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BMI und BIA – Neue Perspektiven in der Diagnostik und Therapie von Übergewicht

BMI und BIA – Neue Perspektiven in der Diagnostik und Therapie von Übergewicht

Kongress

Diabetologie

Komorbiditäten von Diabetes

3 MIN

Erschienen in: diabetes heute

Die Diskussion um den Body-Mass-Index (BMI) als zentrales Instrument zur Diagnose von Übergewicht und Adipositas ist aktuell so präsent wie selten zuvor. Im untenstehenden Video erläutert Dr. Niemeyer, warum der BMI im Praxisalltag oft nicht ausreicht und wie die Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) – insbesondere in der Ernährungsberatung – neue, patientenorientierte Möglichkeiten eröffnet.

Im Gespräch mit Dr. Heike Niemeier: BMI und BIA in der Praxis

Hintergrund: Neue Empfehlungen der Lancet-Kommission

Anfang 2025 hat eine internationale Kommission in The Lancet Diabetes & Endocrinology ein wegweisendes Konsensus-Statement zur Definition und Diagnostik der Adipositas veröffentlicht. Das Paper stellt den BMI als alleiniges Kriterium infrage und fordert eine differenzierte, klinisch orientierte Diagnostik.

Wesentliche Neuerungen im Überblick:

  • Präklinische vs. klinische Adipositas: Die Kommission unterscheidet erstmals zwischen einer „präklinischen Adipositas“ (übermäßige Fettmasse ohne Organschäden) und einer „klinischen Adipositas“ (mit nachweisbaren Funktionsstörungen oder Einschränkungen im Alltag).
  • BMI als Screening, nicht als Diagnose: Der BMI bleibt ein epidemiologisches Instrument, reicht aber für individuelle Diagnosen nicht aus.
  • Kombinierte Diagnostik: Für eine sichere Diagnosestellung sollen direkte Fettmessungen (z. B. BIA) oder zumindest ein ergänzendes anthropometrisches Kriterium (Taillenumfang, Taille-Hüfte- oder Taille-Größe-Verhältnis) herangezogen werden.
  • Klinische Adipositas: Diese Diagnose setzt entweder Organschäden durch Adipositas oder erhebliche Einschränkungen grundlegender Alltagsaktivitäten voraus.
„Die derzeitigen, auf dem BMI basierenden Messungen von Adipositas können sowohl eine Unter- als auch Überschätzung des Körperfetts bewirken und liefern auf individueller Ebene unzureichende Informationen über die Gesundheit. Das untergräbt medizinisch fundierte Ansätze in Versorgung und Gesundheitspolitik.“
Lancet 2025

Praktische Relevanz: Was bedeutet das für die Diabetologie?

Das Video mit Dr. Niemeyer macht deutlich, wie Methoden wie die BIA im Praxisalltag helfen, individuelle Veränderungen bei Muskel- und Fettmasse sichtbar zu machen – auch dann, wenn das Gewicht scheinbar stagniert. Die neuen Empfehlungen der Lancet-Kommission bestätigen diesen Ansatz: Für eine zielgerichtete, motivierende und effektive Betreuung von Menschen mit Adipositas und Diabetes braucht es mehr als nur den BMI.

Fazit:
Die Kombination aus BMI, ergänzenden Messungen und moderner Körperzusammensetzungsanalyse wie der BIA bietet Diabetologinnen und Diabetologen eine fundierte Grundlage für die individuelle Diagnostik und Therapieplanung. Die Lancet-Kommission liefert hierfür die wissenschaftliche Basis und macht deutlich: Diagnostik und Therapie bei Diabetes und Adipositas muss neu gedacht werden.

Den Text sowie das Interview mit Dr. Heike Niemeier auf dem DDG-Kongress 2025 realisierte Birgit Schulze.

Originalpublikation: Rubino F, Cummings DE, Eckel RH, Cohen RV, Wilding JPH, Brown WA, Stanford FC, Batterham RL, Farooqi IS, Farpour-Lambert NJ, le Roux CW, Sattar N, Baur LA, Morrison KM, Misra A, Kadowaki T, Tham KW, Sumithran P, Garvey WT, Kirwan JP, Fernández-Real JM, Corkey BE, Toplak H, Kokkinos A, Kushner RF, Branca F, Valabhji J, Blüher M, Bornstein SR, Grill HJ, Ravussin E, Gregg E, Al Busaidi NB, Alfaris NF, Al Ozairi E, Carlsson LMS, Clément K, Després JP, Dixon JB, Galea G, Kaplan LM, Laferrère B, Laville M, Lim S, Luna Fuentes JR, Mooney VM, Nadglowski J Jr, Urudinachi A, Olszanecka-Glinianowicz M, Pan A, Pattou F, Schauer PR, Tschöp MH, van der Merwe MT, Vettor R, Mingrone G. Definition and diagnostic criteria of clinical obesity. Lancet Diabetes Endocrinol. 2025 Mar;13(3):221-262. doi: 10.1016/S2213-8587(24)00316-4. Epub 2025 Jan 14. Erratum in: Lancet Diabetes Endocrinol. 2025 Mar;13(3):e6. doi: 10.1016/S2213-8587(25)00006-3. [Paper]

Bilderquelle: © Jordi-Mora – stock.adobe.com

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