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Zink, Vitamin C und Vitamin D bei chronischen Wunden

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Zink, Vitamin C und Vitamin D bei chronischen Wunden

Fachbeitrag

Dermatologie

Wundheilung

mgb medizin Redaktion

Verlag

8 MIN

Erschienen in: DermaForum

Wenn die Heilung einer chronischen Wunde stagniert, liegt es nicht immer an der lokalen Wundauflage. Es stellt sich auch die Frage, ob die Zellen ausreichend versorgt sind. Zink, Vitamin C und Vitamin D gehören zu den Biofaktoren, die Gewebeaufbau, Barriere und Immunantwort unterstützen können. Sie ersetzen keine Druckentlastung, Kompression oder Infektkontrolle, ergänzen aber den Blick auf behandelbare Mangelzustände.

Die einzelnen Phasen der Wundheilung lassen sich zwar gut beschreiben, in der Praxis greifen sie jedoch eng ineinander. Entzündung, Granulation, Reepithelisierung und Remodelling überlappen sich. Fibroblasten, Keratinozyten, Endothelzellen und Immunzellen müssen ständig reagieren. Gerade im Alter und bei Diabetes, venöser oder arterieller Insuffizienz, chronischer Entzündung, Malabsorption oder Mangelernährung fehlen nicht selten die Reserven (1). Daher sollten die Ernährung und die Versorgung mit essenziellen Biofaktoren frühzeitig geprüft werden (2).  Schlechte Ernährung zeigt sich an der Wunde oft nicht sofort, kann aber Reparaturprozesse deutlich bremsen. Neben der lokalen Behandlung sollte daher gefragt werden: Isst der Patient ausreichend? Hat er Gewicht verloren? Gibt es Hinweise auf Resorptionsstörungen, Entzündung, Polypharmazie oder eine einseitige Ernährung?

Zink: Cofaktor der Gewebereparatur (3,4,5,6,7)

  • Zink unterstützt Zellteilung, Proteinsynthese, Keratinozyten-Migration und die Bildung von Granulationsgewebe.
  • Als Cofaktor vieler Enzyme ist Zink unter anderem am Kollagenstoffwechsel und an der antioxidativen Abwehr beteiligt.
  • Auch Hautbarriere und Immunreaktionen sind auf ausreichende Zinkversorgung angewiesen.

Periorifizielle Dermatitis, ekzematöse oder pustulöse Hautveränderungen, Alopezie, Diarrhoe und Infektneigung können Hinweise auf einen Zinkmangel sein. Häufiger ist das Bild unspezifischer: ein älterer Patient mit geringer Eiweißzufuhr, ein Diabetiker mit mehreren Risikofaktoren, eine Patientin nach bariatrischer Operation oder ein Patient unter langfristiger Diuretika-Therapie. Auch chronische Entzündungen oder eine phytatreiche Kost können die Zinkversorgung verschlechtern.

Orale Zinkgabe bei Mangel

Zinkoxid ist dermatologisch bekannt, etwa bei nässenden oberflächlichen Arealen, Intertrigo oder irritierter Wundumgebung. Bei tiefen oder offenen Wunden sollte es nur nach sorgfältiger Indikationsstellung eingesetzt werden. Eine systemische Zinkgabe ist vor allem dann sinnvoll, wenn ein Mangel nachgewiesen ist oder Anamnese und Befund dafür sprechen. Klinische Daten liefern diesbezüglich positive Hinweise. Bei diabetischem Fußulkus senkten 50 mg elementares Zink täglich über zwölf Wochen in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie Ulkuslänge und -breite stärker als Placebo (8). Auch einzelne metabolische und entzündungsbezogene Parameter besserten sich (9). Für die Praxis ergibt sich daraus keine Standardsupplementierung bei jeder Wunde, wohl aber die Empfehlung, bei Risikopatienten gezielt nach einem Zinkmangel zu suchen und ihn bei Bedarf auszugleichen.

Zinkmangel nachweisen

Serum- oder Plasmazink können den Verdacht auf einen Mangel stützen, sind aber störanfällig. Entzündung, Albumin-Status, Tageszeit und akute Erkrankung beeinflussen die Werte. Daher sollte der Laborbefund immer zusammen mit Ernährung, Begleiterkrankungen, Entzündungszeichen und Wundverlauf bewertet werden (10).

Zink dosieren

Für Erwachsene gilt in Europa ein UL (Tolerable Upper Intake Level) von 25 mg Zink pro Tag für die längerfristige Gesamtzufuhr (11). Therapeutisch können befristet höhere Dosierungen sinnvoll sein, etwa 50 mg täglich. Bei längerer Einnahme sollte auch Kupfer berücksichtigt werden, da hohe Zinkmengen die Kupferaufnahme beeinträchtigen können.

