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Prävention und politische Forderungen gegen Typ-2-Diabetes im Kindesalter

ein Junge und Mädchen mit Übergewicht joggen mit einer Trainerin im Hintergrund

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Prävention und politische Forderungen gegen Typ-2-Diabetes im Kindesalter

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Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

mgo medizin

mgo medizin Redaktion

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Erschienen in: diabetes heute

Übergewicht und Adipositas nehmen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland weiter zu: Laut Robert Koch-Institut sind 15,4 Prozent der 3- bis 17-Jährigen betroffen, davon rund 6 Prozent mit Adipositas. Damit steigt auch das Risiko für Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes – 2022 waren bereits etwa 1.000 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren betroffen und jährlich kommen etwa 250 neue Fälle hinzu. Besonders alarmierend: Die Erkrankung verläuft im Kindesalter oft aggressiver als Typ-1-Diabetes, Komplikationen treten früher und häufiger auf.

Die Ursachen sind vielfältig: Neben Ernährung und Bewegungsmangel spielen auch Umweltfaktoren wie eingeschränkte Freizeitmöglichkeiten, Luftverschmutzung und Lärmbelastung in Städten eine Rolle. Prof. Karsten Müssig, Tagungspräsident der DDG-Herbsttagung, betont, dass Prävention und Therapie auf einer ausgewogenen Ernährung, regelmäßiger Bewegung, ausreichend Schlaf und Stressreduktion basieren sollten. Entscheidend sei laut Prof. Müssig, dass aktiv und bewusst Möglichkeiten für eine gesunde Lebensweise geschaffen werden – beispielsweise im schulischen Umfeld – und dass dabei Stigmatisierung vermieden und eine bewusste Entscheidung für die Gesundheit gefördert werde.

„Die Prävalenz von Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen steigt – auch in Deutschland. Ein früher Beginn bedeutet eine längere Krankheitsdauer, mehr Belastung und ein höheres Risiko für Komplikationen bereits im jungen Erwachsenenalter.“

Professor Dr. Karsten Müssig, Tagungspräsident der DDG-Herbsttagung 2025 und Chefarzt am Franziskus-Hospital Harderberg

Prof. Müssig betonte in seinem Vortrag die wichtige Unterscheidung zwischen Verhaltensprävention und Verhältnisprävention. Während erstere darauf abzielt, das individuelle Verhalten – wie Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stressmanagement – zu verbessern, geht die Verhältnisprävention einen Schritt weiter: Sie schafft aktiv die nötigen Rahmenbedingungen, etwa in Schulen, damit gesunde Lebensweisen überhaupt möglich und attraktiv werden. Entscheidend sei dabei, dass nicht nur ausreichende Angebote für Ernährung, Bewegung, Schlafgesundheit und Stressreduktion vorhanden sind, sondern auch bewusst Strukturen geschaffen werden, die eine gesunde Lebensweise fördern und Stigmatisierung vermeiden. Die Basis der Prävention und Therapie besteht laut Prof. Müssig in einer ausgewogenen Ernährung, die durch ausreichend Bewegung und die Unterstützung der Familie ergänzt werden sollte; dabei seien insbesondere ein geringerer Konsum von Zucker und Fast Food sowie mehr Gemüse, Vollkornprodukte und gesunde Fette empfehlenswert.

Medikamentöse Therapieoptionen wie Metformin und GLP-1-Rezeptoragonisten (etwa Liraglutid oder Dulaglutid) stehen zur Verfügung, werden aber immer in Verbindung mit Lebensstilanpassungen eingesetzt. Neue Medikamente wie Semaglutid zeigen vielversprechende Ergebnisse, können allerdings auch Nebenwirkungen verursachen und sind nicht für alle Kinder geeignet. Prof. Müssig weist darauf hin, dass nach Absetzen der sog. „Abnehmspritzen“ ein Rebound-Effekt beim Gewicht möglich ist – daher bleibt die Lebensstiländerung die zentrale Säule der Therapie.

Programme wie das OBELTIX-Schulungsprogramm für Kinder mit Adipositas und Typ-2-Diabetes zeigen, wie Prävention und Therapie frühzeitig und strukturiert ansetzen können. Das abschließende Fazit der Pressestelle der DDG lautet daher: Prävention muss möglichst früh beginnen, und die medikamentöse Entwicklung bietet zusätzliche Optionen, kann aber Lebensstiländerungen nicht ersetzen.

Doch auch die Politik ist gefordert. Strukturelle Veränderungen im Umfeld von Kindern und Jugendlichen sind entscheidend, um gesunde Lebensweisen überhaupt erst möglich zu machen. Freiwillige Maßnahmen und reine Aufklärung sind nach Ansicht der Fachgesellschaften nicht genug, um die steigende Zahl an Typ-2-Diabetes-Erkrankungen wirksam einzudämmen.

„Es reicht nicht aus, an die Eigenverantwortung zu appellieren. Wir brauchen verbindliche rechtliche Rahmenbedingungen, die die gesunde Wahl für Bürgerinnen und Bürger zur einfachen Wahl machen – unabhängig von Herkunft, Bildungsgrad oder Geldbeutel.“

Barbara Bitzer, Sprecherin der Deutschen Allianz für Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) und Geschäftsführerin der DDG

Bitzer verwies darauf, dass Deutschland sich eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt leiste, die Lebenserwartung aber dennoch unter dem europäischen Durchschnitt liege. Einzelne Maßnahmen wie das Verbot des begleiteten Trinkens von Jugendlichen oder das Rauchverbot im Auto mit Kindern seien zwar kleine Fortschritte, doch entscheidend sei ein gesamtpolitischer Ansatz, der echte Verhältnisprävention ermöglicht. In der Pressekonferenz wurde von der Redaktion diabetes heute nachgehakt, warum Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern bei verbindlichen Präventionsmaßnahmen so zurückhaltend ist – etwa bei der Zuckersteuer, deren Erfolg in Großbritannien längst belegt ist. Bitzer erklärte, dass eine starke Lobby und politische Zurückhaltung verbindliche Maßnahmen bislang verhinderten: „Wir brauchen politischen Mut und einen gesamtpolitischen Ansatz über alle Ministerien hinweg, um die Industrie verbindlich in die Verantwortung zu nehmen.“

Zu den konkreten Forderungen von DANK zählen Werbebeschränkungen für ungesunde Lebensmittel, eine Herstellerabgabe auf stark zuckergesüßte Getränke und verbindliche Standards für die Schulverpflegung. Bitzer betonte zudem die Bedeutung einer positiven Kommunikation: Statt von „Verboten“ und „Steuern“ zu sprechen, sollten die Chancen und der Gewinn an Lebensqualität im Vordergrund stehen. Die Mehrheit der Bevölkerung unterstützt diese Forderungen: Über 90 Prozent der Deutschen befürworten die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel, fast ebenso viele sprechen sich für strengere Werbeschranken zum Schutz von Kindern aus. Die DDG-Pressestelle fasste zusammen: Prävention ist eine politische Aufgabe – und Deutschland sollte sich an erfolgreichen internationalen Beispielen orientieren, um Rückstände endlich aufzuholen.

Quelle: Pressemappe Vorab-Pressekonferenz der 19. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Statements von Prof. Dr. med. Karsten Müssig und Barbara Bitzer, 28. Oktober 2025, Seiten 2–4, 7–8.

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