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Neue Evidenz: Bereits Prädiabetes erhöht das Risiko für Parkinson-Erkrankung

Ein alter Mann hält ein Wasserglas in der linken Hand und hält seine linke Hand zusätzlich mit der rechten Hand fest.

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Neue Evidenz: Bereits Prädiabetes erhöht das Risiko für Parkinson-Erkrankung

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Erschienen in: diabetes heute

Diabetes mellitus ist längst als systemische Erkrankung mit weitreichenden Folgen bekannt. Weniger präsent im klinischen Alltag ist jedoch ein Zusammenhang, den aktuelle Studiendaten zunehmend belegen: Menschen mit Diabetes – und sogar solche mit Prädiabetes – haben ein messbar erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens an Parkinson zu erkranken. Für Behandelnde ergibt sich daraus eine erweiterte Präventionsperspektive.

Die Parkinson-Erkrankung breitet sich schneller aus, als der demografische Wandel allein erklären kann. Neben Umweltfaktoren geraten metabolische Erkrankungen – allen voran Typ-2-Diabetes – zunehmend in den Fokus der Forschung. Zum Welt-Parkinson-Tag am 11. April haben die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) gemeinsam auf diesen Zusammenhang aufmerksam gemacht. Für Behandelnde liefern die aktuellen Erkenntnisse wichtige Argumente, die Präventionsberatung interdisziplinär zu denken.

Die Hirn-Darm-Achse: Ein pathophysiologischer Schlüssel

Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass fehlgefaltetes Alpha-Synuclein – ein zentrales Protein in der Parkinson-Pathologie – möglicherweise im Darm entsteht und sich über den Vagusnerv ins Gehirn ausbreitet. Veränderungen des Darmmikrobioms sowie chronische Obstipation gelten als mögliche Frühzeichen dieser Neurodegeneration, oft Jahre vor dem Auftreten motorischer Symptome. Diese als Hirn-Darm-Achse beschriebene Verbindung rückt Ernährung und Stoffwechsel als modulierbare Risikofaktoren in den Vordergrund.

Zwei systematische Reviews belegen, dass mediterrane Ernährung – reich an Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Olivenöl und Fisch, arm an Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln – mit einem geringeren Parkinson-Risiko sowie einer niedrigeren Symptomlast bei bereits Erkrankten assoziiert ist [1, 2]. Zugleich schützt diese Ernährungsweise nachweislich vor der Entstehung von Typ-2-Diabetes – womit sich ein doppelter präventiver Effekt ergibt.

Metaanalyse: 27 % höheres Parkinson-Risiko bei Diabetes

Besonders aussagekräftig ist eine Metaanalyse von Aune et al. [3], die 15 Kohortenstudien mit insgesamt 29,9 Millionen Personen und 86.345 Parkinson-Fällen auswertete. Das Ergebnis: Diabetes mellitus ist mit einem etwa 27 % höheren relativen Risiko für die Entwicklung einer Parkinson-Erkrankung assoziiert. Bemerkenswert ist, dass sich bereits für Prädiabetes ein kleiner, aber messbarer Risikoanstieg zeigte.

Diese Befunde werden durch eine retrospektive Kohortenstudie aus Spanien [4] gestützt, die ebenfalls ein erhöhtes Parkinson-Risiko bereits im Prädiabetes-Stadium dokumentierte. „Das Parkinson-Risiko ist bereits bei Prädiabetes erhöht”, betonte PD Dr. Eva Schäffer vom UKSH Kiel, Sprecherin der DGN-Taskforce Prävention.

Epidemiologische Dimension: Millionen Betroffene, wachsende Zahlen

Die Tragweite dieser Zusammenhänge wird angesichts der Diabetesprävalenz in Deutschland deutlich: Nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) [5] erkranken jährlich rund 450.000 Menschen neu an Diabetes, aktuell leben etwa 9,3 Millionen Betroffene mit der Diagnose. Bis 2040 könnte diese Zahl auf 12,3 Millionen steigen.

„Angesichts dieser Entwicklung müssen wir auch das damit einhergehende erhöhte Parkinson-Risiko in den Blick nehmen. Diabetes-Prävention ist letztlich auch Parkinson-Prävention.”

DGN-Präsidentin Prof. Dr. Daniela Berg

Implikationen für den Praxisalltag

Für Behandlungsteams bedeuten diese Erkenntnisse konkret:

  • Frühzeitige Ernährungsberatung im Rahmen der Diabetesbehandlung zahlt potenziell doppelt ein – auf metabolische und neurodegenerative Risiken zugleich.
  • Prädiabetes ernst nehmen: Bereits im Vorstadium besteht ein erhöhtes Risiko. Die Identifikation und Betreuung von Personen mit gestörter Glukosetoleranz gewinnt damit zusätzliche Bedeutung.
  • Interdisziplinäre Kommunikation mit der Neurologie kann bei Betroffenen mit metabolischen Risikofaktoren sinnvoll sein.
  • Ernährungsempfehlungen in Richtung mediterraner Kost lassen sich mit einem erweiterten Präventionsargument kommunizieren.

Auf politischer Ebene fordern DGN und DANK strukturelle Maßnahmen: Barbara Bitzer, Sprecherin der DANK und Geschäftsführerin der DDG, plädiert für eine zuckergestaffelte Steuer nach britischem Vorbild – vergleichbar der Empfehlung der FinanzKommission Gesundheit – um versteckte Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln und Softdrinks wirksam zu reduzieren.

Quelle: Pressemitteilung der Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) sowie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) vom 08.04.2026 : Welt-Parkinson-Tag: Diabetes erhöht das Parkinson-Risiko

Literatur:

[1] Seelarbokus BA, Menozzi E, Schapira AHV et al. Mediterranean Diet Adherence, Gut Microbiota and Parkinson’s Disease: A Systematic Review. Nutrients. 2024;16(14):2181. doi: 10.3390/nu16142181
[2] Solch RJ, Aigbogun JO, Voyiadjis AG et al. Mediterranean diet adherence, gut microbiota, and Alzheimer’s or Parkinson’s disease risk: A systematic review. J Neurol Sci. 2022;434:120166. doi: 10.1016/j.jns.2022.120166

[3] Aune D, Schlesinger S, Mahamat-Saleh Y et al. Diabetes mellitus, prediabetes and the risk of Parkinson’s disease: a systematic review and meta-analysis of 15 cohort studies with 29.9 million participants and 86,345 cases. Eur J Epidemiol. 2023;38(6):591–604. doi: 10.1007/s10654-023-00970-0

[4] Sánchez-Gómez A, Díaz Y, Duarte-Salles T et al. Prediabetes, type 2 diabetes mellitus and risk of Parkinson’s disease: A population-based cohort study. Parkinsonism Relat Disord. 2021;89:22–27. doi: 10.1016/j.parkreldis.2021.06.002Autoren, Name der Publikation verlinkt, Name der Zeitschrift, DOI

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