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Management von Typ-1-Diabetes bei Kälte und Sport: Was Behandelnde wissen müssen

Sechs Skifahrer stehen mit einem aufgestellten Ski nebeneinander auf einer Skipiste.

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Management von Typ-1-Diabetes bei Kälte und Sport: Was Behandelnde wissen müssen

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: diabetes heute

Wintersport und Typ-1-Diabetes sind kein Widerspruch – das beweisen selbst Athletinnen und Athleten bei den Olympischen Winterspielen. Für eine sichere Zeit im Schnee sind jedoch ein gutes Verständnis des Glukosestoffwechsels und der richtige Umgang mit der Medizintechnik bei Kälte entscheidend. Nachfolgend die wichtigsten Empfehlungen für Behandelnde zusammen.

Die Frage „Kann ich mit meinem Diabetes Skifahren gehen?“ ist eine, die Behandelnde in der Diabetologie häufig hören, sobald die Wintersportsaison beginnt. Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes meiden körperliche Aktivität aus Sorge vor unvorhersehbaren Glukoseabweichungen, insbesondere Hypoglykämien. Diese Unsicherheit kann die Lebensqualität erheblich einschränken. Aktuelle Beispiele aus dem Profisport, wie die Olympiateilnehmerinnen Hannah Schmidt und Anna Fernstädtová, zeigen jedoch eindrucksvoll, dass mit der richtigen Vorbereitung und Steuerung selbst sportliche Höchstleistungen möglich sind. Die Aufgabe von Behandelnde ist es, Betroffene zu befähigen, diese Aktivitäten sicher und selbstbestimmt auszuüben.

Glykämisches Management: Die duale Natur der Anstrengung

Die wichtigste Grundlage für eine sichere sportliche Betätigung ist das Verständnis für die Reaktion des Körpers. Wie der Sportphysiologe Univ.-Prof. Dr. Othmar Moser von der Universität Graz hervorhebt, ist die Beziehung zwischen Sport und Glukosespiegel ambivalent.

Gleichmäßige vs. intensive Belastung:

  • Ausdauerbelastungen: Längere, gleichmäßige Aktivitäten wie Skilanglauf oder entspanntes Skifahren führen in der Regel zu einer erhöhten Insulinsensitivität und senken den Glukosespiegel. Hier ist die proaktive Reduktion der basalen oder bolusierten Insulindosis und die Zufuhr von Kohlenhydraten entscheidend.
  • Intensive Belastungen: Kurze, hoch-intensive Phasen (z. B. ein schneller, anspruchsvoller Hang) oder stressreiche Situationen (z. B. Wettkampfnervosität) können durch die Ausschüttung von Adrenalin und anderen Gegenhormonen zu einem Anstieg des Glukosespiegels führen.

Für die Praxis bedeutet dies, dass eine pauschale Empfehlung nicht ausreicht. Patientinnen und Patienten sollten geschult werden, ihre Glukosewerte regelmäßig zu kontrollieren, den Trend zu interpretieren und stets schnell verfügbare Kohlenhydrate (z. B. Traubenzucker) griffbereit zu haben.

Moderne Technologie als Partner, nicht als Autopilot

Automatisierte Insulin-Dosierungs-Systeme (AID-Systeme) sind eine wertvolle Unterstützung, doch sie erfordern ein aktives Management. Prof. Moser beschreibt sie treffend als „großartigen Trainingspartner, aber keinen Autopiloten“. Behandelnde sollten ihren Patientinnen und Patienten folgende Punkte vermitteln:

  1. Vorbereitung: Ein Sportmodus oder eine temporär erhöhte Zielglykämie sollte rechtzeitig vor Beginn der Aktivität aktiviert werden, um die Insulinabgabe frühzeitig zu reduzieren.
  2. Aktive Überwachung: Während des Sports müssen die Sensorwerte engmaschig beobachtet werden. Fällt der Wert unter 126 mg/dl (7,0 mmol/l), ist die Zufuhr schnell wirksamer Kohlenhydrate empfohlen, um eine Hypoglykämie abzufangen.
  3. Nachsorge: Der „Muskelauffülleffekt“ kann noch Stunden nach der Belastung zu einem Abfall des Glukosespiegels führen. Auch hier muss das AID-System gegebenenfalls durch eine angepasste Zieleinstellung oder die Einnahme zusätzlicher Kohlenhydrate unterstützt werden.

Umgebungsfaktoren: Kälte und Alkohol

Neben der physischen Anstrengung spielen beim Wintersport zwei weitere Faktoren eine wesentliche Rolle:

  • Kälte: Niedrige Temperaturen können die Funktion von Akkus in Insulinpumpen, CGM-Empfängern oder Smartphones beeinträchtigen und deren Leistung drastisch reduzieren. Insulin selbst kann bei Frost seine Wirksamkeit verlieren. Die Empfehlung lautet daher, alle technischen Geräte sowie das Insulin-Reservoir möglichst nah am Körper zu tragen (z. B. in einer Innentasche der Jacke).
  • Alkohol: Für das gesellige Beisammensein nach dem Sport (Après-Ski) gilt: Alkohol kann, insbesondere zeitverzögert, das Risiko für Hypoglykämien erhöhen, da er die Glukose-Neubildung in der Leber hemmt. Der Konsum sollte in Maßen erfolgen (Frauen ≤ 10 g, Männer ≤ 20 g pro Tag), begleitet von regelmäßigen Glukosekontrollen und ggf. einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit.

Indem Behandelnde diese praxisnahen Aspekte adressieren, können sie Menschen mit Typ-1-Diabetes die notwendige Sicherheit vermitteln, um Wintersport unbeschwert und selbstbewusst zu genießen.

Quellen:

1. Pressemitteilung von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe vom 20.02.2026 : Mit Typ-1-Diabetes auf die Piste? Na klar – Olympionikinnen leben es vor: Wintersport und Après-Ski sind mit Blick auf Glukosespiegel und Technik kein Problem

2. Moser, O. (2025). Sport und T1D – eine ambivalente Beziehung. Präsentation bei den Wissenschaftlichen Tagen der Diabetologie (WDT). [PDF]

3. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe: Interview mit Prof. Dr. Othmar Moser.

4. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe: Informationen zum Diabetes-Kids-Ski-Event.

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