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Neues Radiopharmakon verbessert Prostatakrebs-Diagnostik

Samer Ezziddin, Professor für Nuklearmedizin

Neues Radiopharmakon verbessert Prostatakrebs-Diagnostik

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4 MIN

Erschienen in: UroForum

Die Überlebenschance bei Prostatakrebs ist gut, wenn er früh erkannt wird. Dennoch können in manchen Fällen auch Jahre nach der Behandlung noch Metastasen auftauchen. Wissenschaftlern um Prof. Samer Ezziddin ist es gelungen, mithilfe des neuen Radiopharmakons 89Zr-PSMA-617 die Bildgebung für diese Patienten erheblich zu verbessern und damit deren Überlebenschancen zu steigern.

Samer Ezziddin, Professor für Nuklearmedizin
Samer Ezziddin, Professor für Nuklearmedizin, ist überzeugt von 89Zr-PSMA-617. Das neue Radiopharmakon ermöglicht eine bessere Detektion auch von kleinen Prostatakrebs-Metastasen während der PSMA-PET/CT. (Foto © Universität des Saarlandes)

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebsart bei Männern in Deutschland. Pro Jahr werden rund 62.000 Neuerkrankungen diagnostiziert. Wie bei vielen bösartigen Tumoren ist auch der Prostatakrebs gut zu behandeln, wenn er früh entdeckt wird. Rund 90 % der Patienten überleben dank einer Bestrahlung oder der Entnahme der Prostata. Doch auch nach einer Entnahme der Prostata können noch Metastasen entstehen.

PSA = Hinweis auf Rezidiv

Ein Hinweis auf Metastasen ist der Nachweis des Prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut der Patienten, nachdem die Prostata bereits entnommen wurde. Denn die Metastasen bilden auch an anderen Stellen im Körper PSA.

PSMA-PET-CT

Einem Anfangsverdacht durch PSA-Anstieg kann mithilfe der PSMA-PET/CT nachgegangen werden. Hier wird das Prostata-spezifische Membran-Antigen (PSMA), ein Protein an der Oberfläche der Prostatatumorzellen, sichtbar gemacht, um die Metastasen zu lokalisieren. „Seit etwa 2014, 2015 können wir mithilfe eines PSMA-PET/CTs nun gut sehen, wo sich Metastasen oder auch ein Lokalrezidiv gebildet haben“, erklärt Nuklearmediziner Samer Ezziddin. „Dafür wird ein sogenanntes Radiopharmakon in die Venen injiziert. Dabei handelt es sich um eine schwach radioaktive Substanz, die an den PSMA-Molekülen andocken kann. Deren Verteilung sehen wir nach einer gewissen Zeit im PET/CT, sodass wir erkennen können, wo ein Tumor beziehungsweise seine Metastasen sitzen.“

„Aber auch andere ungefährliche Strukturen im Körper können PSMA-bildend sein“, schränkt Samer Ezziddin ein. So kann es nach einem Knochenbruch dazu kommen, dass es durch die verstärkte Bildung von Blutgefäßen rund um das betroffene Gewebe zur Bildung von PSMA kommt. Ebenso können beispielsweise Blutschwämmchen PSMA exprimieren.

Kurzlebige Radiopharmaka = schlechte Auffindrate von Tumoren

Bisher wurden kurzlebige Radiopharmaka wie Gallium-68(68Ga)-markierte PSMA-Liganden eingesetzt. Rund eine Stunde nach der Injektion, der Halbwertszeit des Isotops, sieht man dann, wo sich das strahlende Radiopharmakon im Körper ansammelt, wo also ein Tumor sein könnte. Auf dem PET-CT-Bild ist bösartiges Tumorgewebe aber zuerst einmal nicht von harmlosen Strukturen wie z. B. Blutschwämmchen zu unterscheiden. „In 50 % der Fälle sehen wir gar keine Auffälligkeiten im herkömmlichen PSMA-PET-CT“, führt der Nuklearmediziner weiter aus.

Frühere Erkennung von Metastasen durch langlebiges Radiopharmakon

Prof. Ezziddin und sein Team haben daher nun ein Radiopharmakon getestet, das eine deutlich längere Halbwertszeit hat, da es das Isotop Zirkonium 89 (89Zr) enthält. Dieses ist sogar nach mehreren Tagen noch nicht vollständig zerfallen. „Die Ergebnisse waren überwältigend“, sagt Prof. Ezziddin. „Wir haben 20 Patienten damit untersucht, deren konventionelle PSMA PET/CTs alle negativ waren. Dort haben wir also keine Metastasen oder anderes Tumorgewebe sehen können. Mit dem Zirkonium-89 markierten Radiopharmakon haben wir in unserer kleinen Stichprobe tatsächlich bei all diesen Patienten Tumore und Metastasen im Anfangsstadium erkennen können.“

Diese Patienten konnten nun in einem sehr viel früheren Stadium mit einer Strahlentherapie behandelt werden. Durch die bessere Lokalisation der Tumorgewebe konnten diese viel genauer und mit einer höheren Dosis bestrahlt werden.

„Durch die lange Halbwertszeit können wir aber nicht nur die bisher negativen Patienten untersuchen. Auch bei schwach positiven Patienten können wir dadurch die unklaren Stellen klären, wo sich also beispielsweise Blutschwämmchen befinden oder auch gutartige Geschwulste für PSMA-Bildung sorgen“, sagt Prof. Ezziddin. „Diese sind nach einigen Tagen, im Gegensatz zu dem bösartigen Tumorgewebe, nicht mehr auf den PET/CT-Aufnahmen zu sehen.“ Der Grund soll in einer etwas abweichenden Struktur der PSMA-Moleküle liegen, die nicht von Tumorgeweben stammen. Das Radiopharmakon bindet mit der Zeit weniger an diese PSMA-Moleküle, sodass nach mehreren Tagen nur noch das tatsächliche Tumorgewebe zu sehen ist.

Einschränkungen

Bei den Erkenntnissen Prof. Ezziddins und seines Teams handelt es sich noch nicht um eine begutachtete Studie, sondern vorerst um eine Fallstudie.

Originalpublikation: Rosar F, et al. 89Zr-PSMA-617 PET/CT May Reveal Local Recurrence of Prostate Cancer Unidentified by 68Ga-PSMA-11 PET/CT. Clinical Nuclear Medicine; 2022 (>>zur Publikation)

Quelle: Universität des Saarlandes (>>zur vollständigen Pressemitteilung)


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