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DDG-Herbsttagung 2025: Neue Impulse in der 
Ernährungstherapie

Eine Schale mit frischen Erdbeeren, eine Schale mit Müsli, ein Blutzuckermessgerät und gelbe Hanteln, umgeben von Maßbändern, symbolisieren gesunde Ernährung und Bewegung bei Diabetes. © ratmaner – stock.adobe.com

DDG-Herbsttagung 2025: Neue Impulse in der 
Ernährungstherapie

Fachbeitrag

Allgemeinmedizin

Diabetes

mgb medizin Redaktion

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3 MIN

Erschienen in: Der Allgemeinarzt

Das Thema „Ernährungstherapie bei Diabetes“ stand im Fokus einer Session auf der DDG-Herbsttagung 2025. Vier Experten beleuchteten das Thema aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln – von molekularbiologischen Grundlagen bis zur ­digitalen Ernährungsanalyse.

Die Beiträge der Session beleuchteten das Thema Ernährungstherapie aus verschiedenen Perspektiven. Prof. Dr. André Kleinridders (Universität Potsdam) stellte neueste Erkenntnisse zur Bedeutung der Ernährung für die Gehirnfunktion vor. Eine ungesunde, hochkalorische Kost führe bereits nach wenigen Tagen zu messbaren Veränderungen der Insulinwirkung im zentralen Nervensystem.

Diese sogenannte „Gehirninsulinresistenz“ ­könne emotionale Störungen sowie depressive Symptome begünstigen. Kleinridders zeigte anhand tierexperimenteller und humaner Daten, dass Insulin im Gehirn nicht nur den Energiestoffwechsel, sondern auch Kognition, Gedächtnis und Gemütslage beeinflusst. „Übergewichtige Personen wiesen häufig eine reduzierte Insulinsensitivität im Gehirn auf – unabhängig von manifester Adipositas“, so der Experte.

Präventive Ernährungsstrategien und Supplemente

Als präventive Ernährungsstrategien hob Kleinridders die mediterrane Diät, das Intervallfasten und eine probiotisch unterstützte Ernährung hervor. Diese Ansätze würden nachweislich die Insulinsensitivität verbessern, Entzündungsprozesse reduzieren und emotionale Stabilität fördern.

Prof. Dr. Thomas Skurk (TUM) ging der Frage nach, welche Supplemente für Menschen mit Diabetes tatsächlich sinnvoll seien. Die Studienlage belegt laut Skurk, dass ein Vitamin-D-Mangel signifikant mit metabolischen Syndromen assoziiert ist. Eine Supplementierung könne die Insulinresistenz und den Blutzucker verbessern. Ähnlich sieht es bei Vitamin B12 aus. „Ich empfehle eine jährliche Messung, aber ich weiß natürlich auch, dass das in der Praxis nicht immer so einfach möglich ist“, so Skurk. Dennoch rät er dazu, den Wert immer mal wieder zu überprüfen und je nach Ergebnis zu supplementieren. Ballaststoffe verbesserten nicht nur die Glykämie, sondern könnten durch Bindung von »Advanced Glycation Endproducts« (AGEs) auch Entzündungs- und Gefäßprozesse positiv beeinflussen. Skurk warnte jedoch vor einer Überversorgung mit Selen, die das Diabetesrisiko erhöhen könne. „Die Effekte von Nahrungsergänzungsmitteln sind klein, der individuelle Stoffwechsel hochkomplex – entscheidend bleibt die Qualität der Grundernährung.“

Apps zur Ernährungsdokumentation

Dr. Winfried Keuthage (Diabetes-Schwerpunktpraxis in Münster) demonstrierte, wie moderne Apps die Ernährungsdokumentation revolutionieren können. Anwendungen wie SNAQ, glucura oder DiaBook erkennen Mahlzeiten per Foto, schätzen Nährwerte und lassen sich mit Glukosemonitoring-Systemen verknüpfen. In praktischen Tests erzielten die Systeme bereits hohe Trefferquoten bei der Erkennung von Lebensmitteln und Makronährstoffgehalten. Besonders für Menschen mit Typ-2-Diabetes könnten solche Tools den Alltag erleichtern – von der Kohlenhydratberechnung bis zur Ernährungsberatung.

Prof. Dr. Othmar Moser (Universität Graz) lenkte den Blick auf den Zusammenhang von Ernährung, Makronährstoffen und körperlicher Aktivität. Eine individuell angepasste Ernährungstherapie sei essenziell – ergänzt durch Bewegung und psychologische Begleitung. Für insulinpflichtige Betroffene gelte seiner Meinung nach, dass schon eine Gewichtsreduktion von 5 % klinische Outcomes deutlich verbessere. Bei Sportlern mit Typ-1-Diabetes könne eine gezielte Eiweißzufuhr vor dem Schlafengehen nächtliche Hypoglykämien verhindern. In der praktischen Betreuung plädierte Moser für Teamarbeit zwischen Diabetologie, Ernährungswissenschaft und Psychologie.

Quelle: DDG-Herbsttagung 2025; Session: „Ernährungstherapie bei Diabetes – Kickstart oder Alles wie bisher?“ am 08.11.2025

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