Vitamin C: Kollagen braucht Ascorbinsäure (12,13)

Bei Vitamin C ist der Bezug zur Wunde besonders naheliegend. Ohne Ascorbinsäure werden Prolin und Lysin im Kollagen nicht ausreichend hydroxyliert. Die Fasern vernetzen sich schlechter, das neue Gewebe bleibt weniger belastbar. Bei schwerem Mangel können schlechte Wundheilung, Blutungsneigung, Gingiva-Veränderungen und Infektanfälligkeit auftreten. Im Praxisalltag geht es meist um weniger ausgeprägte, aber dennoch relevante Defizite.

Chronische Wunden sind häufig entzündlich aktiv, oxidativ belastet und reich an Proteasen. Vitamin C ist hier aus mehreren Gründen wichtig: Es unterstützt neutrophile Granulozyten und Makrophagen, wirkt antioxidativ und trägt zur stabilen Matrixbildung bei. Eine Wunde heilt dadurch nicht allein. Bei einem Vitamin-C-Mangel fehlt jedoch ein wichtiger Baustein für Kollagenbildung und Immunabwehr. Klinische Daten, liegen vor allem zu Druckulzera und schlecht heilenden Wunden vor (14). Auch wenn viele Untersuchungen kombinierte Nährstoffpräparate einsetzen, sprechen die Ergebnisse dafür, dass eine gute Vitamin-C-Versorgung für die Wundheilung relevant ist. Für die Praxis: Ein Vitamin-C-Mangel ist bei Wundpatienten kein harmloser Nebenbefund und sollte bei Risikopatienten gezielt ausgeglichen werden.

Vitamin-C-Mangel

Ein erhöhtes Risiko haben ältere, mangelernährte und multimorbide Patienten, außerdem Raucher, Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Alkoholabhängigkeit, Infekten, Tumorerkrankungen, größeren Wunden oder nach Operationen. Auch wer lange wenig frisches Obst und Gemüse isst, kann trotz ausreichender Kalorien schlecht versorgt sein. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für gesunde Erwachsene 95 mg Vitamin C pro Tag für Frauen und 110 mg pro Tag für Männer. Im Wundmanagement werden deutlich höhere Mengen eingesetzt. Bis 1.000 mg gelten meist als gut verträglich. Sehr hohe Dosen können Magen-Darm-Beschwerden auslösen; bei Neigung zu Oxalat-Steinen oder eingeschränkter Nierenfunktion ist eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung sinnvoll.

Vitamin D: mehr als Knochenstoffwechsel (15,16)

Bei chronischen Wunden sollte auch Vitamin D diagnostisch berücksichtigt werden. Der Biofaktor beeinflusst Prozesse, die für die Heilung wichtig sind: Barrierefunktion, Immunantwort, antimikrobielle Abwehr und Entzündungsregulation. Keratinozyten und Immunzellen reagieren auf Vitamin-D-Signale; die Bedeutung reicht deutlich über den Knochenstoffwechsel hinaus.

Ein Vitamin-D-Mangel wird in Studien mit schlechtem Wundverlauf in Verbindung gebracht, unter anderem beim diabetischen Fußulcus. Metaanalysen randomisierter Studien zeigen positive Effekte auf Wundflächenreduktion, Heilungsraten sowie Entzündungs- und oxidative Stressmarker (17). In der Praxis spricht das dafür, den Vitamin-D-Status bei chronischen Wunden gezielt zu prüfen, besonders bei Diabetes, höherem Alter, Adipositas, Immobilität, geringer Sonnenexposition, Malabsorption, Niereninsuffizienz oder langfristiger Glukokortikoid-Therapie.

Vitamin-D-Mangel ausgleichen

Zum Ausgleich eines Mangels werden häufig 1.000 bis 4.000 IE Vitamin D täglich eingesetzt. Bei Adipositas, Malabsorption oder ausgeprägtem Mangel können vorübergehend Dosen bis 6.000 IE nötig sein; dann sollte der Verlauf laborchemisch kontrolliert werden (18,19). 

Magnesium wirkt synergistisch, da es am Vitamin-D-Stoffwechsel beteiligt ist. Daher ist häufig eine Supplementierung beider Biofaktoren sinnvoll. Die Tagesdosen bei Magnesium liegen dann bei etwa 300 mg, mitunter auch höher (20).

Da Vitamin D fettlöslich ist, können Überdosierungen zur Hyperkalzämie führen. Deshalb gehören Ausgangswert, Zielbereich und Dosierung zusammen betrachtet. Vorsicht ist etwa bei Sarkoidose, bestimmten Lymphomen, Hyperparathyreoidismus, Niereninsuffizienz oder bestehender Hyperkalzämie geboten.

