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Robotisch-assistierte urologische Chirurgie – Was sagt die aktuelle Studienlage?

Illustration einer robotisch-assistierten Operation mit OP-Roboter und Konsole, Symbolbild fuer robotisch-assistierte urologische Chirurgie

Quelle: © MinixT – stock.adobe.com

Robotisch-assistierte urologische Chirurgie – Was sagt die aktuelle Studienlage?

Fachbeitrag

Urologie

Operative Urologie

mgb medizin Redaktion

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5 MIN

Erschienen in: UroForum

Die robotisch-assistierte Chirurgie hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einem festen Bestandteil der operativen Urologie entwickelt. Seit der Einführung des DaVinci-Systems ist ein kontinuierlicher Anstieg robotischer Eingriffe zu verzeichnen, insbesondere bei onkologischen und rekonstruktiven Operationen. Für die urologische Praxis stellt sich weniger die Frage nach der technischen Machbarkeit als vielmehr nach dem tatsächlichen Mehrwert für perioperative, funktionelle und onkologische Endpunkte.

Die robotische Chirurgie ist eine Weiterentwicklung minimal-invasiver Operationsverfahren. Moderne Systeme ermöglichen es Chirurgen, den gesamten operativen Prozess von einer Konsole aus zu kontrollieren. Zentrale technische Merkmale sind eine hochauflösende, dreidimensionale Visualisierung mit starker Vergrößerung, eine zitterfreie Bewegungsübertragung und Instrumente mit einem hohen Freiheitsgrad.

Diese Eigenschaften erleichtern insbesondere feine Präparationsschritte und Rekonstruktionen in anatomisch engen Operationsfeldern. In den letzten Jahren wurde der Stellenwert der roboterassistierten Chirurgie im Vergleich zu offen-operativen Verfahren beim Prostata-, Nierenzell- und Harnblasenkarzinom in mehreren randomisierten klinischen Studien evaluiert.

Die folgende Darstellung fasst die zentralen Ergebnisse dieser Studien zusammen.

Prostatektomie

Die radikale Prostatektomie ist das am besten untersuchte Einsatzgebiet der robotischen Chirurgie. In zwei prospektiven, randomisierten Studien wurde die robotisch-assistierte radikale Prostatektomie (RARP) mit der offenen retropubischen Prostatektomie verglichen [1 – 3]. In den Studien von Yaxley/Coughlin und Naras zeigten sich konsistent vergleichbare onkologische Ergebnisse hinsichtlich positiver Schnittränder, PSA-rezidivfreiem Überleben und Gesamtüberleben. Die Komplikationsraten waren niedrig und zwischen beiden Verfahren nicht signifikant unterschiedlich.

Perioperativ zeigte sich für die RARP ein deutlicher Vorteil mit signifikant geringerem Blutverlust, niedrigeren Transfusionsraten und einer kürzeren stationären Verweildauer. Funktionelle Endpunkte wie Kontinenz und erektile Funktion zeigten in frühen randomisierten Studien nur geringe Unterschiede zwischen den Verfahren. Neuere Analysen deuten jedoch darauf hin, dass Patienten nach RARP insbesondere hinsichtlich der frühen Wiedererlangung der Kontinenz sowie der Sexualfunktion nach zwölf Monaten moderat profitieren können.

Im Vergleich zur konventionellen laparoskopischen radikalen Prostatektomie liefert die multizentrische, randomisierte LAP-01-Studie wichtige Daten, welche den Zusatznutzen der Robotik im Rahmen minimal-invasiver Operationen belegen: Funktional ergaben sich Vorteile zugunsten der RARP, insbesondere bei der Rate an vollständiger Kontinenz. Insgesamt gilt die RARP heute in vielen Zentren als etabliertes Standardverfahren, wobei der operative Erfolg weiterhin wesentlich von der Erfahrung des Operateurs abhängt.

Nierenteilresektion

Die robotisch-assistierte partielle Nephrektomie (RAPN) hat sich insbesondere bei kleinen bis mittelgroßen Nierentumoren etabliert. In randomisierten Studien wie der OpeRa-Studie und der ROBOCOP-II-Studie wurde die RAPN mit der offenen partiellen Nephrektomie verglichen [5, 6]. Beide Verfahren zeigten vergleichbare onkologische Ergebnisse bezüglich positiver Schnittränder.

