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#metoo in der Medizin?

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#metoo in der Medizin?

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Erschienen in: Der Allgemeinarzt

Sexuelle Belästigung erhält seit #metoo zunehmend öffentliche Aufmerksamkeit. Besonders im Gesundheitswesen, das durch ausgeprägte Hierarchien gekennzeichnet ist, zeigt sich, wie eng sexuelle Belästigung mit Machtmissbrauch verknüpft ist.

Im Gesundheitssystem hat diese Missstände unter anderem der Marburger Bund durch Kampagnen, Veranstaltungen und zuletzt eine umfassende Mitgliederbefragung thematisiert – in dieser wurde deutlich, wie verbreitet entsprechende Grenzverletzungen sind.

Sexuelle Belästigung als Strukturelles Problem

Was lange als individuelles Problem einzelner Betroffener abgetan wurde, wird zunehmend als das erkannt, was es ist: ein strukturelles Problem. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass es nicht ausreicht, auf persönliches Fehlverhalten zu reagieren. Vielmehr müssen die zugrunde liegenden Machtstrukturen kritisch hinterfragt und verändert werden.

Auch die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. beschäftigt sich mit dem Thema und führte bereits 2024 eine Umfrage durch, an der 5.681 Studierende (78% weiblich, 20% männlich, 2% andere) von 44 Universitäten im Bundesgebiet teilnahmen und Einblicke in ihre Erfahrungen gaben.

Ergebnisse der #metoo-Umfrage

42 % der Befragten erlebten in ihrem Medizinstudium sexuelle Belästigung, Frauen waren hierbei signifikant häufiger betroffen als Männer. An allen Standorten deutscher Universitäten mit medizinischen Fakultäten, an denen mehr als 5 Studierende an der Umfrage teilnahmen, wurden Übergriffe berichtet. 

Hierbei zeigte sich ein deutlicher Anstieg über den Verlauf des Studiums: Studierende in der Vorklinik haben zu 30% sexuelle Belästigung erfahren, in der Klinik steigt der Anteil auf 47% und bei Studierenden im Praktischen Jahr (PJ) auf 66%. Am Ende des Studiums berichten 74% der Frauen und 29% der Männer, mindestens einmal im Verlauf ihres Medizinstudiums sexuelle Belästigung erfahren zu haben.

Besonders häufig trat sexuelle Belästigung in chirurgischen Fächern auf, insbesondere in der Unfallchirurgie/Orthopädie sowie in der Allgemein- und Viszeralchirurgie. Auch die Innere Medizin, Allgemeinmedizin, sowie die Gynäkologie und Anästhesie wurden vergleichsweise häufig genannt. Die Ergebnisse legen nahe, dass bestimmte Fachkulturen und Ausbildungssituationen ein erhöhtes Risiko mit sich bringen. Insbesondere der praktische Unterricht, zum Beispiel in Form von Pflegepraktikum, Famulaturen und Praktischem Jahr gilt als gefährdet.

Sexuelle Belästigung meist verbal

Die häufigste Form der sexuellen Belästigung war verbal, gefolgt von nonverbalen Formen, wie unangemessenen Blicken oder Gesten und physischen Übergriffen. Am Häufigsten ging die Belästigung dabei von Patient*innen, aber auch Ärzt*innen und Kommiliton*innen aus. Frauen sind durch sexuelle Belästigung insgesamt stärker belastet, wobei die Belastung unmittelbar mit der Häufigkeit der Vorfälle korreliert. 

Insgesamt meiden 68 % der Betroffenen als Folge spezifische Situationen oder Personen. Zusätzlich hat sexuelle Belästigung Auswirkungen auf die weitere Karriere der Studierenden. So gaben 59% der Betroffenen an, dass die Belästigung Einfluss auf ihre Arbeitsplatz-Wahl hat und 46% gaben Auswirkungen auf die Wahl ihres Weiterbildungsfaches an. 

Dass nur etwa 13 Prozent der Betroffenen eine Meldung abgegeben haben, deutet darauf hin, dass viele Vorfälle im Hochschul- und klinischen Umfeld nicht offiziell erfasst werden. Daraus ergibt sich ein anhaltender Bedarf an vertrauensvollen Meldestellen und unterstützenden Strukturen für Studierende.

Quelle: Quelle: Pressemitteilung der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) vom 15.04.2026

Abb.: SecondSide – stock.adobe.com

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