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Stille Entzündungen: Treiber von Alterung und Gebrechlichkeit

Senioren auf der Parkbank als Symbolbild für Alterung und Gebrechlichkeit

Stille Entzündungen: Treiber von Alterung und Gebrechlichkeit

Kongress

Allgemeinmedizin

mgb medizin Redaktion

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2 MIN

Erschienen in: Der Allgemeinarzt

Geriatrische Patientinnen und Patienten rücken mit einem oft übersehenen Mechanismus in den Fokus: chronische „stille“ Entzündungen. Prof. Dr. med. Ursula Müller-Werdan, Klinikdirektorin der Klinik für Geriatrie an der Charité Berlin und 2. stellvertretende Vorsitzende der DGIM, stellte beim DGIM-Kongress 2026 neue Erkenntnisse vor, die für die hausärztliche Praxis hochrelevant sind.

Frailty, Anämie und Entzündung – ein gefährliches Dreieck

Müller-Werdan beschreibt, wie mit zunehmendem Alter das Immunsystem und das Knochenmark altern – mit direkten klinischen Folgen: „Frailty geht mit einer muskulären Schwäche und eingeschränkter kognitiver Belastbarkeit einher und führt zu einer zunehmenden Anfälligkeit gegenüber Stressoren und Infektionen.“ Typische Alterskrankheiten wie Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz seien dabei überzufällig häufig mit Gebrechlichkeit verknüpft.

Besonders alarmierend: In einer Studie mit älteren, gebrechlichen Patienten zeigte sich, dass knapp 85 Prozent gleichzeitig anämisch waren – in der Mehrzahl der Fälle entzündungsbedingt.

Ernährung als unterschätzter Faktor

Die Autorin betont die Rolle der Ernährung: Bei gesunden älteren Erwachsenen konnte ein Zusammenhang zwischen entzündungsförderlicher Kost, erhöhter Inflammation und gestörter Eisenhomöostase nachgewiesen werden. Mangelernährung verstärke das sogenannte „Entzündungsaltern“ (Inflammaging) – einen Ausdruck der Immunseneszenz.

Darüber hinaus beeinträchtigten erhöhte Entzündungswerte und unzureichende Nahrungsaufnahme den Status wichtiger Spurenelemente. Müller-Werdan: „Patienten mit Gebrechlichkeit zeichnen sich besonders durch niedrige Selen- und Zink-Konzentrationen aus“ – zwei Elemente, die für Wundheilung und Immunfunktion entscheidend sind.

Fazit und klinische Konsequenz

Müller-Werdans Schlussfolgerung ist klar: „Entzündungsaltern ist essenzieller Teil der pathogenetischen Kaskade bei typischen Alterskrankheiten und Frailty.“ Eine Verbesserung der Ernährungsqualität – hin zu weniger entzündungsförderlichen Lebensmitteln (Dietary Inflammatory Index) – könne dem Entzündungsaltern vorbeugen und so Organalterung sowie Gebrechlichkeit verlangsamen.


Für die Praxis: Bei gebrechlichen älteren Patienten lohnt es sich, neben dem großen Blutbild auch Entzündungsmarker, Eisen-, Selen- und Zinkwerte zu erheben und die Ernährungsgewohnheiten aktiv anzusprechen.

Quelle: Pressekonferenz beim DGIM-Kongress 2026

Abb.: stock.adobe.com – IngoBartussek

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