Fazit

Biofaktoren wie Zink, Vitamin C und Vitamin D entscheiden nicht allein über den Wundverlauf. Wenn eine Wunde trotz lokaler Behandlung stag-
niert, sollte jedoch die Versorgung des Patienten geprüft werden: Isst er ausreichend? Hat er Gewicht verloren? Liegen Diabetes, Niereninsuffizienz, Darmerkrankungen, Malabsorption, Immobilität, Adipositas, Alkoholabhängigkeit oder Polypharmazie vor? Auch eine geringe Eiweißzufuhr oder sehr einseitige Ernährung können auf einen Mangel hinweisen. Aus dieser Anamnese ergibt sich meist, ob eine gezielte Labordiagnostik sinnvoll ist. Insgesamt gilt aber: Laborwerte sind nur dann hilfreich, wenn sie zum klinischen Bild passen. Wird ein Mangel wahrscheinlich oder nachgewiesen, sollte er gezielt ausgeglichen werden.

Mangel nachweisen

Informationen zur Labordiagnostik der genannten Biofaktoren sowie zu Mangelsymptomen und Dosierungsempfehlungen bietet die Webseite der Gesellschaft für Biofaktoren:
www.gf-biofaktoren.de

Dr. rer. nat. Daniela Birkelbach Gesellschaft für Biofaktoren e. V., Stuttgart daniela.birkelbach@gf-biofaktoren.de © Gesellschaft für Biofaktoren e. V.
Dr. rer. nat. Daniela Birkelbach Gesellschaft für Biofaktoren e.V. daniela.birkelbach@gf-biofaktoren.de
Prof. Dr. med. Klaus Kisters MVZ Praxisklinik und Dialysezentrum Herne, WWU Münster Stv. Vorsitzender der Gesellschaft für Biofaktoren e.V., Stuttgart © Gesellschaft für Biofaktoren e. V.
Prof. Dr. med. Klaus Kisters, MVZ Praxisklinik und Dialysezentrum Herne, Univ. Münster, Stv. Vorsitzender der Gesellschaft für Biofaktoren e. V., Stuttgart
Prof. Dr. med. Hans Georg Classen Universität Hohenheim, Vorsitzender der Gesellschaft für Biofaktoren e.V., Stuttgart © Gesellschaft für Biofaktoren e. V.
Prof. Dr. med. Hans Georg Classen, Universität Hohenheim, Vorsitzender der Gesellschaft für Biofaktoren e. V., Stuttgart
Literatur:
  1. Pena OA, Martin P: Cellular and molecular mechanisms of skin wound healing. Nat Rev Mol Cell Biol 2024 Aug; 25(8): 599-616
  2. Seth I et al.: Impact of nutrition on skin wound healing and aesthetic outcomes: A comprehensive narrative review. JPRAS Open. 2024;39:291–302.
  3. Bae YS et al.: Innovative uses for zinc in dermatology. Dermatol Clin 2010; 28: 587-597
  4. Hahn A et al.: Ernährung: Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart. 2016, 3. Auflage
  5. Kogan S et al.: Zinc and wound healing: A review of zinc physiology and clinical applications. Wounds 2017 Apr; 29(4): 102-106
  6. Fukada T et al.: Zinc homeostasis and signaling in health and diseases: Zinc signaling. J Biol Inorg Chem 2011; 16: 1123-1134
  7. Lansdown AB et al.: Zinc in wound healing: Theoretical, experimental, and clinical aspects. Wound Repair Regen 2007; 15: 2-16
  8. Momen-Heravi M et al.: The effects of zinc supplementation on wound healing and metabolic status in patients with diabetic foot ulcer: A randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Wound Rep Reg 2017; 25: 512-520
  9. Wang W et al.: Zinc supplementation improves glycemic control for diabetes prevention and management: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Am J Clin Nutr 2019; 110 (1): 76-90
  10. Classen HG et al.: Zink. Das unterschätzte Element. MMP 2020; 4: 149-157
  11. European Commission: Opinion of the Scientific Committee on Food on the Tolerable Upper Intake Level of Zinc (expressed on 5 March 2003).  SCF/CS/NUT/UPPLEV/62
  12. Moores J: Vitamin C: a wound healing perspective. Br J Community Nurs 2013 Dec; S6: S8-S11
  13. Bechara N et al.: A Systematic Review on the Role of Vitamin C in Tissue Healing. Antioxidants (Basel) 2022 Aug 19; 11(8):1605 
  14. Fukushima R et al.: Vitamin C requirement in surgical patients. Curr Opin Clin Nutr Metab Care 2010; 13(6): 669-676
  15. Umar M et al.: Vitamin D and the Pathophysiology of Inflammatory Skin Diseases. Skin Pharmacol Physiol 2018; 31(2): 74-86
  16. Smith K et al.: Correlation between vitamin D levels and hard-to-heal wounds: a systematic review. J Wound Care 2020 Jul 1; 29(Sup7): S24-S30
  17. Razzaghi R et al.: The effects of vitamin D supplementation on wound healing and metabolic status in patients with diabetic foot ulcer: A randomized, double-blind, placebo-controlled trial. J Diabetes Complications 2017 Apr; 31(4): 766-772
  18. Pludowski P et al.: Clinical Practice in the Prevention, Diagnosis and Treatment of Vitamin D Deficiency: A Centra

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