Die multizentrische LIPLEG-Studie zeigt bei 410 Patientinnen mit Lipödem eine deutlich stärkere Schmerzreduktion und bessere Lebensqualität nach Liposuktion als unter fortgesetzter konservativer Therapie. Gleichzeitig traten unerwünschte Ereignisse im operativen Studienarm häufiger auf.
Das Lipödem ist eine chronische und schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die nahezu ausschließlich Frauen betrifft. Typisch sind symmetrische Fettansammlungen an den Beinen und teilweise an den Armen, Druckschmerz sowie eine erhöhte Neigung zu Hämatomen. Die bisherige Standardversorgung umfasst eine komplexe physikalische Entstauungstherapie mit Lymphdrainage, Kompression und Bewegung. Sie kann Beschwerden lindern, erfordert jedoch eine dauerhafte Anwendung und führt häufig nur zu einer begrenzten Schmerzentlastung.
Mit der Veröffentlichung der LIPLEG-Studie in The Lancet liegt nun eine große randomisierte und multizentrische Untersuchung zur operativen Behandlung des Lipödems vor. Für Behandelnde ist insbesondere die Balance zwischen klinischem Nutzen, invasivem Vorgehen und individuellen Operationsrisiken relevant.
LIPLEG-Studie vergleicht Liposuktion mit konservativer Therapie
Die LIPLEG-Studie wurde an 11 Standorten in Deutschland durchgeführt und schloss insgesamt 410 Patientinnen mit Lipödem der Stadien I bis III ein. Alle Teilnehmerinnen erhielten zunächst eine mehrmonatige konservative Vorbehandlung. Anschließend erfolgte die Randomisierung entweder in eine Gruppe mit weiterer konservativer Therapie oder in einen Studienarm mit Liposuktion.
Die Liposuktion zielt darauf, krankhaft vermehrtes Fettgewebe gezielt abzusaugen. Nach zwölf Monaten erreichten 68,3 Prozent der operierten Patientinnen eine klinisch relevante Schmerzreduktion von mindestens zwei Punkten auf einer zehnstufigen Skala. In der konservativ weiterbehandelten Gruppe lag dieser Anteil bei 7,6 Prozent. Zusätzlich zeigte sich nach Angaben der Studienverantwortlichen eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität im operativen Studienarm.
Deutlich bessere Schmerzreduktion, aber mehr unerwünschte Ereignisse
Die Ergebnisse sprechen für eine hohe Wirksamkeit der Liposuktion bei der Reduktion von Lipödemschmerzen. Gleichzeitig war der Eingriff mit höheren Risiken verbunden: Unerwünschte Ereignisse traten nach Angaben der Mitteilung in der Liposuktionsgruppe häufiger auf als unter konservativer Therapie. Darunter waren auch Komplikationen, die ausschließlich im operativen Studienarm beobachtet wurden.
Die Studienverantwortlichen betonen deshalb, dass die Liposuktion keine triviale Intervention ist. Sie sollte als wirksame, aber invasive Therapieoption verstanden werden, bei der die individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung im Mittelpunkt steht. Aus den vorliegenden Zwölf-Monats-Daten lassen sich zudem noch keine abschließenden Aussagen zur langfristigen Nachhaltigkeit, zu Spätkomplikationen oder zum weiteren Bedarf an konservativer Behandlung ableiten.
Bedeutung für die Versorgung in Deutschland
Der Gemeinsame Bundesausschuss hatte die LIPLEG-Studie initiiert und aus Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert. Bereits 2025 wurde die Liposuktion beim Lipödem unter definierten Voraussetzungen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen. Die neue Evidenz liefert damit eine wichtige Grundlage für die weitere Bewertung der Behandlung und für Entscheidungen zur Kostenübernahme.
Langzeitbeobachtungen über insgesamt 36 Monate laufen noch. Weitere Studien sollen unter anderem die langfristige Sicherheit, optimale Operationsverfahren und mögliche Unterschiede zwischen verschiedenen Liposuktionstechniken untersuchen.
Redaktionelle Einordnung für Behandelnde
Für die Diabetologie ist die Studie vor allem interdisziplinär relevant. Sie stärkt die Evidenz für eine operative Option bei Patientinnen mit schmerzhaftem Lipödem, ersetzt aber nicht die sorgfältige individuelle Indikationsstellung. Behandelnde sollten den nachgewiesenen kurzfristigen Nutzen der Liposuktion ebenso berücksichtigen wie die höhere Rate unerwünschter Ereignisse und die noch ausstehenden Langzeitdaten. Die Ergebnisse beziehen sich auf Patientinnen mit Lipödem und sind nicht unmittelbar auf andere Formen der Fettverteilung oder auf Menschen mit Diabetes ohne Lipödem übertragbar.
Quelle: Pressemitteilung der Universität zu Köln vom 04.09.2026: Die operative Behandlung der Fettverteilungsstörung ist besonders effektiv
Originalpublikation: Podda M et al.: „Liposuction versus conservative therapy for patients with lipoedema: A randomised controlled multi-centre clinical trial“. The Lancet, 2026. Paper





