Diabetologie » Komorbiditäten von Diabetes

»

Fettgewebe entschlüsselt: Leipzigs Durchbruch in der Adipositas-Forschung

Symbolbild, 3D-Grafik von adipösen Fettzellen

Fettgewebe entschlüsselt: Leipzigs Durchbruch in der Adipositas-Forschung

Aktuelles

Diabetologie

Komorbiditäten von Diabetes

3 MIN

Erschienen in: diabetes heute

Die Universitätsmedizin Leipzig hat gemeinsam mit internationalen Forschern bahnbrechende Ergebnisse im Bereich der Fettgewebeforschung erzielt, die einen wichtigen Schritt in Richtung personalisierter Medizin bei Adipositas darstellen. In einer kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Nature Genetics veröffentlichten Studie wurden erstmals einzigartige Subpopulationen von Fettzellen identifiziert, die sich in ihrer biologischen Funktion deutlich unterscheiden.


Diese Erkenntnisse sind das Ergebnis einer internationalen Zusammenarbeit unter der Federführung der Ben-Gurion-Universität des Negev in Israel. Durch den Einsatz der innovativen Einzelzell-Sequenzierung konnten die Forscher die komplexe zelluläre Zusammensetzung des menschlichen Fettgewebes detailliert analysieren. Diese Methode ermöglichte es, Tausende von Zellen gleichzeitig zu charakterisieren und dabei bisher unbekannte Subtypen zu identifizieren.

Prof. Dr. Matthias Blüher, Professor für klinische Adipositas an der Universität Leipzig und Mitautor der Studie, erklärt: „Die ‚klassischen‘ Fettzellen sind entscheidend für den Stoffwechsel von Glukose und Fett, während die ‚nicht-klassischen‘ Fettzellen bei Entzündungsprozessen und der Gefäßneubildung eine Rolle spielen.“ Diese dynamischen Übergänge zwischen den Zell-Subtypen sind von großer Bedeutung für das Verständnis der Fettgewebsfunktion und ihrer Fehlregulation bei Adipositas.

Basierend auf der wissenschaftlichen Veröffentlichung wurden umfassende Analysen durchgeführt, um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen subkutanem und viszeralem Fettgewebe zu verstehen. Die Forschung ergab, dass klassische Fettzellen vor allem für den Lipidstoffwechsel zuständig sind, während nicht-klassische Fettzellen Funktionen in der Immunantwort, der Gefäßbildung und der extrazellulären Matrix übernehmen. Diese nicht-klassischen Zellen sind besonders in viszeralem Fettgewebe aktiv, das eine höhere Entzündungsneigung aufweist. Die Studie zeigt auch, dass die Differenzierung von Stammzellen zu klassischen Fettzellen über nicht-klassische Zelltypen erfolgt, was darauf hindeutet, dass die klassischen Funktionen durch den Verlust spezialisierter Funktionen entstehen.

Die Studie zeigt auch, dass Entzündungen und Fehlfunktionen des Fettgewebes je nach Fettdepot unterschiedlich ausgeprägt sind. Besonders auffällig sind diese Unterschiede bei innerem Bauchfett und Unterhautfettgewebe. Diese Erkenntnisse könnten zukünftig dazu beitragen, gezielte therapeutische Ansätze zu entwickeln, die auf die spezifischen Bedürfnisse von Patienten mit Adipositas abgestimmt sind.

Das Forschungsprojekt wird fortgesetzt, um die krankhaften Veränderungen des Fettgewebes bei Adipositas und Lipödem weiter zu untersuchen. Diese Arbeit könnte den Weg für neue Behandlungsstrategien ebnen und ist ein vielversprechender Schritt hin zu einer personalisierten Medizin, die den individuellen biologischen Gegebenheiten der Patienten Rechnung trägt.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

3D-Grafik eines menschlichen Körpers von der Seite mit Organen und illustriertem viszeralen Fett.

ACC1-Hemmung: Mögliche Folgen für die Immunbalance im Fettgewebe

Aktuelles

Eine Mausstudie zeigt, wie ACC1 die Funktion von Immunzellen im Fettgewebe erhält. Die Ergebnisse erklären mögliche Entzündungsmechanismen bei Adipositas – ändern aber noch keine Therapie bei Diabetes.

Diabetologie

Komorbiditäten von Diabetes

Beitrag lesen
Ein Krankenschwester misst bei einem jungen Mädchen in der Fingerkuppe den Blutzuckerspiegel.

Typ-1-Diabetes: DDG sieht noch keine Grundlage für ein bundesweites Screening

Aktuelles

Ein Inselautoantikörper-Screening kann Typ-1-Diabetes vor der klinischen Manifestation erkennen. Die DDG sieht jedoch noch keine ausreichende Grundlage für ein bundesweites Angebot an alle Kinder. Entscheidend sind Testqualität, Beratung und strukturierte ...

Diabetologie

Typ-1-Diabetes

Beitrag lesen

Typ-2-Diabetes: 5-Jahresrisiko für Nieren-, Herzinsuffizienz oder Tod bei 33 %

Aktuelles

Eine US-Analyse mit mehr als 1,6 Millionen Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes beziffert das kombinierte Fünfjahresrisiko für Nierenerkrankung, Herzinsuffizienz oder Tod auf 33 Prozent.

Diabetologie

Typ-2-Diabetes

Beitrag lesen