Perioperativ zeigte sich bei der RAPN ein deutlich geringerer Bedarf an Schmerzmitteln nach der Operation. Der intraoperative Blutverlust unterschied sich zwischen den Verfahren nicht signifikant. Die Operationsdauer und die Warmischämiezeit waren in der robotischen Gruppe jedoch signifikant länger.

Diese Unterschiede hatten jedoch keinen nachweisbaren negativen Einfluss auf die postoperative Nierenfunktion im kurz- und mittelfristigen Verlauf. Patientenberichtete Ergebnisse zeigten Vorteile der RAPN hinsichtlich postoperativer Schmerzen und Lebensqualität. Die Komplikationsraten waren insgesamt niedrig und zwischen den Verfahren vergleichbar.

Die RAPN stellt somit eine sichere und effektive Alternative zur offenen Technik dar und verspricht den Patienten eine schnellere Rekonvaleszenz.

Radikale Zystektomie

Die robotisch-assistierte radikale Zystektomie (RARC) wurde in mehreren randomisierten Studien (z. B. RAZOR [7] und iROC [8]) sowie in Metaanalysen mit der offenen radikalen Zystektomie verglichen. Die Harnableitung wurde überwiegend mittels Ileum-Conduit durchgeführt; bei etwa einem Viertel der Patienten erfolgte die Anlage einer Ileum-Neoblase. Insbesondere in kürzlich publizierten Studien wurde die Harnableitung intrakorporal durchgeführt.

Eine aktuelle Metaanalyse randomisierter, kontrollierter Studien zeigte für die RARC einen signifikant geringeren intraoperativen Blutverlust sowie niedrigere Transfusionsraten [9]. Die Operationszeit war jedoch im Mittel um etwa 75 Minuten verlängert.

Hinsichtlich perioperativer Endpunkte (z. B. postoperativer Ileus) oder schwerer Komplikationen bestanden keine signifikanten Unterschiede. Die Krankenhausverweildauer war nach RARC kürzer. Onkologisch zeigten sich keine Unterschiede bezüglich positiver Schnittränder, progressionsfreiem Überleben oder Gesamtüberleben.

Funktionelle Vorteile sind vorhanden, jedoch meist moderat und stark von der operativen Erfahrung abhängig. Auch die Lebensqualitätsanalysen sprechen für einen moderaten Vorteil der RARC, insbesondere hinsichtlich der körperlichen Funktionsfähigkeit in den ersten postoperativen Monaten.

Die Datenlage unterstützt somit den Einsatz der Robotik bei der Zystektomie, wenngleich die längeren Operationszeiten berücksichtigt werden müssen.

Für weitere rekonstruktive urologische Eingriffe wie z. B. Nierenbecken- oder Blasenhalsplastik existieren bislang keine randomisierten kontrollierten Studien. Retrospektive Analysen deuten jedoch darauf hin, dass die robotische Operationstechnik auch in diesen Indikationen Vorteile bietet.

EingriffBenefit der robotischen OP-Technik
Radikale Prostatektomiegeringerer Blutverlust, kürzere Hospitalisation; moderater funktioneller Vorteil möglich
Nierenteilresektiongeringerer Schmerzmittelbedarf, schnellere Rekonvaleszenz
Radikale Zystektomiegeringerer Blutverlust, kürzere Hospitalisation
Tab. 1: Benefit der verschiedenen Eingriffe

Fazit

Die robotische Chirurgie ist in der Urologie bei mehreren Kernindikationen fest etabliert. Insbesondere bei der radikalen Prostatektomie, der Nierenteilresektion und der Zystektomie bietet sie relevante perioperative Vorteile bei vergleichbarer onkologischer Sicherheit.

Literatur unter mgb-medizin.de/literatur

Autor:

Prof. Dr. med. Jörg Ellinger

Urologie GFO Kliniken Troisdorf – St. Josef Hospital

Hospitalstraße 45

53840 Troisdorf

joerg.ellinger@gfo-kliniken-troisdorf.de

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