Diabetologie » Sonstiges

»

Kristallisationspunkt Diabetologie – 800 Teilnehmende beim Münchner Kongress

Redakteur:innen der mgo fachverlage

Quelle: © Michael Dietl

Kristallisationspunkt Diabetologie – 800 Teilnehmende beim Münchner Kongress

Kongress

Diabetologie

Sonstiges

mgb medizin Redaktion

Verlag

2 MIN

Erschienen in: diabetes heute

Interdisziplinäre Tiefe, aktuelle Studiendaten und ein gefüllter Saal von der ersten Minute an: Die 15. Jubiläumsveranstaltung »Innere Medizin fachübergreifend – Diabetologie grenzenlos« verzeichnete am 6. und 7. Februar 2026 in München mit über 800 Teilnehmenden aus ganz Deutschland einen Rekord. Der bundesweite Zuspruch unterstreicht den gewachsenen Stellenwert dieser Fortbildungsveranstaltung.

Kongressleiterin Prof. Dr. Petra-Maria Schumm-Draeger eröffnete die Veranstaltung mit einem klaren Bekenntnis zur Vernetzung: „Ich verstehe die Diabetologie als Kristallisationspunkt, von dem es in die unterschiedlichsten Bereiche der Inneren Medizin ausstrahlt – die optimale Versorgung gelingt nur durch interdisziplinäre Zusammenarbeit.“ Diesem Leitgedanken folgend hatte sie hochkarätige Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachgebieten eingeladen.

Ausgewählte Schwerpunkte

Die begleitende Pressekonferenz gab Einblicke in zentrale Kongressthemen. Im Fokus standen aktuelle Entwicklungen der Diabetestherapie: Über 9,3 Millionen Menschen leben mittlerweile mit Typ-2-Diabetes in Deutschland. Internationale Leitlinien betonen heute eine patientenzentrierte, organprotektive Behandlung – weg von der reinen Blutzuckersenkung, hin zur Reduktion kardiovaskulärer und renaler Risiken. Real-World-Daten zu GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid und Tirzepatid belegen eindrucksvoll, dass diese Substanzen Herzin­suffi­zienz und Mortalität auch bei Betroffenengruppen senken, die in klassischen Studien oft nicht berücksichtigt werden. Auch bei Typ-1-Diabetes rücken neue Erkenntnisse in den Fokus: Insulinresistenz spielt häufiger eine Rolle als lange angenommen. Der adjunktive Einsatz von GLP-1-Rezeptoragonisten kann hier Blutzuckerstabilität, Gewicht und Insulinbedarf positiv beeinflussen.

Die interdisziplinäre Ausrichtung des Kongresses zeigte sich in weiteren Beiträgen: Prof. Dr. Walter Fassbender beleuchtete die komplexen Wechselwirkungen zwischen Diabetes und Osteoporose – mit vielversprechenden Hinweisen auf osteoprotektive Effekte von Metformin und GLP-1-RA.

Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig thematisierte Einsamkeit als unterschätzten Risikofaktor für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen, der nach der Pandemie stark an Bedeutung gewonnen hat.

Dr. Stephan Kress präsentierte neue Daten zu „Bewegungssnacks“ und hochintensivem Intervalltraining – kurze Trainingseinheiten mit messbarem Effekt auf Blutzucker, Kognition und sogar den Schutz der Betazellen.

Das Kongressprogramm umfasste zahlreiche weitere Themen – von Diabetestechnologie und AID-Systemen über Schnittstellen zu Gynäkologie, Neurologie und Urologie bis hin zu MODY-Diabetes und Herausfor­de­run­gen im Kindes- und Jugendalter.

Fazit

Die »Diabetologie grenzenlos« 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, wie sich die Diabetologie weiterentwickelt: vernetzter, patientenzentrierter und mit wachsendem Bewusstsein für die Bedeutung von Prävention und interdisziplinärer Zusammenarbeit. Ein Jubiläum, das Maßstäbe setzt – und Vorfreude auf die kommenden Jahre weckt.

Autorin: Birgit Schulze

Weitere Beiträge zu diesem Thema

3D-Grafik eines menschlichen Körpers von der Seite mit Organen und illustriertem viszeralen Fett.

ACC1-Hemmung: Mögliche Folgen für die Immunbalance im Fettgewebe

Aktuelles

Eine Mausstudie zeigt, wie ACC1 die Funktion von Immunzellen im Fettgewebe erhält. Die Ergebnisse erklären mögliche Entzündungsmechanismen bei Adipositas – ändern aber noch keine Therapie bei Diabetes.

Diabetologie

Komorbiditäten von Diabetes

Beitrag lesen
Ein Krankenschwester misst bei einem jungen Mädchen in der Fingerkuppe den Blutzuckerspiegel.

Typ-1-Diabetes: DDG sieht noch keine Grundlage für ein bundesweites Screening

Aktuelles

Ein Inselautoantikörper-Screening kann Typ-1-Diabetes vor der klinischen Manifestation erkennen. Die DDG sieht jedoch noch keine ausreichende Grundlage für ein bundesweites Angebot an alle Kinder. Entscheidend sind Testqualität, Beratung und strukturierte ...

Diabetologie

Typ-1-Diabetes

Beitrag lesen

Typ-2-Diabetes: 5-Jahresrisiko für Nieren-, Herzinsuffizienz oder Tod bei 33 %

Aktuelles

Eine US-Analyse mit mehr als 1,6 Millionen Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes beziffert das kombinierte Fünfjahresrisiko für Nierenerkrankung, Herzinsuffizienz oder Tod auf 33 Prozent.

Diabetologie

Typ-2-Diabetes

Beitrag lesen