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Remission statt Diät, Metabolom statt BMI: Risiko neu messen

Ein Mann hält vor einem medizinischen Publikum einen Vortrag.

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Remission statt Diät, Metabolom statt BMI: Risiko neu messen

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: diabetes heute

Zwei Preisträger des DGIM-Kongresses 2026 rütteln an Grundannahmen der Diabetologie: Prädiabetes kann auch ohne Gewichtsreduktion remittieren – und der BMI täuscht öfter, als wir dachten. Was das für die Praxis bedeutet.

Beim 132. Internistenkongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden wurden in diesem Jahr zwei Nachwuchsforschenden ausgezeichnet: Dr. Arvid Sandforth (Charité Berlin) erhielt den Präventionspreis der DGIM und der Deutschen Stiftung Innere Medizin (DSIM) 2026, PD Dr. Rima Chakaroun (Universitätsklinikum Jena) den renommierten Theodor-Frerichs-Preis 2026 der DGIM. Beide Arbeiten wurden in Nature Medicine publiziert – und beide stellen etablierte Grundannahmen in der metabolischen Medizin infrage.

Remission ohne Diät – ein Paradigmenwechsel?

Dr. Arvid Sandforth, Charité Berlin, wurde auf dem DGIM-Kongress 2026 für seine Forschung zur Prädiabetes-Remission ausgezeichnet. Seine zentrale Botschaft: Nicht die Gewichtsabnahme allein entscheidet, ob ein Mensch mit Prädiabetes auf dem Weg zum Typ-2-Diabetes bleibt – sondern ob eine Remission des Prädiabetes erreicht wird.

In seiner Analyse zeigte Sandforth, dass Patienten, deren Prädiabetes remittierte, eine über 70 Prozent niedrigere Diabetes-Inzidenz aufwiesen – und das auch dann, wenn sie kein Gewicht verloren hatten. Das widerspricht der gängigen Annahme, dass Gewichtsreduktion die entscheidende Stellschraube in der Prävention ist.

Auf der Montags-Pressekonferenz des DGIM 2026 in Wiesbaden erklärte Sandforth, dass es in seinen Daten deutlich Responder und Non-Responder gab – ohne dass das Körpergewicht den Unterschied erklärte. Der eigentliche Prädiktor für den günstigen Verlauf war die Remission selbst. Welche biologischen Mechanismen dahinterstecken und welche Menschen besonders ansprechen, ist Gegenstand laufender Forschung.

Für die Praxis bedeutet das: Nicht nur das Gewicht im Blick behalten – sondern aktiv prüfen, ob eine Remission des Prädiabetes erreicht wird. Das setzt voraus, dass Prädiabetes konsequent diagnostiziert und verlaufsbeobachtet wird.

Wenn der BMI lügt: Der metabolische Body-Mass-Index

Die zweite Preisträgerin, PD Dr. Rima Chakaroun vom Universitätsklinikum Leipzig, stellt ein anderes Fundament der metabolischen Risikoabschätzung infrage: den Body-Mass-Index. Ihr Forschungsansatz: Der BMI sagt zu wenig über das tatsächliche metabolische Risiko einer Person aus – zu viel bleibt unsichtbar.

Charakoun und ihr Team entwickelten den Ansatz eines metabolischen BMI (metBMI), der auf der Analyse von über 60 Schlüsselmetaboliten basiert. Dieser bildet das individuelle Stoffwechselprofil präziser ab als das Körpergewicht allein. Zwei Patienten mit identischem BMI können demnach ein fundamental unterschiedliches Risikoprofil für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen haben.

Auf der Montags-Pressekonferenz des DGIM 2026 in Wiesbaden betonte Charakoun, dass der metBMI perspektivisch helfen könnte, Hochrisikopatienten früher und gezielter zu identifizieren – auch solche, die im klassischen BMI-Screening unauffällig wirken. Bis zur Praxisreife braucht es jedoch noch weitere Validierungsstudien.

Gemeinsame Botschaft: Risiko individuell denken

Beide Preistragenden liefern unterschiedliche Argumente für dieselbe Schlussfolgerung: Die bisherigen Werkzeuge der metabolischen Risikoabschätzung – Gewicht, BMI, klassische Schwellenwerte – reichen nicht aus. Wer Hochrisikopatienten früh erkennen und effektiv behandeln will, braucht eine präzisere, individualisierte Perspektive.

Das deckt sich auch mit der Debatte um den Begriff „Prädiabetes“ selbst: Während Kritiker argumentieren, dass der Begriff Millionen Menschen pathologisiere ohne therapeutische Konsequenz, liefern Sandforth und Charakoun das Gegenargument – nämlich dass Prädiabetes ein klinisch nutzbares Zeitfenster darstellt, sofern man die richtigen Parameter im Blick hat.

Quellen:

1. Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) vom 21.04.2026 : Ohne Wissenschaft keine Zukunft –
Montags-Pressekonferenz anlässlich des 132. Kongresses der DGIM

2. Statement zum Begriff Prädiabetes, Dr. Christoph Werner (Universitätsklinikum Jena), in diabetes heute, 2/2026

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