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KI in der Medizin aus ethischer Sicht

Business-Portrait von Dr. Martina Schmidhuber vor einem natürlichen Hintergrund, mit lila Oberteil und schwarzem Blazer.

KI in der Medizin aus ethischer Sicht

Gastkommentar

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mgo medizin

mgo medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: Der Allgemeinarzt

Künstliche Intelligenz durchdringt viele unserer Lebensbereiche, ob in der Industrie, im Personalmanagement oder in der Medizin. Dies lässt sich nicht mehr aufhalten, was auch gar nicht das Ziel sein soll. Vielmehr müssen wir uns fragen, wie wir in den verschiedenen Kontexten mit KI umgehen wollen und wie wir sie einsetzen sollten. Wesentlich ist aus ethischer Sicht, dass wir der KI nicht die Führung überlassen und uns nicht völlig auf sie verlassen. KI kann in der Medizin für Diagnosen eine äußerst hilfreiche Partnerin sein, indem man sie unterstützend „um Rat fragt“. Allerdings nicht als gleichwertige Partnerin auf Augenhöhe, sondern als Partnerin, deren Aussagen man mit Menschenverstand prüfen und noch einmal kritisch betrachten sollte, was sie vorschlägt.

Aus ethischer Sicht wird der Umgang mit KI dann gefährlich, wenn man ihr Entscheidungen überlässt. Mit dem Wissen, dass ein Mensch niemals all die Daten, welche die KI generieren kann, zur Verfügung haben wird, sind diese Bedenken, dass Menschen die Tendenz haben könnten, zu viel der KI zu überlassen, nicht unberechtigt. Insbesondere generative KI, deren umfangreiche Datenmengen und Lernfähigkeit noch nicht absehbar sind, wird in Zukunft enorme Möglichkeiten bieten.

Slippery-Slope: Wenn KI nicht mehr kontrollierbar ist

Die Gefahr, die aus ethischer Sicht besteht, ist ein Slippery Slope: Ein Hang, der ins Rutschen gerät und nicht mehr kontrollierbar ist. Das wäre dann der Fall, wenn man etwa Diagnosen völlig der KI überlässt, als Arzt keinen Blick mehr auf die Ergebnisse wirft, weil die KI aufgrund ihrer vielen Daten ohnehin „klüger“ ist. Oder wenn die KI als reine Zeit-Optimierung genutzt und versucht wird, noch mehr Patienten unterzubringen, anstatt KI als Vorteil für mehr Zeit mit Patienten zu verstehen. Irgendwann könnte dann der Wendepunkt kommen, an dem man merkt, dass der KI zu viel überlassen wurde, man zu einem nicht mehr nachvollziehbaren Zeitpunkt eine Richtung eingeschlagen hat, die man rückblickend nicht gut findet, nicht mehr zurück kann und die Kontrolle verloren hat.

Mit KI Freiräume für die Mensch-zu-Mensch-Beziehung schaffen

Aus ethischer Sicht geht es nicht darum, KI schlecht zu reden oder gar zu verbieten, sondern vielmehr darum, zur Vorsicht aufzurufen und dem Reiz der beeindruckenden, rasanten Entwicklung und den vielfältigen Möglichkeiten nicht zu unkritisch oder gutgläubig zu folgen.

Eine stets kritische und hinterfragende Haltung gegenüber KI ist in allen Bereichen des Lebens unabdingbar, so auch in der Medizin. Denn hier sollte die Mensch-zu-Mensch-Beziehung weiterhin im Vordergrund stehen und im Idealfall sogar an Bedeutung gewinnen, weil KI Freiräume dafür schaffen kann.

Dr. Martina Schmidhuber MBA

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