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Operative Korrektur komplexer Penisdeviationen bei Induratio Penis Plastica

Urologischer Chirurg bereitet sich im OP auf die operative Korrektur komplexer Penisdeviationen bei Induratio Penis Plastica vor

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Operative Korrektur komplexer Penisdeviationen bei Induratio Penis Plastica

Fachbeitrag

Urologie

Operative Urologie

mgb medizin Redaktion

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3 MIN

Erschienen in: UroForum

Die operative Korrektur von Penisdeviationen bei Induratio penis plastica (IPP) stellt eine wichtige Behandlungsoption für Patienten mit ausgeprägten Penisverkrümmungen dar. Dieser Fachartikel präsentiert die Ergebnisse einer bizentrischen Fallserie, in der erstmals ein allogenes Fascia-lata-Graft zur Defektrekonstruktion der Tunica albuginea eingesetzt wurde. Die Studie untersucht die operative Technik, funktionelle Ergebnisse und postoperative Komplikationen bei 14 Patienten mit komplexen Penisdeviationen.

Was ist Induratio Penis Plastica?

Die Induratio penis plastica (IPP) ist eine multifaktoriell bedingte und genetisch prädispositionierte erworbene fibroproliferative Erkrankung der Tunica albuginea, die mit folgenden Symptomen einhergehen kann:

  • Penisdeviationen
  • Penisverkürzungen
  • Schmerzen bei Erektion
  • Erektile Dysfunktion

Die Erkrankung kommt häufiger vor als bisher angenommen [1–3]. Für die betroffenen Patienten resultiert hieraus häufig eine relevante Einschränkung der sexuellen Funktion und Lebensqualität [4, 5].

Therapieoptionen bei Induratio Penis Plastica

Konservative Behandlungsmöglichkeiten

Während medikamentöse oder interventionelle (nicht chirurgische) Therapieoptionen bei milden Verläufen eingesetzt werden können, ist bei ausgeprägten Deviationen die operative Korrektur erforderlich.

Operative Korrektur bei komplexen Deformitäten

Bei folgenden Befunden ist die operative Korrektur in der Regel die einzige Therapieoption [6]:

  • Ausgeprägte Penisdeviationen
  • Multiplanare Achsabweichung
  • Sanduhrdeformität
  • Korkenzieherdeformität
  • Begleitende Penisverkürzung

In diesen Fällen ist eine Plaque-Inzision oder -Exzision mit Defektrekonstruktion der Tunica albuginea erforderlich.

Wahl des Graftmaterials

Die Wahl des Graftmaterials ist entscheidend für das funktionelle und anatomische Ergebnis, bleibt jedoch Gegenstand anhaltender Fachdiskussion [7]:

Autologe Grafts:

  • Nicht unerhebliche Donor-Site-Morbidität
  • Verlängerung der Operationszeit

Xenogene und allogene Materialien: Limitationen hinsichtlich Gewebereaktion:

  • Eingeschränkte mechanische Belastbarkeit
  • Langzeitstabilität [8]

Allogene Fascia-Lata-Grafts in der Chirurgie

Humane allogene Faszien-Grafts werden seit Jahren in anderen chirurgischen Fachgebieten erfolgreich eingesetzt [9, 10]. Durch moderne Verfahren der Dezellularisierung und Sterilisation lassen sich immunologische Risiken auf ein Minimum reduzieren, während die biomechanischen Eigenschaften des Gewebes erhalten bleiben [11].

Abb. 1: Fascia-lata-Patch
Abb. 1: Fascia-lata-Patch

Methodik der Fallserie

In dieser bizentrischen Fallserie berichten wir über die ersten klinischen Erfahrungen mit der Verwendung eines allogenen Fascia-lata-Grafts zur operativen Korrektur komplexer Penisdeviationen bei IPP.

Patientenauswahl und Einschlusskriterien

Eingeschlossen wurden Patienten mit peniler Deviation zwischen Januar und Juni 2025, bei denen eine Plaque-Inzision oder -Exzision mit Graftrekonstruktion indiziert war.

Präoperative Diagnostik und Fragebögen

Zur Erfassung der sexuellen Funktion und krankheitsspezifischen Belastung wurden validierte Fragebögen eingesetzt:

  • International Index of Erectile Function (IIEF-5)
  • Erection Hardness Score (EHS)
  • Patient Reported Outcome Measure (PROM) – eigener, nicht standardisierter Fragebogen zur Erhebung patientenberichteter Symptome und subjektiver Zufriedenheit

Dokumentation peniler Parameter

Zusätzlich erfolgte die Dokumentation relevanter peniler Parameter:

  • Gestreckte Penislänge (stretched penile length, SPL)
  • Lokalisation der Plaque
  • Grad der Penisdeviation – bestimmt anhand von Selbstfotografien im erigierten Zustand und intraoperativ mittels Goniometer verifiziert

Die Messungen wurden präoperativ erhoben und im Verlauf postoperativ erneut evaluiert.

Operative Technik

Die operative Versorgung erfolgte in Rückenlage unter Allgemeinanästhesie. Bei fehlender Vorbeschneidung wurde initial eine Zirkumzision durchgeführt, gefolgt von einem vollständigen Degloving des Penisschaftes bis zur Penisbasis.

Intraoperatives Vorgehen

Schritt 1: Mobilisierung des neurovaskulären Bündels

Anschließend wurde das dorsale neurovaskuläre Bündel sorgfältig mobilisiert.

Schritt 2: Artifizielle Erektion und Plaque-Behandlung

Zur intraoperativen Beurteilung der Deviation wurde eine artifizielle Erektion induziert. Abhängig vom Ausmaß und der Lokalisation der Plaque wurde eine Inzision oder partielle Exzision der fibrotischen Areale der Tunica albuginea durchgeführt.

Abb. 2: Rekonstitutionierter Faszien-Graft
Abb. 2: Rekonstitutionierter Faszien-Graft

Schritt 3: Vorbereitung und Einsetzen des Fascia-Lata-Grafts

Der zuvor in warmer physiologischer Kochsalzlösung über etwa 20 Minuten rekonstitutionierte Faszien-Graft wurde entsprechend der Defektgröße zugeschnitten und spannungsfrei in Faserverlaufsrichtung in den entstandenen Defekt eingenäht.

Dr. Josefine Horscht, Nicola von Ostau, Tobias Pottek, Jochen Heß

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