Urologie » Berufspolitik

»

Neues KI-Modell hilft dabei, Antibiotikaresistenzen zuverlässiger zu erkennen

Moderne Laborumgebung mit digitalen Analysewerkzeugen und wissenschaftlichen Daten auf Monitoren.

Quelle: © Gorodenkoff – stock.adobe.com

Neues KI-Modell hilft dabei, Antibiotikaresistenzen zuverlässiger zu erkennen

Berufspolitik

Urologie

Berufspolitik

mgo medizin

mgo medizin Redaktion

Verlag

4 MIN

Erschienen in: UroForum

Forschende der Universitätsmedizin Oldenburg haben ein KI-Modell entwickelt, das zuverlässiger als andere Methoden antibiotikaresistente Bakterien identifizieren kann, weil es deutlich weniger falsch-positive Ergebnisse produziert. Das vermeidet überflüssige Anschlussuntersuchungen, die zeit- und kostenintensiv sind.

Zuverlässiger als bisher Bakterien identifizieren, die gegen Reserveantibiotika resistent sind – das kann das neue KI-Modell „CarbaDetector“. Entwickelt haben es Forschende der Universitätsmedizin Oldenburg unter der Leitung von Prof. Axel Hamprecht, Direktor des Universitätsinstituts für Medizinische Mikrobiologie und Virologie am Klinikum Oldenburg. Anders als bei Testverfahren, die gegenwärtig in Laboren zum Einsatz kommen, liefert die neue Anwendung deutlich seltener falsch-positive Treffer. Wie die Forschenden zeigten, übertrifft die KI anerkannte Screening-Algorithmen. Darüber berichtet das Team jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „nature communications“.„Gängige Screeningmethoden verursachen häufig falsch-positive Ergebnisse, die zu weiteren Untersuchungen führen, die Zeit und Geld kosten, obwohl sie eigentlich überflüssig sind“, erklärt Dr. Linea Katharina Muhsal, die Erstautorin der Studie.

Konkret geht es bei der KI aus Oldenburg darum, Bakterien zuverlässig zu erkennen, die sogenannte Carbapenemasen produzieren. Diese Enzyme zerstören Carbapenem-Reserveantibiotika, also solche Antibiotika, mit denen Ärztinnen und Ärzte nur in Ausnahmefällen behandeln. Sie kommen nur dann zum Einsatz, wenn Bakterien Resistenzen gegen reguläre Antibiotika entwickelt haben. Der zurückhaltende Umgang mit diesen Wirkstoffen soll weitere Resistenzen vermeiden. Die sogenannten Carbapenemase-produzierenden Enterobacterales (CPE), die der „CarbaDetector“ enttarnen kann, können verschiedene Krankheiten wie Harnwegsinfektionen, Sepsis oder Lungenentzündungen auslösen. Weil sie häufig nicht nur gegen viele reguläre Antibiotika, sondern auch gegen Reserveantibiotika resistent sind, ist ihre Bekämpfung schwierig. Von gut einer halben Millionen Menschen, die nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation jährlich infolge von Antibiotikaresistenzen sterben, leiden gut 30.000 Personen an Krankheiten, die von CPE verursacht wurden.

Petrischale mit Antibiotika-Test zur Untersuchung von Resistenzen gegen verschiedene Antibiotika.
Treffen Antibiotikaplättchen auf eine Bakterienkultur, entstehen um sie herum Hemmzonen, in denen das Bakterienwachstum unterdrückt wird. Anhand der Durchmesser dieser Kreise und der Kombinationen von Hemmzonen können Forschende und Labormitarbeitende mit dem neuen KI-Modell berechnen, ob das Bakterium voraussichtlich resistent gegen ein Reserveantibiotikum ist. (Foto: Universität Oldenburg / Axel Hamprecht)

„CarbaDetector“ analysiert – ähnlich wie andere Screeningmethoden –, wie die untersuchte Probe im Labor auf verschiedene Antibiotika reagiert. Entscheidend ist dabei der Durchmesser der Kreise, die entstehen, wenn Labormitarbeitende runde Plättchen mit Antibiotika auf die Bakterienkultur geben. Die sogenannten Hemmzonen entstehen, weil das jeweilige Antibiotikum das Wachstum der Bakterien in diesem Bereich unterdrückt. Verschiedene Gremien, darunter das Europäische Komitee für die Prüfung der Antibiotika-Empfindlichkeit (EUCAST), haben Algorithmen entwickelt, mit denen sich anhand dieser Durchmesser errechnen lässt, ob es sich bei dem getesteten Bakterium um ein CPE handelt. Mit diesen Berechnungen werden positive Proben fast immer erkannt – sie klassifizieren allerdings häufig negative Proben fälschlicherweise als positiv.

