Seit tausenden von Jahren werden Phytocannabinoide unter anderem für medizinische Zwecke genutzt. Welchen Stellenwert hat der Wirkstoff Cannabidiol (CBD) bei dermatologischen Indikationen? Dem ging ein aktuelles Review aus Irland auf den Grund.
Aus der Pflanze Cannabis sativa L. wurden bislang mehr als 140 Phytocannabinoide isoliert. Im Gegensatz zu Tetrahydrocannabinol (THC) weist CBD keine psychotrope Wirkung auf. Auf Grund seines therapeutischen Potenzial bei einer Vielzahl von Erkrankungen hat CBD an Beliebtheit gewonnen: So liegt klinische Evidenz zum Einsatz bei Epilepsie, Schmerzen, Entzündungen, Schlafstörungen, Angstzuständen und psychiatrischen Störungen vor (1).
In der Haut befinden sich zahlreiche molekulare Zielstrukturen von CBD in verschiedenen Zelltypen, darunter Fibroblasten, Keratinozyten, Melanozyten, Sebozyten, Mastzellen, Schweißdrüsenzellen und Gefäßendothelzellen. Das kutane Endocannabinoid-System spielt eine Rolle bei der Homöostase der Haut sowie der Barriere-Bildung. Eine Dysregulation dieses Systems wird unter anderem mit atopischer Dermatitis in Verbindung gebracht. Die Vielzahl der CBD-Zielstrukturen in der Haut und die Möglichkeit, CBD topisch für transdermale Anwendungen zu verabreichen, haben das Interesse am therapeutischen Potenzial von CBD geweckt.
In vitro konnte beispielsweise gezeigt werden, dass CBD die Proliferation von Keratinozyten hemmt, was auf mögliche Vorteile bei der Behandlung von Psoriasis hindeutet. Zudem wird eine mögliche juckreizstillende Wirkung diskutiert. CBD reduziert darüber hinaus die Expression von Entzündungsmarkern sowie die Proliferation von Sebozyten und entfaltet darüber hinaus entzündungshemmende Wirkungen in Keratinozyten – ein möglicher Ansatz für die Behandlung von Akne und allergischer Dermatitis. Die entzündungshemmende Wirkung von CBD und seine Fähigkeit, den TNF-α-Spiegel zu senken, könnte für entzündliche Hauterkrankungen wie Dermatitis, Psoriasis und die Wundheilung relevant sein. Es hat sich jedoch gezeigt, dass CBD-Konzentrationen von 3–10 μM zu einer erhöhten Mastzellaktivierung führen können, was im Widerspruch zur antiinflammatorischen Wirkungen von CBD steht. Weitere Studien sind notwendig.
In vivo verbesserte topisch verabreichtes CBD die PASI-Werte in einem Psoriasis-Mausmodell. Untersuchungen zur Auswirkung auf die Wundheilung lieferten hingegen widersprüchliche Ergebnisse. Trotz der positiven präklinischen Ergebnisse, die darauf hindeuten, dass CBD das Potenzial haben könnte, Psoriasis, Akne und Dermatitis zu behandeln, sind weitere klinische Daten erforderlich, um die Wirksamkeit von CBD bei diesen Erkrankungen zu bewerten.
Studienfazit
CBD scheint aufgrund seiner entzündungshemmenden, antimikrobiellen und potenziell juckreizstillenden Wirkung therapeutisches Potenzial für die Behandlung verschiedener Hauterkrankungen wie Akne, Psoriasis und Dermatitis zu bieten. Ein Großteil dieser Erkenntnisse stammt jedoch aus der präklinischen Forschung, sodass weitere Untersuchungen und randomisierte, kontrollierte klinische Studien erforderlich sind.
Martha-Luise Storre
Originalpublikation:
Redmond MC, Finn DP. The Therapeutic Potential of Cannabidiol in Skin Conditions. J Cosmet Dermatol. 2025 Nov;24(11):e70527.
Literatur:
- Sholler DJ et al. Curr Addict Rep. 2020 Sep;7(3):405-412.





