Allgemeinmedizin » Herz und Kreislauf

»

Ein umfassender Leitfaden zur Durchführung eines 12-Kanal-EKGs 

© Yan_stock.adobe.com

Ein umfassender Leitfaden zur Durchführung eines 12-Kanal-EKGs 

Praxiswissen

Allgemeinmedizin

Herz und Kreislauf

2 MIN

Erschienen in: Der Allgemeinarzt

Das 12-Kanal-Elektrokardiogramm (EKG) ist ein wichtiges diagnostisches Instrument in der Kardiologie, das es ermöglicht, die elektrische Aktivität des Herzens aus verschiedenen Blickwinkeln gleichzeitig zu erfassen. Es ist die Standardmethode zur Diagnose von Herzrhythmusstörungen und anderen kardialen Anomalien. In diesem Leitfaden werden die Vorbereitung, Durchführung und Interpretation eines 12-Kanal-EKGs detailliert beschrieben. 

Vorbereitung

Die Vorbereitung auf ein 12-Kanal-EKG beginnt mit der Sicherstellung eines ruhigen und entspannten Umfelds für den Patienten. Der Patient sollte gebeten werden, den Oberkörper zu entkleiden und die Hosenbeine hochzukrempeln, um die Elektroden korrekt anbringen zu können. Bei starker Brustbehaarung kann es notwendig sein, diese an den Elektrodenpositionen zu rasieren, um den Kontakt zu verbessern. Der Patient sollte zudem entspannt auf einer Liege positioniert werden und während der Messung nicht sprechen oder sich bewegen, um Artefakte zu vermeiden.

Durchführung

Ein 12-Kanal-EKG erfordert die Platzierung von zehn Elektroden: vier an den Extremitäten und sechs am Brustkorb. Die Elektroden an den Extremitäten werden nach dem Ampelprinzip angebracht: Rot an den rechten Arm, Gelb an den linken Arm, Grün an das linke Bein, und Schwarz als Erdung an das rechte Bein. Die Brustwandelektroden (V1 bis V6) werden entlang spezifischer anatomischer Landmarken platziert. V1 und V2 werden rechts und links des Brustbeinansatzes im 4. Interkostalraum angebracht, V4 an der Mitte der linken Klavikularlinie im 5. Interkostalraum, V3 zwischen V2 und V4, und V5 sowie V6 auf der gleichen Höhe wie V4 entlang der vorderen und mittleren Axillarlinie.

Interpretation der Ergebnisse

Die Interpretation eines 12-Kanal-EKGs erfordert ein systematisches Vorgehen. Zunächst wird der Herzrhythmus auf Regelmäßigkeit und das Vorhandensein von P-Wellen geprüft, die den Sinusrhythmus anzeigen. Anschließend wird die Herzfrequenz bestimmt, gefolgt von der Bestimmung des Lagetyps des Herzens. Wichtige Zeitintervalle wie PQ- und QT-Dauer sowie die Morphologie des QRS-Komplexes und der ST-Strecke werden ebenfalls analysiert. Moderne EKG-Geräte bieten oft automatische Analysetools, doch bleibt die endgültige Beurteilung und Verantwortung beim Arzt.

Schlussfolgerung

Das 12-Kanal-EKG ist ein unverzichtbares Werkzeug in der Kardiologie, das durch korrekte Vorbereitung, Durchführung und Interpretation wertvolle Informationen über die Herzgesundheit liefert. Die Kenntnis der richtigen Technik und der häufigsten Fehlerquellen ist entscheidend für die Genauigkeit der Diagnose.

Quellen 

https://www.praktischarzt.de/untersuchungen/ekg/ekg-anlegen/

https://www.medi-karriere.de/magazin/ekg/

Bildquelle:© Yan – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Auf dem Bild sitzt eine junge schwangere Frau auf einem Sessel neben einem Arzt, der ihr gerade Blut abnehmen möchte.

Schilddrüsenfunktion und -hormonsubstitution rund um die Schwangerschaft

Fachartikel

In der Schwangerschaft steigt der Schilddrüsenhormonbedarf deutlich. In diesem Artikel soll ein leitlinienorientierter Überblick entsprechend der neuen ATA-Guideline zur Interpretation der Schilddrüsenhormonwerte und Therapie gegeben werden.

Allgemeinmedizin

Stoffwechsel und Hormone

Beitrag lesen
Das Wort Lupus ist auf Holzblöcken zu sehen, daneben liegt ein Stethoskop und 2 Ampullen dahinter, hinten im Hintergrund sieht man unscharf eine Person an einer Tastatur sitzen.

Geschlechtersensible Medizin beim SLE

Fachartikel

Der systemische Lupus erythematodes (SLE) tritt zwar bei Frauen häufiger auf, doch Männer weisen dafür mehr schwere Organbeteiligung auf. Da SLE bei Männern und Frauen unterschiedlich verläuft, bedarf es einer gezielten Versorgung, die die Langzeitprognose aller Betroffenen entscheidend verbessern kann.

Allgemeinmedizin

Sonstiges

Beitrag lesen
© Pormezz - stock.adobe.com

DIE ZAHL

News

68% –so hoch ist der Anteil der Verbraucher, die imJahr 2025 bei einer Umfrage angaben, Alkohol zu konsumieren. Im Jahr 2015 lag dieser Anteil noch bei 78%. Demnach trinken Deutsche immer weniger Alkohol.

Allgemeinmedizin

Sonstiges

Beitrag lesen