 Krankenhäuser ab 50 Betten zu den Folgen befragt, wovon allerdings nur 267 auf die Fragen geantwortet haben. 76 % der Umfrage-Teilnehmer rechnen mit sehr starken wirtschaftlichen Auswirkungen und 23% mit starken Auswirkungen. Nur ein von 100 befragten Häusern sehen kein Problem aufgrund des gesenkten Zuschlags. In dünn besiedelten Regionen gaben sogar 85% der Umfrage-Teilnehmer an, dass sie mit starken wirtschaftlichen Folgen rechnen. 76 % der Häuser mit 50 bis 299 Betten sahen für ihr Krankenhaus keine Möglichkeit für einen Ausgleich des Wegfalls. Selbst bei den größeren Krankenhäusern mit 300 bis 599 Betten gehen 58 % davon aus, dass sie den Wegfall nicht ausgleichen können. Die Krankenhäuser in dünn besiedelten ländlichen Kreisen sehen in 93% der Fälle keine Kompensationsmöglichkeit.
„Um diese Belastungen zu kompensieren“, teilt die DKG mit, „wollen 52 % der Kliniken den Personalbestand verringern, 65 % Investitionen verschieben oder ganz streichen und 76% planen einen Einstellungsstopp.“ Der Wegfall des Rechnungszuschlags erhöht bei etwa einem Viertel der Krankenhäuser das Risiko einer wirtschaftlich bedingten Schließung oder Insolvenz innerhalb der nächsten sechs Monate. Insbesondere die Krankenhäuser mit 50 bis unter 300 Betten sehen sich gefährdet.
Roland Berger: Miese Stimmung in den Führungsetagen
Ähnliche Resultate zeigt auch die parallel veröffentliche Krankenhausstudie der Unternehmensberatung Roland Berger. Stetig anwachsende Verluste und eine sich verschärfende Finanznot sind die zentralen Ergebnisse einer Befragung unter 600 Geschäftsführern und ärztlichen Direktoren. Die Stimmung sei so schlecht, dass die Führungsetagen vieler Kliniken in der Zukunft bereits weitere Verluste einkalkulieren. Personalkürzungen stehen bei gut zwei Dritteln der Häuser ganz oben auf der Streichliste. An Investitionen wagt nur noch ein kleinerer Teil der Krankenhäuser zu denken.
Generell werden die Finanzlöcher immer tiefer. 56% der antwortenden Krankenhäuser beziffern ihr Defizit mit mehr als 10% des Umsatzes; in einigen Kliniken sind es sogar 25%. Die finanzielle Tragfähigkeit vieler Krankenhäuser ist laut Roland Berger nicht mehr gesichert. Vielerorts neigen sich die finanziellen Reserven ihrem Ende entgegen. Ein pessimistischer Ausblick der Berger-Studie kommt zu dem Ergebnis: „Die Zahl der Insolvenzen wird wahrscheinlich stark steigen.“ Im Hinblick auf die 2027 anstehenden zusätzlichen Einnahmeausfälle bewertet jede vierte Klinik ihre wirtschaftliche Existenz als stark gefährdet.
DKG befürchtet Schieflage vieler Krankenhäuser
„Der bisherige Rechnungszuschlag war für zahlreiche Krankenhäuser in ihrer wirtschaftlichen Planung entscheidend. Die 3,25 % haben vielerorts den Unterschied zwischen roten Zahlen und zumindest einer schwarzen Null gemacht. Mit den neuen ungenügenden Pauschalzuschlägen, die gerade einmal ein Sechstel des bisherigen Zuschlags ausmachen, werden wieder mehr Krankenhäuser in die Schieflage geraten“, befürchtet der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Dr. Gerald Gaß. Nach Einschätzung der DKG lassen die die Defizite nicht mehr ohne Leistungseinschränkungen und einen deutlichen Personalabbau ausgleichen.
„Wir schlagen dem Gesundheitsminister vor, die ausufernde Bürokratie in den Krankenhäusern entschieden und konsequent abzubauen“, unterstreicht Dr. Gaß. Fallen medizinisch sinnlose Dokumentationspflichten, überzogene Prüfungen, Mehrfachmeldungen und anderes weg, ließen sich Milliarden einsparen, ohne dass die Versorgung in Mitleidenschaft gezogen würde. „Will Deutschland seine hochwertige, flächendeckende und universalistische Versorgung sichern und gleichzeitig Beiträge stabil halten, führt daran kein Weg vorbei.“
Es grüßt Sie herzlich
Ihr Franz-Günter Runkel, Chefreporter UroForum





