Diabetologie » Sonstiges

»

9 von 10 wollen Reformen: Was die Bevölkerung vom Gesundheitssystem erwartet

Drei Hände halten Sprechblasen in den Himmel mit lachenden bzw. traurigen Gesichtern.

Quelle: © oatawa - stocke.adobe.com

9 von 10 wollen Reformen: Was die Bevölkerung vom Gesundheitssystem erwartet

Berufspolitik

Diabetologie

Sonstiges

mgo medizin

mgo medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: diabetes heute

Neun von zehn Personen halten grundlegende Reformen im deutschen Gesundheitssystem für notwendig – das zeigt eine repräsentative Umfrage von Bertelsmann Stiftung und Bosch Health Campus. Die Bereitschaft zur Veränderung ist hoch, auch bei für Behandelnde relevanten Themen wie Aufgabenteilung und ambulanter Versorgung.

Gesundheitspolitische Debatten kreisen oft um Sparmaßnahmen – doch die strukturelle Frage, wie das System langfristig fit für eine alternde Gesellschaft bleibt, tritt dabei häufig in den Hintergrund. Eine neue Umfrage von Bertelsmann Stiftung und Bosch Health Campus unter dem Dach des Health Transformation Hub gibt nun Aufschluss darüber, was die Bevölkerung selbst erwartet und für welche Veränderungen sie offen ist.

Hohe Reformbereitschaft – über alle Altersgruppen und Parteigrenzen

Die repräsentative Telefonbefragung (n = 2.301 Personen ab 18 Jahren, Februar–März 2026) zeigt: 90 Prozent der Befragten halten grundlegende Reformen für sehr oder eher notwendig. Bemerkenswert: Diese Zustimmung ist weitgehend unabhängig von Alter oder politischer Überzeugung. Jüngere Befragte bewerten digitale Lösungen erwartungsgemäß positiver als ältere – die grundlegende Reformbereitschaft bleibt aber über alle Gruppen stabil.

Ambulant vor stationär, Hausarzt vor Facharzt

Für Behandelnde relevant sind folgende Einzelergebnisse:

  • 71 Prozent befürworten das Prinzip „Hausarzt vor Facharzt”
  • 63 Prozent sprechen sich für ambulante vor stationären Operationen aus, wenn medizinisch vertretbar
  • 79 Prozent begrüßen mobile Sprechstunden in kleineren Gemeinden
  • 77 Prozent unterstützen Vorsorgemaßnahmen in Alltagseinrichtungen
  • Eine Mehrheit würde Gesundheitszentren auch bei längeren Anfahrtswegen akzeptieren

Aufgabenteilung und Digitalisierung: differenziertes Bild

Die Befragten zeigen sich offen gegenüber einer erweiterten Aufgabenteilung im Praxisalltag: 61 Prozent geben an, es spiele keine Rolle, wer Symptome abklärt – solange es schnell geht. 77 Prozent ist es gleichgültig, wer eine Behandlung durchführt, wenn sie gut ist. Das stützt Konzepte wie den Ausbau pflegerischer Kompetenzen oder nichtärztliche Fachkräfte in der Primärversorgung – Entwicklungen, die auch für die Diabetologie zunehmend relevant werden.

Beim Thema Digitalisierung zeigt sich ein gemischtes Bild: Telefon- und Videosprechstunden sowie KI zur Analyse von Gesundheitsdaten werden mehrheitlich begrüßt. KI-gestützte Symptombewertung hingegen stößt auf Skepsis.

Implikationen für Behandelnde

Die Umfrage zeigt: Versorgungsmodelle, die auf Teamarbeit, kürzere Wege und digitale Unterstützung setzen, haben gesellschaftliche Akzeptanz. Behandelnde können diese Rückendeckung als Argument nutzen – gegenüber Politik, Kostenträgern und bei der Weiterentwicklung eigener Versorgungsstrukturen. Der Wunsch der Bevölkerung nach niedrigschwelliger, alltagsnaher Versorgung deckt sich mit diabetologischen Versorgungszielen: Prävention stärken, Selbstmanagement fördern, Barrieren abbauen.

Quellen:

1. Pressemitteilung des Bertelsmann Stiftung / Bosch Health Campus vom 06.05.2026: Große Mehrheit der Bevölkerung unterstützt grundlegende Reformen im Gesundheitssystem

2. Weitere Informationen: https://www.healthtransformationhub.de | https://www.bertelsmann-stiftung.de | https://www.bosch-health-campus.de

Weitere Beiträge zu diesem Thema

T1D-Screening: Früherkennung mit Augenmaß oder vorschneller Schritt?

Fachartikel

Sollte Typ-1-Diabetes künftig bevölkerungsweit gescreent werden? Im Interview diskutieren Prof. Dr. Olga Kordonouri und Dr. Karl Horvath Chancen und Grenzen der Früherkennung. Im Fokus stehen vermeidbare Ketoazidosen, mögliche Belastungen für Familien, fehlende Evidenz aus RCTs und die Frage, unter welchen Bedingungen ein T1D-Screening verantwortungsvoll eingeführt werden kann.

Diabetologie

Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Beitrag lesen

Semaglutid bei Frauen in der Menopause: Neue Daten zu Gewicht, Herz und Migräne

Pharmaservice

Beim ECO 2026 in Istanbul wurden neue Auswertungen zu Semaglutid bei Frauen mit Adipositas in der Peri- und Postmenopause präsentiert. Post-hoc-Analysen aus STEP-UP und SELECT zeigen konsistente Gewichtsreduktionen von bis zu 22,6 % sowie eine MACE-Risikosenkung – ergänzt durch Real-World-Daten zu 42–45 % weniger Migräne und 25 % weniger Depression.

Diabetologie

Komorbiditäten von Diabetes

Beitrag lesen
Ein Mann mit Anzug sitzt vor einem geöffneten Laptop, in der Luft steht USECASE und darum sind verschiedene Tech-Symbole angeordnet.

Prädiabetes frühzeitig erkennen – KI als Werkzeug der betrieblichen Prävention

Berufspolitik

Viele Menschen mit Prädiabetes werden zu spät erkannt – oft erst, wenn der Diabetes bereits manifest ist. Ein neuer Forschungsansatz aus der Arbeitsmedizin setzt früher an: KI-Modelle sollen Risikofaktoren bereits im Betrieb sichtbar machen. Für Diabetologinnen und Diabetologen könnte das die Zuweisung in die Fachversorgung grundlegend verändern.

Diabetologie

Sonstiges

Beitrag lesen