Allgemeinmedizin » Diabetes

»

Lipodystrophien: Zu selten differenzialdiagnostisch mitgedacht  

© Inara Studio - stock.adobe.com

Quelle: © Inara Studio - stock.adobe.com

Lipodystrophien: Zu selten differenzialdiagnostisch mitgedacht  

Aktuelles

Allgemeinmedizin

Diabetes

mgb medizin Redaktion

Verlag

2 MIN

Erschienen in: Der Allgemeinarzt

Lipodystrophien sind eine heterogene Gruppe seltener, oft verkannter Stoffwechselerkrankungen. Sie sind gekennzeichnet durch partiellen oder generalisierten Verlust subkutanen Fetts (jeweils als kongenitale oder erworbene Form) und zwar unabhängig vom Körpergewicht. [1] Betroffenen fehlt die Fähigkeit, Fett normal zu speichern, wodurch es zu einer gefährlichen Fettfehlverteilung und schweren Folgeerkrankungen kommen kann. Der selektive Verlust subkutanen Fetts (nicht gleichbedeutend mit Gewichtsverlust) führt über Leptinmangel und Lipotoxizität zu extremer Insulinresistenz, früher Diabetesmanifestation und schwerer Hypertriglyceridämie. Bei einer Diskrepanz zwischen physischem Erscheinungsbild und metabolischer Symptomatik sollte daher auch an eine Lipodystrophie gedacht werden. Red Flags sollen bei der klinischen Einordnung unterstützen (s. Kasten).

Bedeutsam sind vor allem die kongenitale generalisierte Lipodystrophie (CGL) mit Fettverlust am gesamten Körper und die häufigere familiäre partielle Lipodystrophie (FPLD) mit selektivem Fettverlust vor allem an den Gliedmaßen [2].

Differenzialdiagnostisch sind metabolisches Syndrom, Typ-2-Diabetes, latenter Autoimmundiabetes bei Erwachsenen (LADA), Hyperkortisolismus, familiäre Hypertriglyceridämie und Akromegalie abzugrenzen.

„Red Flags“ – klinische Warnsignale einer Lipodystrophie (Heni, DDG 2026)

– schwere Hypertriglyceridämie ohne anderweitige Erklärung

– schwere Insulinresistenz u.a. bei schlanken Patienten

– früher (vor dem 45. Lebensjahr) „Typ-2“-Diabetes

– ungewöhnliche Fettverteilungsmuster („Patient sieht ungewöhnlich aus“) – Acanthosis nigricans als Zeichen extremer Hyperinsulinämie

Literatur:

1 Rodríguez-García C et al., Nutrients 2022;14:4742.

2 Gupta N et al., J Clin Endocrinol Metab 2017;102(2):363–374

Quelle: Vortrag Heni M. DDG-Kongress 2026

Weitere Beiträge zu diesem Thema

© Zaiseefa - stock.adobe.com

COPD: Exazerbationen und Multimorbidität erfolgreich vermeiden

Fachbeitrag

COPD-Exazerbationen treiben Lungenfunktionsverlust und Sterblichkeit – Prävention ist daher zentral. Neben Rauchstopp und Triggerkontrolle rücken antiinflammatorische Strategien in den Fokus: ICS und bei persistierenden Exazerbationen auch Biologika (u. a. Dupilumab, Mepolizumab). Wichtig ist zudem Multimorbidität, v. a. kardiovaskuläre Risiken, aktiv zu erkennen. Pneumologische Reha nach Hospitalisierung wird empfohlen, bleibt aber stark untergenutzt.

Allgemeinmedizin

Atemwege

Beitrag lesen
© aFotostock – stock.adobe.com

Asthma bronchiale bei Kindern und Jugendlichen: Nicht-medikamentöse Therapie

Fachbeitrag

Asthma bei Kindern und Jugendlichen: Neben Medikamenten entscheiden nicht‑medikamentöse Maßnahmen über den Langzeiterfolg. Zentral sind Auslöser meiden, die passende Inhalationshilfe wählen und die Technik konsequent schulen (z. B. Dosieraerosol mit Spacer – auch im Notfall). Strukturierte Asthmaschulungen (DMP) und bei schweren Verläufen stationäre Reha sichern Kontrolle und beugen Eskalationen vor.

Allgemeinmedizin

Atemwege

Beitrag lesen
© Halfpoint – stock.adobe.com

AID-Systeme in der Diabetestherapie: Fortschritt und Versorgungsrealität

Fachbeitrag

AID-Systeme (Automated Insulin Delivery) sind in der Typ‑1‑Diabetestherapie auf dem Weg zum Standard: Der dt report 2026 nennt knapp 50 % Nutzung, Tendenz steigend. Gleichzeitig zeigt sich das „AID‑Paradox“: Trotz Automatisierung steigt der Zeitaufwand durch Verbindungs- und Katheterprobleme. Praxen leisten Mehrarbeit ohne passende Vergütung – nötig sind interoperable Technik und neue Schulungskonzepte.

Allgemeinmedizin

Diabetes

Beitrag lesen