Ein vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördertes Projekt untersucht, wie sich Raucherinnen und Raucher direkt in der Praxis besser erreichen und in qualifizierte Entwöhnungsangebote vermitteln lassen. Das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) ist an der Evaluation und Datenanalyse beteiligt.
Viele Menschen, die Nikotin- oder Tabakprodukte konsumieren, nutzen keine bestehenden Angebote zur Entwöhnung. Für Menschen mit Diabetes ist ein Rauchstopp besonders relevant, weil Tabakkonsum das ohnehin erhöhte Risiko für Gefäß- und Folgeerkrankungen zusätzlich belastet. Ein Grund kann sein, dass die Unterstützung im Versorgungsalltag nicht systematisch angesprochen oder direkt angeboten wird. Das Forschungsprojekt „NiTab“ untersucht deshalb eine Versorgungsform, bei der die Rauchentwöhnung in der Hausarztpraxis beginnt.
Im Mittelpunkt steht eine kurze, strukturierte Beratung: Das Praxisteam fragt den Rauchstatus ab, gibt eine individuelle Empfehlung zum Rauchstopp und bietet geeignete Unterstützung an. Dazu können digitale Angebote, Telefonberatung, Einzel- oder Gruppenkurse sowie medikamentöse Hilfen wie Nikotinersatzprodukte gehören.
Rauchstopp als Bestandteil der hausärztlichen Versorgung
Das Projekt „NiTab – Strukturierte hausärztliche Kurzberatung mit integrierter Weiterleitung in qualifizierte Rauchstoppangebote zur Nikotin- und Tabakentwöhnung“ wird von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und dem Universitätsklinikum Düsseldorf geleitet. Beteiligt sind insgesamt 60 Hausarztpraxen aus Nordrhein-Westfalen.
Geleitet wird das Projekt von Professor Dr. Daniel Kotz vom Institut für Allgemeinmedizin der HHU und des UKD. Als Konsortialpartner ist das Institut für Allgemeinmedizin der Universität Münster beteiligt. Das Institut für Biometrie und Epidemiologie am Deutschen Diabetes-Zentrum übernimmt unter der Leitung von Professor Dr. Oliver Kuß die Evaluation und Datenanalyse. Ebenfalls beteiligt ist die AOK Rheinland/Hamburg.
Der Ansatz soll nicht nur Menschen erreichen, die bereits aktiv versucht haben, ihren Tabakkonsum zu verändern. Vielmehr sollen auch Raucherinnen und Raucher angesprochen werden, die bisher keinen eigenen Entwöhnungsversuch unternommen haben.
Kurzberatung nach dem ABC-Prinzip
Für die Umsetzung in den Praxen entwickelt das Studienteam ein Schulungsangebot für die gesamten Praxisteams. Beteiligt werden sollen Hausärztinnen und Hausärzte sowie Medizinische Fachangestellte.
Im Training wird das ABC-Prinzip vermittelt:
- Ask: den Rauchstatus abfragen
- Brief advice: kurz und individuell zum Rauchstopp beraten
- Cessation support: Unterstützung bei der Entwöhnung anbieten
Auf die Kurzberatung soll eine möglichst unkomplizierte Weiterleitung in ein passendes Therapie- oder Unterstützungsangebot folgen. Vorgesehen sind unter anderem Webseiten, Apps, Telefonberatung, Einzel- und Gruppenangebote sowie medikamentöse Unterstützung, beispielsweise mit Nikotinersatzprodukten.
Cluster-randomisierte Studie untersucht die Wirksamkeit
Der Erfolg der neuen Versorgungsform wird in einer cluster-randomisierten, kontrollierten Studie untersucht. Primärer Endpunkt ist die Nikotin- und Tabakabstinenz nach zwölf Wochen.
Zusätzlich wollen die Forschenden erfassen, wie Patientinnen und Patienten sowie die beteiligten Praxen das Angebot bewerten. Auch wirtschaftliche Aspekte und digitale Möglichkeiten der Versorgung werden untersucht. Damit soll nicht nur geklärt werden, ob die Kurzberatung wirksam ist, sondern auch, wie sie dauerhaft in den Versorgungsalltag integriert werden könnte. Das Projekt wird vom Innovationsausschuss des G-BA über drei Jahre mit rund 2,5 Millionen Euro gefördert.
Bedeutung eines niedrigschwelligen Angebots
„Der Konsum von Nikotin- und Tabakprodukten hat gravierende negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen und auf die Gesellschaft“, erklärt Professor Kotz in der Pressemitteilung. Zwar gebe es bereits zahlreiche Angebote zur Rauchentwöhnung, diese würden aber nur von einem kleinen Teil der Raucherinnen und Raucher genutzt.
Die Forschenden wollen deshalb untersuchen, wie viele Menschen erreicht werden können, wenn die Beratung nicht erst auf Eigeninitiative beginnt, sondern direkt in der hausärztlichen Praxis angeboten wird. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, eine nachhaltige neue Versorgungsform zur Nikotin- und Tabakentwöhnung zu etablieren.
Quelle: Pressemitteilung der Heinricht-Heine-Universität Düsseldorf vom 22.07.2026: Gemeinsamer Bundesausschuss fördert neues Forschungsprojekt: Rauchstopp-Beratung in der Hausarzt-Praxis
Weitere Informationen: G-BA-Innovationsfonds – Projekt NiTab





