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Diabetesprävention durch Ernährung: Warum „weniger Zucker“ allein nicht reicht

Eine Ansammlung gesunder Lebensmittel mit Fisch, Früchten, Nüssen und Gemüse.

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Diabetesprävention durch Ernährung: Warum „weniger Zucker“ allein nicht reicht

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: diabetes heute

Weniger Zucker, weniger Fett – so lautet die gängige Kurzformel für gesunde Ernährung. Doch die DDG macht deutlich: Entscheidend ist das gesamte Ernährungsmuster, nicht einzelne Nährstoffe. Was das für Beratung und Prävention bedeutet, zeigt der aktuelle Forschungsstand.

Die Frage, welche Ernährung das Risiko für Typ-2-Diabetes senkt, gehört zu den häufigsten im Praxisalltag – und zu den am schwersten zu beantwortenden. Denn die Antwort lautet nicht: kein Zucker, kein Fett, kein Fleisch. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hat anlässlich aktueller Forschungsergebnisse darauf hingewiesen, dass nicht einzelne Nährstoffe, sondern das langfristige Gesamtmuster der Ernährung über das Diabetesrisiko entscheidet.

Vom Nährstoff zum Muster: ein Paradigmenwechsel

Lange dominierten Einzelthemen die Ernährungsdebatte: Fett galt als Hauptproblem, dann Zucker, dann stark verarbeitete Lebensmittel. Die aktuelle Forschungslage zeichnet ein differenzierteres Bild.

„Der Einfluss einzelner Nährstoffe wird zunehmend im Kontext des gesamten Ernährungsmusters bewertet“

Dr. Stefan Kabisch, Mitglied des DDG-Ausschusses Ernährung und Studienarzt an der Charité Berlin.

Der Kern der Aussage: Ein gelegentliches Stück Kuchen oder eine Tüte Chips ist nicht das Problem – entscheidend ist, ob solche Lebensmittel in einem insgesamt ausgewogenen Ernährungsplan vorkommen oder diesen prägen. „Es geht nicht um Verbote, sondern um das richtige Verhältnis“, so Kabisch. Modellrechnungen zeigen, dass ein günstiges Ernährungsmuster das Risiko für Typ-2-Diabetes theoretisch um bis zu 80 Prozent senken könnte – in der Praxis liegen die Effekte realistischerweise zwischen 20 und 40 Prozent.

Pflanzlich betonte Kost: konsistente Schutzwirkung

Besonders gut belegt ist die diabetespräventive Wirkung pflanzenbetonter Ernährungsweisen. Beobachtungsstudien zeigen, dass Personen, die regelmäßig viel Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse essen, seltener an Typ-2-Diabetes erkranken. Prof. Dr. Thomas Skurk, Vorsitzender des DDG-Ausschusses Ernährung und Ernährungsmediziner an der TU München, betont: „Entscheidend ist die langfristige Qualität der gesamten Ernährung.“ Getreideballaststoffe können dabei helfen, den Blutzucker zu stabilisieren und dürften das Diabetesrisiko senken.

Klare Risikofaktoren: Softdrinks und rotes Fleisch

Neben den schützenden Faktoren benennt die Forschung auch konkrete Risiken. Zuckerhaltige Getränke führen zu raschen Blutzuckeranstiegen, fördern Gewichtszunahme und Insulinresistenz – und sollten möglichst vermieden werden. Laut RKI-Daten trinkt rund jede vierte Person zwischen 14 und 17 Jahren täglich Softdrinks, der Pro-Kopf-Zuckerkonsum in Deutschland liegt mit ca. 83 g/Tag – davon etwa 26 g aus Getränken – deutlich über den Empfehlungen.

Auch ein hoher Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch ist mit einem erhöhten Typ-2-Diabetes-Risiko assoziiert: Studien zeigen, dass jede zusätzliche tägliche Portion das Risiko statistisch um 10 bis 20 Prozent erhöht.

Evidenzbasis und Grenzen

Die DDG-Experten weisen darauf hin, dass viele Erkenntnisse auf Beobachtungsstudien basieren, da randomisierte Langzeit-Interventionsstudien bislang kaum durchgeführt wurden. Die Richtung der Effekte sei dennoch eindeutig und konsistent – und decke sich mit bestehenden Interventionsdaten, so Kabisch.

5 Ernährungsempfehlungen für die Praxis

Für die Beratung von Menschen mit Diabetes oder erhöhtem Risiko lassen sich folgende Orientierungspunkte ableiten:

  1. Vollkorn statt Weißmehl – Ballaststoffe stabilisieren den Blutzucker
  2. Mehr pflanzliche Lebensmittel – Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse fördern Sättigung und Stoffwechsel
  3. Zuckerhaltige Getränke meiden – sie lassen den Blutzucker schnell ansteigen
  4. Rotes und verarbeitetes Fleisch reduzieren – klarer Risikofaktor für Typ-2-Diabetes
  5. Wasser und ungesüßte Getränke bevorzugen – ohne Einfluss auf den Blutzucker

Ernährung im politischen Kontext

Die Erkenntnisse haben auch eine gesundheitspolitische Dimension: Skurk und Kabisch fordern neben individueller Aufklärung politische Rahmenbedingungen, die gesündere Entscheidungen im Alltag erleichtern. Vor dem Hintergrund steigender Diabeteszahlen und eines zunehmend ungünstigen Ernährungsverhaltens in der Bevölkerung – gerade bei Jugendlichen – sei beides notwendig: Beratung in der Praxis und strukturelle Prävention auf gesellschaftlicher Ebene.

Originalpublikation: Wittenbecher C, Mühlenbruch K, Kröger J, Jacobs S, Kuxhaus O, Floegel A, Fritsche A, Pischon T, Prehn C, Adamski J, Joost HG, Boeing H, Schulze MB. Amino acids, lipid metabolites, and ferritin as potential mediators linking red meat consumption to type 2 diabetes. Am J Clin Nutr. 2015 Jun;101(6):1241-50. doi: 10.3945/ajcn.114.099150.  [Paper]

Quellen:

1. Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) vom 13.04.2026 : Weniger Zucker und Fett im Essen? – so einfach ist es nicht!

2. Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2026: Kabisch S, Schlesinger S.: Epidemiologie und Ernährungsempfehlungen – zwischen Evidenz, Kritik und Aufbruch, S. 18-21. [PDF]

3. diabinfo.de: Gesunde Ernährung für Herz und Stoffwechsel

4. Statista: Pro-Kopf-Konsum von Zucker in Deutschland 1950/51–2024/25.

5. RKI Diabetes Surveillance 2015–2024: Zuckerhaltige Erfrischungsgetränke

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