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Wenn Arbeit unter die Haut geht: Hautkrebs durch den Beruf

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Wenn Arbeit unter die Haut geht: Hautkrebs durch den Beruf

Fachbeitrag

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Berufsdermatologie

mgb medizin Redaktion

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4 MIN

Erschienen in: DermaForum

Viele Menschen arbeiten im Freien (z.B. auf Baustellen, in Gärtnereien oder im Tourismus) und sind dabei jahrelang einer hohen, oft unbemerkten UV-Belastung ausgesetzt. Der Klimawandel verschärft dieses Risiko, während der Schutz vor Langzeitfolgen in Europa bislang lückenhaft ist. Beim EADV-Jahreskongress in Wien stand daher der UV-Schutz von Outdoor-Beschäftigten mit im Fokus.

Deutschland hat mit der Berufsdermatologie Erfahrungen aufgebaut, an die andere Länder in Europa anknüpfen können – auch wenn beim Schutz von Beschäftigten im
Freien auch hierzulande noch viel zu tun bleibt.

Beim internationalen Summit „Occupational Skin Cancer: The Sleeping Giant“ am 2. Oktober in Wien forderten Fachleute verbindlichere Prävention gegen berufsbedingten Hautkrebs. Hautärzte, Arbeitsschützer, Unfallversicherer und Politiker diskutierten, wie sich UV-bedingte Erkrankungen bei Menschen mit Arbeit im Freien früher erkennen und verhindern lassen. Der Summit fand im Rahmen des Kongresses der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV) mit 20.000 Teilnehmern statt.

Prof. Dr. med. Sven-Malte John © privat
Prof. Dr. med. Sven-Malte John © privat

„Wir haben alle wissenschaftlichen Informationen, die wir brauchen. Jetzt geht es darum, dafür zu sorgen, dass diese Fälle gar nicht erst entstehen“.


Prof. Dr. Swen-Malte John, Institut für Interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation an der Universität Osnabrück (iDerm)

Prof. Dr. Swen Malte John, Facharzt für Dermatologie und Venerologie sowie Berufsdermatologe, erläutert, dass das Wissen über Risiken und Schutzmaßnahmen sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verdichtet hat. „Wir haben alle wissenschaftlichen Informationen, die wir brauchen“, sagte John, der am Institut für Interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation an der Universität Osnabrück (iDerm) tätig und Direktor des Niedersächsischen Instituts für Berufsdermatologie (NIB) ist. „Jetzt müssen wir dafür es nutzen und dafür sorgen, dass diese Fälle gar nicht erst entstehen.“ Hautkrebs ist fast immer vermeidbar – wenn man nur dran denkt.

Die Folgen jahrelanger Arbeit im Freien zeigten sich oft erst später — in Form von auffälligen Hautveränderungen, aktinischen Keratosen oder Hautkrebs. Entscheidend sei dann, dass Hautärzte auch nach der beruflichen Vorgeschichte fragen, so John. Sie können prüfen, ob langjährige UV-Exposition bei der Arbeit zur Erkrankung beigetragen haben könnte, einen begründeten Verdacht auf eine Berufskrankheit melden und die weitere Behandlung begleiten.

Aktualisierte Bamberger Empfehlung

Deutschland habe in der Berufsdermatologie Strukturen aufgebaut, an die andere Länder in Europa anknüpfen könnten. Die aktualisierte Bamberger Empfehlung gibt Hautärzten einen Rahmen, arbeitsbedingte Haut- und Hautkrebserkrankungen fachlich fundiert und möglichst einheitlich zu beurteilen. An ihrer Aktualisierung wirkten berufsdermatologische Experten wie Prof. Dr. Christoph Skudlik mit, der im iDerm an der Universität Osnabrück und am BG Klinikum Hamburg arbeitet.

Prävention dürfe nicht bei Sonnencreme enden, betonte John. Notwendig seien Arbeitsabläufe und Arbeitszeiten, die hohe UV-Belastung berücksichtigen, ebenso Schatten, geeignete Kleidung und Kopfbedeckungen. Für Menschen, die der Sonne bei der Arbeit nicht ausweichen können, sei UV-Schutz Teil des Arbeitsschutzes — nicht bloß Eigenvorsorge.

Wir brauchen mehr Tempo, in ganz Europa

Die finnische Europaabgeordnete Maria Ohisalo forderte im Rahmen ihrer Videobotschaft auf dem Summit, Beschäftigte im Freien europaweit besser zu schützen. Es dürfe nicht vom jeweiligen Land abhängen, ob Betroffene bei berufsbedingtem Hautkrebs Anerkennung und Unterstützung erhielten. Ohisalo sprach sich für bessere Daten, Gefährdungsbeurteilungen und verbindlichere Prävention gegen Sonne, UV-Strahlung und Hitze am Arbeitsplatz aus. Deutschland sei beim Schutz vor berufsbedingtem Hautkrebs auf einem guten Weg, sagte John. Abgeschlossen sei die Aufgabe aber nicht: Menschen, die im Freien arbeiten und der Sonne nicht ausweichen können, dürften die Folgen der derzeit deutlich steigenden Hitze- und UV-Belastung nicht allein tragen müssen.

Fakten: UV-Strahlung und Hautkrebs bei der Arbeit (Deutschland)

  • 1,6 Milliarden Menschen waren 2019 weltweit bei der Arbeit solarer UV-Strahlung ausgesetzt – rund 28 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter.
  • Rund jeder dritte Todesfall durch nicht-melanozytären Hautkrebs weltweit wird laut WHO und Internationaler Arbeitsorganisation mit beruflicher Sonnenexposition in Verbindung gebracht.
  • 18.960 Menschen starben 2019 weltweit an nicht-melanozytärem Hautkrebs, der auf berufliche Sonnenexposition zurückgeführt wurde; seit 2000 stieg diese Zahl um 88 Prozent.
  • In Deutschland werden jedes Jahr etwa 10.000 neue Fälle von beruflichem Hautkrebs gemeldet, von denen etwa 6.000 jedes Jahr neu anerkannt werden (Berufskrankheit Nummer 5 103). Dies ist gleichzeitig auch die Berufskrankheit, die am häufigsten zu Rentenleistungen für die Betroffenen führt und die mit Abstand häufigste berufliche Krebserkrankung

(sma)

Literatur

  1. John, S.-M. (2026, October 2). The stakeholder summit journey [Vortrag; 5th Multi-Stakeholder Summit on Occupational Skin Cancer: The Sleeping Giant].
  2. Ohisalo, M. (2026, October 2). [Videobotschaft, 5th Multi-Stakeholder Summit on Occupational Skin Cancer: The Sleeping Giant].
  3. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV). (2025). Bamberger Empfehlung 2025.

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