Um die Funktionalität ihres KI-Modells zu testen, haben die Forschenden um Muhsal und Hamprecht dessen Ergebnisse mit zwei anerkannten Algorithmen verglichen, die aktuell in der Praxis bei Resistenzbestimmungen zum Einsatz kommen. Sie analysierten zwei Datensätze mit insgesamt 800 Bakterienstämmen mit ihrer KI, dem EUCAST-Algorithmus und einem ebenfalls anerkannten Algorithmus der Französischen Gesellschaft für Mikrobiologie. Das Ergebnis: Positive Proben erkannte die KI in etwa genauso gut wie die anerkannten Algorithmen. Dabei produzierte sie aber deutlich weniger falsch-positive Ergebnisse. Nur in rund 13 % der Fälle markierte sie eine negative Probe fälschlicherweise als positiv. Die etablierten Algorithmen verursachten – je nach Datensatz und Algorithmus – zwischen 27,8 und 61 % falsch-positive Ergebnisse. „CarbaDetector“ ist in Deutschland noch ausschließlich für den Einsatz im Rahmen der Forschung zugelassen.

Originalpublikation: Linea Katharina Muhsal et al.: „CarbaDetector: a machine learning model for detecting carbapenemase-producing Enterobacterales from disk diffusion tests”, nature communications, 14. November 2025, DOI:https://doi.org/10.1038/s41467-025-66183-z.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Arzt im blauen Kittel mit verschraenkten Armen und Stethoskop im Klinikflur als Symbol fuer Arbeiten und Weiterbildung in einer Rehabilitationsklinik

Arbeiten und Weiterbildung in einer Rehabilitationsklinik

Fachartikel

Urologische Weiterbildung geht auch in der Reha: In rund 30 Rehakliniken mit uro(onko)logischem Schwerpunkt sind teils Weiterbildungszeiten (6–24 Monate) möglich. Der Alltag ist strukturierter als im Akuthaus, mit fitten Rehabilitanden, langen Aufnahme-/Entlassgesprächen und Fokus auf Sozialanamnese und Erwerbsfähigkeit. Diagnostik und Eingriffe sind begrenzt – dafür bleibt mehr Zeit für Kommunikation.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Über 25.000 Roboter-assistierte Prostataektomien freut sich das Gronauer OP-Team. © St. Antonius-Hospitals Gronau/Öffentlichkeitsarbeit/Unternehmenskommunikation

25.000 Roboter-assistierte Prostatektomien im St. Antonius-Hospital Gronau

News

Die Klinik für Urologie, Urologische Onkologie und Roboter-assistierte Chirurgie des St. Antonius-Hospitals Gronau berichtet über einen neuen Rekord. Mit 25.000. roboterassistierten radikalen Prostatektomie (RARP) zählt das Gronauer Zentrum zu den weltweit erfahrensten Einrichtungen für die operative Behandlung des Prostatakarzinoms mit dem da-Vinci-Operationssystem.

Urologie

Operative Urologie

Beitrag lesen
Sichtlich belasteter Mann sitzt am Bettrand und haelt den Kopf in den Haenden als Symbol fuer erektile Dysfunktion 2026 und neue Therapieoptionen

Erektile Dysfunktion 2026 – gibt es etwas Neues?

Fachartikel

Erektile Dysfunktion 2026: Wirklich Neues gibt es laut Überblick kaum – Standard bleiben PDE‑5‑Hemmer, ergänzt durch SKAT/SKIT und Vakuumhilfen. Die EAU‑Leitlinie 2026 betont die kardiovaskuläre Risikoeinschätzung in der Diagnostik. ESWT, PRP, Stammzell‑/Gentherapie oder Botox gelten weiter als experimentell/allenfalls schwach empfohlen.

Urologie

Sexuelle Funktionsstörungen

Erektile Dysfunktion

Beitrag lesen