Diabetologie » Sonstiges

»

Diabetes Kongress 2026: Fortschritt ja – aber für alle?

Mehrere Händepaare liegen übereinander und halten zwei blaue Diabetes Awareness Schleifen mit einem roten Blutstropfen darauf.

Quelle: © SewcreamStudio - stocke.adobe.com

Diabetes Kongress 2026: Fortschritt ja – aber für alle?

Kongressberichte

Diabetologie

Sonstiges

mgo medizin

mgo medizin Redaktion

Verlag

2 MIN

Erschienen in: diabetes heute

Neue Medikamente, Zelltherapien, KI-gestützte Systeme: Die Diabetologie ist im Aufbruch. Doch Kongresspräsidentin Prof. Dr. Barbara Ludwig mahnt: Fortschritt darf kein Privileg sein.

Zum 60. Mal lädt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) zum Diabetes Kongress 2026 – vom 13. bis 16. Mai 2026 in Berlin. Unter dem Motto „Revolution der Mittel – Realität der Menschen” steht die Jubiläumsveranstaltung im Zeichen einer selbstkritischen Frage: Was vom medizinischen Fortschritt kommt tatsächlich bei den Patientinnen und Patienten an?

Kongresspräsidentin Prof. Dr. med. Barbara Ludwig, Leiterin der klinischen Inseltransplantation am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, zieht eine nüchterne Bilanz: Neue potente Medikamente, kontinuierliche Glukosemessung, Closed-Loop-Systeme und erste klinische Studien zur Zelltherapie bei Typ-1-Diabetes – die Innovationsdichte ist enorm.

Doch zwischen dem, was medizinisch möglich ist, und dem, was im Versorgungsalltag ankommt, klafft eine erhebliche Lücke. Komplikationen, Polypharmazie, Multimorbidität und funktionelle Einschränkungen im Alter schaffen Hürden, die in Studienprotokollen selten sichtbar werden.

Besonders betont Ludwig die globale Dimension der Ungleichheit: Während in spezialisierten Zentren über Zelltherapien und Heilungsansätze bei Typ-1-Diabetes diskutiert wird, ist in vielen Teilen der Welt die Insulinversorgung noch immer nicht gesichert – und auch innerhalb Deutschlands ist der Zugang zu modernen Therapien sozial ungleich verteilt.

„Fortschritt muss sich darin messen lassen, ob er tatsächlich die Lebensqualität der Betroffenen verbessert.”

Kongress-Präsidentin Prof. Dr. Barbara Ludwig

Der Kongress setzt daher bewusst auf Reflexion statt Euphorie: Innovationen sollen präsentiert, aber auch hinterfragt werden – mit Blick auf Sicherheit, Nachhaltigkeit und Zugänglichkeit. Rund 6.000 Teilnehmende aus Forschung, Klinik und Praxis werden in Berlin erwartet; der Kongress ist auch online zugänglich.

Quelle: Vorab-Pressekonferenz zum 60. Diabetes Kongress der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), 7. Mai 2026, online + Pressemappe

Weitere Beiträge zu diesem Thema

T1D-Screening: Früherkennung mit Augenmaß oder vorschneller Schritt?

Fachartikel

Sollte Typ-1-Diabetes künftig bevölkerungsweit gescreent werden? Im Interview diskutieren Prof. Dr. Olga Kordonouri und Dr. Karl Horvath Chancen und Grenzen der Früherkennung. Im Fokus stehen vermeidbare Ketoazidosen, mögliche Belastungen für Familien, fehlende Evidenz aus RCTs und die Frage, unter welchen Bedingungen ein T1D-Screening verantwortungsvoll eingeführt werden kann.

Diabetologie

Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Beitrag lesen

Semaglutid bei Frauen in der Menopause: Neue Daten zu Gewicht, Herz und Migräne

Pharmaservice

Beim ECO 2026 in Istanbul wurden neue Auswertungen zu Semaglutid bei Frauen mit Adipositas in der Peri- und Postmenopause präsentiert. Post-hoc-Analysen aus STEP-UP und SELECT zeigen konsistente Gewichtsreduktionen von bis zu 22,6 % sowie eine MACE-Risikosenkung – ergänzt durch Real-World-Daten zu 42–45 % weniger Migräne und 25 % weniger Depression.

Diabetologie

Komorbiditäten von Diabetes

Beitrag lesen
Ein Mann mit Anzug sitzt vor einem geöffneten Laptop, in der Luft steht USECASE und darum sind verschiedene Tech-Symbole angeordnet.

Prädiabetes frühzeitig erkennen – KI als Werkzeug der betrieblichen Prävention

Berufspolitik

Viele Menschen mit Prädiabetes werden zu spät erkannt – oft erst, wenn der Diabetes bereits manifest ist. Ein neuer Forschungsansatz aus der Arbeitsmedizin setzt früher an: KI-Modelle sollen Risikofaktoren bereits im Betrieb sichtbar machen. Für Diabetologinnen und Diabetologen könnte das die Zuweisung in die Fachversorgung grundlegend verändern.

Diabetologie

Sonstiges

Beitrag lesen