Eine Befragung unter Ärzt:innen weltweit untersucht die Auswirkungen von Falschinformationen auf die Versorgung. Die Ergebnisse zeigen eine spürbare Zeitbelastung im Sprechzimmer sowie Anpassungen bei Therapieentscheidungen.
Die Verbreitung von Fehlinformationen im Gesundheitswesen – als gesundheitliche Narrativverzerrung bezeichnet – belastet die medizinische Praxis. Eine internationale Untersuchung von We. Communications und Sapio Research unter 500 Ärzt:innen (Allgemeinmedizin und Fachärzteschaft aus Deutschland, Großbritannien, den USA, Australien und Indien) quantifiziert die Folgen für den Versorgungsalltag. Laut den Ergebnissen konsultieren wöchentlich durchschnittlich 35 % der Patient:innen eine Praxis mit fehlerhaften Vorstellungen zu Diagnosen und Therapien.
Diese Entwicklung kann sich unmittelbar auf den Behandlungsablauf auswirken: 95 % der befragten Mediziner:innen berichten, dass der Klärungsbedarf im Patientengespräch zu einer Zunahme des Zeitaufwands führt, bevor eine Therapie eingeleitet werden kann. Zudem gaben 88 % der Mediziner:innen an, aufgrund von Vorbehalten der Patient:innen, die auf Falschinformationen basieren, bereits Behandlungsempfehlungen angepasst zu haben. Fehlinformationen beeinflussen somit direkt klinische Entscheidungen.
Die Studie untersucht auch die Wahrnehmung pharmazeutischer Unternehmen. Hierbei zeigt sich eine deutliche Differenz zwischen Erwartungen und Umsetzung: 95 % der Befragten sehen Hersteller in der Pflicht, Falschinformationen in ihren Therapiegebieten öffentlich klarzustellen. Jedoch stufen lediglich 35 % die bisherigen Richtigstellungsmaßnahmen als sehr effektiv ein.
Diese Zurückhaltung wird kritisch bewertet: 59 % der Befragten deuten das Schweigen von Unternehmen bei Falschdarstellungen als Eigeninteresse; nur 23 % werten es als vorsichtiges Abwägen. Zudem gaben 79 % der Ärzt:innen an, dass eine fehlende Reaktion auf Fehlinformationen die Verordnungsbereitschaft für Präparate des Herstellers mindert. Ein sichtbares Engagement für wissenschaftliche Fakten gilt für 93 % als relevanter Faktor bei Behandlungsentscheidungen.
Anforderungen in Deutschland: Sachliche Evidenz statt Kampagnen
Die Erhebung visualisiert, dass Mediziner:innen je nach Land unterschiedliche Anforderungen an Richtigstellungen stellen. Während in einigen Märkten Öffentlichkeitsoffensiven gefordert werden, bevorzugen Ärzt:innen in Deutschland eine moderate, strikt evidenzbasierte Positionierung. Gefordert wird vor allem die zeitnahe Bereitstellung unabhängiger Fakten-Checks, transparenter Orientierungshilfen bei widersprüchlicher Studienlage sowie verständlicher Informationsmaterialien für Patient:innen in Landessprache.
Auch wenn die länderspezifischen Teilstichproben im Kontext von 500 global Befragten repräsentativ limitiert sind, spiegeln die internationalen Daten grundlegende Tendenzen wider, die sich zunehmend im deutschen Versorgungsalltag abzeichnen.
Quelle: We. Communications, & Sapio Research. (2026). Narrative Distortion: The Reputation Risk Reshaping Prescribing (Brands in Motion Global Health Study).
(sma)





